Highlights der flämischen Barockmalerei
Opulenter Überschwang der Dramatik, dynamische Kompositionen und eine betörende Sinnlichkeit: das ist die überbordende Kunst des flämischen Barocks. Mit einem großen Reichtum an Farben schufen sie bewegte Lebendigkeit und Theatralik. Themen waren oft biblische und mythologische Geschichten, Porträts und Stillleben, die durch prachtvolle Ausarbeitung und prunkvolle Inszenierungen bestechen.

Großer Blumenstrauß in einem Holzgefäß Jan Brueghel d. Ä. um 1606/1607

Nach 1600 entwickelte sich die Blumenmalerei zu einem selbständigen Zweig des Stilllebens. Als einer ihrer Hauptvertreter gilt Jan Brueghel. Ihm werden sechzehn derartige Gemälde zugeschrieben. Der "Große Blumenstrauß" - eines der berühmtesten Blumenstücke überhaupt - bietet kein Abbild eines realen Buketts, sondern vielmehr eine enzyklopädische Gesamtschau seltener Arten. In der höchst akribischen, virtuosen Wiedergabe von 130 verschiedenen Blumen vereinen sich Kunst und naturwissenschaftliches Interesse.
Titel:
Großer Blumenstrauß in einem Holzgefäß
Zeit:
um 1606/1607

Gefangennahme Simsons Anthonis van Dyck um 1628/1630

Delila hatte herausgefunden, dass die außerordentliche Kraft Samsons in seinen Haaren lag und das Geheimnis an seine Verfolger verraten. Sie schnitt dem Schlafenden das Haupthaar ab und lieferte ihn so den feindlichen Philistern aus. Van Dyck nimmt hier zwar eine Komposition Peter Paul Rubens zum Vorbild, gibt aber die psychische Situation von Samson und Delila in anderer Weise wieder: Statt des heroischen Aufbäumens des Helden rücken die ambivalenten Gefühle der beiden Protagonisten in den Mittelpunkt.
Titel:
Gefangennahme Simsons
Zeit:
um 1628/1630

Mystische Verlobung des heiligen Hermann Joseph mit Maria Anthonis van Dyck um 1629/1630

Die Vision des Prämonstratensermönches von seiner Vermählung mit Maria war der Höhepunkt seiner ausgeprägten Marienverehrung. Tiefe Zuneigung, Hingabe und Ergriffenheit liegen in Haltung, Gesten und Antlitz des knienden Mönches. Maria dagegen erscheint distanziert, überlegen und kühl. Der an Arm und Schulter entblößte, lächelnde Engel übernimmt kompositorisch wie inhaltlich die Vermittlerfunktion. In seinem vielfach aufgewühlten Gewand scheint sich alle Emotion zu konzentrieren.
Titel:
Mystische Verlobung des heiligen Hermann Joseph mit Maria
Zeit:
um 1629/1630

Nicholas Lanier (1588-1666) Anthonis van Dyck 1628

Lanier (1588-1666), Hofmusikmeister und einer der Kunstagenten König Karls I. von England, gab van Dyck den Auftrag zu diesem Porträt. Da das Bild für die Sammlungen des kunstbegeisterten Königs bestimmt war, setzte van Dyck all sein bravouröses Können bei der malerischen Ausführung ein; auch die an oberitalienische Renaissanceporträts gemahnende Anlage des Kniestücks vor einer Ruinenarchitektur mit Ausblick in eine romantische Landschaft ist eine Hommage an des Königs und van Dycks Lieblingsmaler. Zugleich erfaßte van Dyck Laniers elegant überfeinertes Wesen, das treffend das Selbstverständnis der höfischen Gesellschaft zur Stuartzeit widerspiegelt.
Titel:
Nicholas Lanier (1588-1666)
Zeit:
1628

Gemälde: Francisco de Moncada, Marqués de Aytona Anthonis van Dyck um 1633/1634

Francisco de Moncada, Marquis von Aytona und Graf von Osuna, wurde 1629 vom spanischen Hof als Abgesandter nach Brüssel geschickt, wo die Infantin Clara Isabella als Statthalterin der Südlichen Niederlande residierte. 1633 erhielt er das Oberkommando der dortigen spanischen Armee und musste nach dem Tod der Infantin auch kurz die Regierung übernehmen. Van Dyck zeigt ihn in spanischer Hoftracht mit dem Santiago-Orden, dessen Kollane mit dem Medaillon des hl. Jakob er mit fester Hand stolz hält.
Titel:
Francisco de Moncada, Marqués de Aytona
Zeit:
um 1633/1634

Fest des Bohnenkönigs Jacob Jordaens um 1640/1645

Das Gemälde schildert den flämischen Volksbrauch am Dreikönigstag: Der Finder der in einem Kuchen eingebackenen Bohne wird zum König des Festes, er wählt die schönste Frau zur Königin. Die übrigen Anwesenden übernehmen "Hofämter". Die lateinische Inschrift (dt.: "Keiner ist dem Narren ähnlich als der Betrunkene") verleiht dem überbordenden Treiben einen moralisierenden Unterton. Jordaens setzte sich künstlerisch mit Rubens, Caravaggio und der holländischen Malerei auseinander, entwickelte daraus jedoch einen charakteristischen eigenen Stil.
Titel:
Fest des Bohnenkönigs
Zeit:
um 1640/1645

