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Reiterharnisch (Küriss)
Dieser Harnisch ist das Hauptwerk der Plattnerkunst der deutschen Spätgotik. Er verkörpert wie kein anderer das zu jener Zeit nördlich der Alpen vorherrschende ästhetische Ideal des Harnischs, der stählernen Männermode. Er wirkt schlank und leicht, strahlenförmige Kehlungen rhythmisieren seine Oberfläche. Manche der Säume und Folgenränder sind mit Zierleisten aus vergoldetem Messing besetzt, andere geometrisch oder lilienförmig ausgesägt. Die Schuhe enden in lange Spitzen, wie sie auch aus der textilen höfischen Mode jener Zeit bekannt sind.
Der Harnisch entstand um 1484 in der Werkstatt von Lorenz Helmschmid in Augsburg, einem der großen Meister der Plattnerkunst. Lorenz begründete eine Dynastie von Harnischschmieden, die unter seinem Sohn Kolman und seinem Enkel Desiderius bis in die Mitte des 16. Jahrhunderts auf höchstem technischem und künstlerischem Niveau arbeiten sollte. Ab den 1470er Jahren arbeitete die Familie Helmschmid vor allem für die Habsburger, von Kaiser Friedrich III. bis König Philipp II. von Spanien.
Der vorliegende Harnisch stammt aus der Heldenrüstkammer Erzherzog Ferdinands II. auf Schloss Ambras bei Innsbruck. Er galt dort als Harnisch Erzherzog Sigmunds. Als solcher ist er im Katalog der Heldenrüstkammer, dem Armamentarium Heroicum von 1601/03, illustriert. Diese Zuschreibung hielt sich trotz Zweifel bis ins frühe 21. Jahrhundert, als er schließlich, wohl zutreffend, dem jungen Kaiser Maximilian I. zugewiesen wurde.
Für eine Zuordnung an Maximilian spricht dessen damaliges Alter. Ein figurbetonter Harnisch wie der vorliegende war für einen jungen, schlanken Mann gemacht – Maximilian war damals etwa 25 Jahre alt, Sigmund knapp 60. Für Sigmund ist darüber hinaus kein Auftrag bei Lorenz Helmschmid nachweisbar, während Maximilian diesen Plattner seit etwa 1480 über Jahre hinweg mit einer Vielzahl von Aufträgen an sich band. 1491 ernannte Maximilian Lorenz sogar zu seinem Hofplattner.







Dieser Harnisch ist das Hauptwerk der Plattnerkunst der deutschen Spätgotik. Er verkörpert wie kein anderer das zu jener Zeit nördlich der Alpen vorherrschende ästhetische Ideal des Harnischs, der stählernen Männermode. Er wirkt schlank und leicht, strahlenförmige Kehlungen rhythmisieren seine Oberfläche. Manche der Säume und Folgenränder sind mit Zierleisten aus vergoldetem Messing besetzt, andere geometrisch oder lilienförmig ausgesägt. Die Schuhe enden in lange Spitzen, wie sie auch aus der textilen höfischen Mode jener Zeit bekannt sind.
Der Harnisch entstand um 1484 in der Werkstatt von Lorenz Helmschmid in Augsburg, einem der großen Meister der Plattnerkunst. Lorenz begründete eine Dynastie von Harnischschmieden, die unter seinem Sohn Kolman und seinem Enkel Desiderius bis in die Mitte des 16. Jahrhunderts auf höchstem technischem und künstlerischem Niveau arbeiten sollte. Ab den 1470er Jahren arbeitete die Familie Helmschmid vor allem für die Habsburger, von Kaiser Friedrich III. bis König Philipp II. von Spanien.
Der vorliegende Harnisch stammt aus der Heldenrüstkammer Erzherzog Ferdinands II. auf Schloss Ambras bei Innsbruck. Er galt dort als Harnisch Erzherzog Sigmunds. Als solcher ist er im Katalog der Heldenrüstkammer, dem Armamentarium Heroicum von 1601/03, illustriert. Diese Zuschreibung hielt sich trotz Zweifel bis ins frühe 21. Jahrhundert, als er schließlich, wohl zutreffend, dem jungen Kaiser Maximilian I. zugewiesen wurde.
Für eine Zuordnung an Maximilian spricht dessen damaliges Alter. Ein figurbetonter Harnisch wie der vorliegende war für einen jungen, schlanken Mann gemacht – Maximilian war damals etwa 25 Jahre alt, Sigmund knapp 60. Für Sigmund ist darüber hinaus kein Auftrag bei Lorenz Helmschmid nachweisbar, während Maximilian diesen Plattner seit etwa 1480 über Jahre hinweg mit einer Vielzahl von Aufträgen an sich band. 1491 ernannte Maximilian Lorenz sogar zu seinem Hofplattner.
Besitzer/in:
Maximilian I. (1477-1519), seit 1493 deutscher König, 1508 Kaiser (1459 - 1519) DNBarrow_outward
Künstler/in:
Lorenz Helmschmid (erw. 1469, gest. 1515/16, Augsburg (Plattner))
Zeit:
um 1485
Objektbezeichnung
Reiterharnisch (Küriss)
Kultur
Augsburg
Material/Technik:
Eisen, geschmiedet, getrieben, teils durchbrochen gearbeitet. Dekorleisten: Messing, feuervergoldet, teils getrieben, teils durchbrochen gearbeitet, teils graviert. Nietkappen, Schnallen, Scharniere, Ösen: Messing, teils feuervergoldet. Rüsthaken: Eisen, geschmiedet und mit Messing plattiert. Messing: teils durchbrochen gearbeitet, teils graviert, feuervergoldet. Leder (modern).
Maße:
Maße inkl Eisenplatte: H 186 cm x B 74 cm x T 77 cm
Eisenplatte H: 4 cm x B 60 cm x T 60 cm
Gewicht exkl. Figurine, exkl. Eisenplatte: 21,25 kg
Gewicht: 78 kg (inkl. Figurine und Eisenplatte)
Signatur
keine
Beschriftung
keine
Stempel / Zeichen
auf Schaller:
Meistermarke: Stechhelm mit Kreuz als Helmzier (Lorenz Helmschmid)
Beschau: Pinienzapfen/Stadtpyr (Augsburg)
Bildrecht
Kunsthistorisches Museum, Hofjagd- und Rüstkammer
Inv. Nr.
Hofjagd- und Rüstkammer, A 62
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