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Schüttelkasten
2. Hälfte 16. Jahrhundert
Der Ambraser Schüttelkasten zeigt auf einem täuschend echt nachgebildeten Waldboden einen Mikrokosmos mit Schildkröten, Lurchen, Schnecken, Muscheln, Schlangen, Skorpionen und Käfern, die sich zum Teil in höhlenartigen Nischen verstecken. Er ist eines der wenigen bis heute erhalten gebliebenen Objekte seiner Art und ein charakteristisches Beispiel für jene Gegenstände der manieristischen Kunst- und Wunderkammern, die in sich eine kuriose Verbindung von verschiedenen Materialien, Naturnachahmung, Kunsthandwerk und technischer Umsetzung aufweisen. Derartige Objekte demonstrieren, dass Flora und Fauna bis ins kleinste Detail beobachtet wurden und zugleich die Natur in ein Kunstgebilde gebannt werden sollte. Der Betrachter wird durch diese vorgespiegelte Naturnähe getäuscht, wie dies beispielsweise auch durch die überaus realistisch gefertigten Früchte aus Marmor geschieht. Dem Schüttelkasten liegt darüber hinaus noch die durch Plato begründete Vorstellung der Gleichsetzung von Leben mit Selbstbewegung zugrunde. Beim leisesten Anstoßen des Holzkastens beginnen sich die Miniaturtiere darin zu bewegen, weil sie nach Art einer Waage an einem Angelpunkt befestigt und ausgependelt worden sind. Der Wunsch, durch Bewegung Leben nachzubilden, steht hinter mehreren Kunstkammerobjekten, so beispielsweise hinter den Automaten oder dem im Ambraser Nachlassinventar von 1596 erwähnten, aber heute nicht mehr erhaltenen Kästchen mit "ain schlang, von drat gemacht; und so mann das gstätele aufthuet, so springt die schlang heraus [...]". Die Kriechtiere, Schnecken und Insekten verweisen auf das Thema der Grotte, die in vielen Mythen als Wohnsitz von übersinnlichen Wesen oder als Kultplatz in Erscheinung tritt. Im Manierismus und im Barock wurden Grotten häufig als Korallenobjekt gestaltet oder als künstlich angelegte Höhlen in Gärten nachgebildet.









Der Ambraser Schüttelkasten zeigt auf einem täuschend echt nachgebildeten Waldboden einen Mikrokosmos mit Schildkröten, Lurchen, Schnecken, Muscheln, Schlangen, Skorpionen und Käfern, die sich zum Teil in höhlenartigen Nischen verstecken. Er ist eines der wenigen bis heute erhalten gebliebenen Objekte seiner Art und ein charakteristisches Beispiel für jene Gegenstände der manieristischen Kunst- und Wunderkammern, die in sich eine kuriose Verbindung von verschiedenen Materialien, Naturnachahmung, Kunsthandwerk und technischer Umsetzung aufweisen. Derartige Objekte demonstrieren, dass Flora und Fauna bis ins kleinste Detail beobachtet wurden und zugleich die Natur in ein Kunstgebilde gebannt werden sollte. Der Betrachter wird durch diese vorgespiegelte Naturnähe getäuscht, wie dies beispielsweise auch durch die überaus realistisch gefertigten Früchte aus Marmor geschieht. Dem Schüttelkasten liegt darüber hinaus noch die durch Plato begründete Vorstellung der Gleichsetzung von Leben mit Selbstbewegung zugrunde. Beim leisesten Anstoßen des Holzkastens beginnen sich die Miniaturtiere darin zu bewegen, weil sie nach Art einer Waage an einem Angelpunkt befestigt und ausgependelt worden sind. Der Wunsch, durch Bewegung Leben nachzubilden, steht hinter mehreren Kunstkammerobjekten, so beispielsweise hinter den Automaten oder dem im Ambraser Nachlassinventar von 1596 erwähnten, aber heute nicht mehr erhaltenen Kästchen mit "ain schlang, von drat gemacht; und so mann das gstätele aufthuet, so springt die schlang heraus [...]". Die Kriechtiere, Schnecken und Insekten verweisen auf das Thema der Grotte, die in vielen Mythen als Wohnsitz von übersinnlichen Wesen oder als Kultplatz in Erscheinung tritt. Im Manierismus und im Barock wurden Grotten häufig als Korallenobjekt gestaltet oder als künstlich angelegte Höhlen in Gärten nachgebildet.
Time:
2. Hälfte 16. Jahrhundert
Object Name
Schüttelkasten
Culture
Süddeutsch
Dimensions:
H. 12,5 cm, B. 23,8 cm, T. 17,4 cm
Copyright
Kunsthistorisches Museum, Kunstkammer
Invs.
Kunstkammer, 5432
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