Himmelfahrt Mariae Peter Paul Rubens um 1611/1614 - 1621

Das Altarbild war ursprünglich für den Hochaltar der Kathedrale in Antwerpen gedacht, hing jedoch von 1621 bis 1776 in der Marienkapelle der dortigen Jesuitenkirche. Während Maria in hellem Licht zum Himmel auffährt, bleiben die um das leere Grab versammelten, fassungslos staunenden Männer und Frauen in der durch erdige Farbtöne gekennzeichneten irdischen Welt zurück. Im Gegensatz zur fließenden Dynamik späterer Versionen ist diese erste von Rubens geschaffene monumentale Himmelfahrt eher statisch komponiert.
Titel:
Himmelfahrt Mariae
Zeit:
um 1611/1614 - 1621

Gemälde: Die vier Flüsse des Paradieses Peter Paul Rubens um 1615

Der herkömmlichen Deutung zufolge lagern hier, zu Paaren gruppiert, die Personifikationen der vier Weltteile mit ihren jeweiligen Hauptströmen: Etwas erhöht sitzen einander Europa links, begleitet vom Flussgott der Donau, und Asien rechts mit dem Ganges gegenüber. Im Hintergrund ruht der Kontinent Amerika mit dem Rio de la Plata. Der Nil umarmt die schwarze Schönheit Afrika. Eine neue Interpretation sieht in den Figuren der Flüsse eine Allegorie der vier großen Ströme des Alten Orients bzw. der vier Paradiesesströme.
Titel:
Die vier Flüsse des Paradieses
Zeit:
um 1615

Christuskind mit Johannesknaben und zwei Engeln Peter Paul Rubens um 1615/1620

Die Verehrung des Christuskindes erleichterte dem Gläubigen durch den idyllischen Charakter der Szene den Zugang zum komplexen Heilsgeschehen. Der reiche christliche Legendenschatz liefert die Textgrundlage für den Besuch des Johannesknaben mit seinen Eltern bei Maria und Jesus. Trotz dieses religiösen Anspruchs hat Rubens die Position von Jesus und Johannes in Auseinandersetzung mit antiken Skulpturengruppen entwickelt, die auch für sein Gemälde mit den Vier Flüssen des Paradieses (Inv.-Nr. GG 526) vorbildhaft waren.
Titel:
Christuskind mit Johannesknaben und zwei Engeln
Zeit:
um 1615/1620

Gemälde: Cimon und Efigenia Peter Paul Rubens um 1617

Boccaccios Novelle im Decamerone erzählt die Geschichte des trotz seiner hohen Abstammung an Bildung und guten Sitten desinteressierten Cimon. Beim Anblick der ebenso schönen wie gebildeten Efigenia beschloss er jedoch, sich ihre Liebe durch den Erwerb aller für einen Edelmann notwendigen Kenntnisse zu verdienen. Für das Früchtestillleben und die Landschaft zog Rubens, wie er dies öfters tat, die Maler Frans Snyders bzw. Jan Wildens heran.
Titel:
Cimon und Efigenia
Zeit:
um 1617

Haupt der Medusa Peter Paul Rubens um 1613

Perseus tötete mit List die schlangenhaarige Medusa, die mit ihrem Blick Mensch und Tier versteinert hatte (Ovid, Metamorphosen). Das aus ihrem abgeschlagenen Haupt tropfende Blut verwandelte sich in Schlangen. Zur Zeit des Rubens wurde die Darstellung politisch oder allegorisch als Zeichen des Sieges der stoischen Vernunft über die Feinde der Tugend verstanden. Die drastische Schilderung mit den weit aufgerissenen, herausquellenden, blutunterlaufenen Augen stammt von Rubens selbst, in Zusammenarbeit mit seiner Werkstatt, das Getier wurde dem Spezialisten Frans Snyders zugeschrieben.
Titel:
Haupt der Medusa
Zeit:
um 1613

Gewitterlandschaft mit Jupiter, Merkur, Philemon und Baucis Peter Paul Rubens um 1620/1625 bis um 1636

Philemon und Baucis hatten im Unterschied zu allen anderen Menschen trotz großer Armut den auf Erden unerkannt wandernden Göttern Jupiter und Merkur Gastfreundschaft gewährt (Ovid, Metamorphosen). Während die verderbte Welt zur Strafe in der Flut versinkt, wird das Ehepaar - wir sehen es bittend rechts im Mittelgrund - verschont; Hauptthema des Bildes ist jedoch die elementare Naturkatastrophe, die Natur in ihrer Urgewalt aus berstendem Himmel, Wolkenbrüchen, Sturzbächen, Ertrinkenden und Ertrunkenen.
Titel:
Gewitterlandschaft mit Jupiter, Merkur, Philemon und Baucis
Zeit:
um 1620/1625 bis um 1636

Venusfest (Fest der Venus Verticordia) Peter Paul Rubens um 1636/1637

Das Bild feiert die Allmacht der Liebe. Es geht u. a. auf die antike Beschreibung eines griechischen Gemäldes zurück, auf dem ein Kultbild der Aphrodite von Nymphen geschmückt und von geflügelten Eroten umtanzt wurde. Tizian, Rubens’ großes Vorbild, hatte sich davon um 1518 zu einem berühmten, dann von Rubens kopierten Gemälde inspirieren lassen. Der offene Pinselstrich und die differenzierte Farbigkeit sind ein Bekenntnis zum späten Tizian; die ekstatische Intensität im Wiedererleben der Antike ist hingegen Rubens’ ureigenste Tat.
Titel:
Venusfest (Fest der Venus Verticordia)
Zeit:
um 1636/1637

Helena Fourment ("Das Pelzchen") Peter Paul Rubens um 1636/1638

Die Haltung von Rubens' zweiter Frau Helena Fourment (1614-1674, verheiratet 1630) erinnert an den Typus der antiken "Venus pudica", der "schamhaften Venus", die ihre Blöße mit beiden Armen bedeckt. Zudem kannte Rubens Tizians "Mädchen im Pelz" (Inv.-Nr. GG 89), das ebenfalls einen pelzgefütterten Mantel um seinen Körper geschlungen hat; in beiden Gemälden wird der Gegensatz zwischen der hellen, weichen Haut und dem dunklen, samtigen Pelz mit großer Sensibilität dargestellt.
Titel:
Helena Fourment ("Das Pelzchen")
Zeit:
um 1636/1638

Fischmarkt mit dem Verkauf der Rotbarbe des Kaiser Tiberius Werkstatt: Peter Paul Rubens um 1621

Neben einem prachtvollen Stillleben von Frans Snyders spielt
eine Szene, die Rubens erfand und seine Werkstatt (van Dyck?) umsetzte: Kaiser
Tiberius lässt eine Rotbarbe am Markt versteigern, um zu sehen, wer sie
erwirbt. Der junge, wohlhabende, in Rosa gekleidete Octavius zahlt einen absurd
hohen Preis und überbietet damit den reichen Apicius in roter Toga. Die
Geschichte beruht auf Senecas Briefen über Ethik und wurde von Rubens’ Freund Ludovicus
Nonnius in seinem Werk über Fischesser (Ichtyophagia,
1616) nacherzählt.
Titel:
Fischmarkt mit dem Verkauf der Rotbarbe des Kaiser Tiberius
Zeit:
um 1621

Erzherzog Leopold Wilhelm in seiner Gemäldegalerie David Teniers d. J. um 1650

Die große Bedeutung Leopold Wilhelms (1614-1662) resultiert weniger aus seiner politischen Tätigkeit als Statthalter der spanischen Niederlande als vielmehr aus seiner Rolle als Kunstmäzen. Er legte eine Galerie von über 1.400 Bildern an, die sich größtenteils noch heute im Kunsthistorischen Museum befinden.
Hier zeigt Teniers den Erzherzog und sich selbst sowie andere Hofleute bei der Betrachtung von 51 italienischen Werken aus der Sammlung des Duke of Hamilton, die Leopold Wilhelm kurz vor der Entstehung des Galeriebildes erworben hatte.
Titel:
Erzherzog Leopold Wilhelm in seiner Gemäldegalerie
Zeit:
um 1650

Ildefonso-Altar: Maria erscheint dem hl. Ildefonso (Mittelteil), Erzherzog Albrecht der VII. (linker Innenflügel) bzw. Infantin Isabella Clara Eugenia (rechter Innenflügel), beide mit ihren Schutzpatronen Peter Paul Rubens um 1630/1632

Isabella Clara Eugenia, Statthalterin der Niederlande, stiftete dieses Triptychon der Ildefonso-Bruderschaft in Brüssel. Es zeigt eine Begebenheit aus dem Leben des Heiligen: Die Madonna erscheint in überirdischem Glanz und überreicht ihm ein Meßgewand. Die Szene veranschaulicht Rubens' Gabe, erhaben Heiliges mit emotional Menschlichem zu einer wunderbaren Einheit zu verbinden. Die Seitenflügel zeigen Erzherzog Albrecht und seine Gemahlin, von ihren Schutzpatronen, dem hl. Albrecht von Löwen und der hl. Elisabeth von Ungarn, begleitet.
Titel:
Ildefonso-Altar: Maria erscheint dem hl. Ildefonso (Mittelteil), Erzherzog Albrecht der VII. (linker Innenflügel) bzw. Infantin Isabella Clara Eugenia (rechter Innenflügel), beide mit ihren Schutzpatronen
Zeit:
um 1630/1632
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