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Reiterharnisch (Küriss) für Feld und Turnier
um 1505-1510 | Graf Andreas Sohn d. Eberhardt von Sonnenberg-Friedberg
Bei diesem Küriss für Feld und Turnier handelt es sich um ein frühes Beispiel einer Harnischgarnitur der Renaissance. Zusätzlich zum Reiterharnisch sind hier auch die für das sogenannte Freiturnier nötigen Wechsel- und Verstärkungsstücke erhalten: ein zweiter Helm, ein Kragen, ein Vorschnallbart, ein großes Verstärkungsstück für Brust, Kinn und linke Schulter, Verstärkungen für Scheitel, Brust, linken Ellenbogen und linke Hand sowie eine Brechscheibe.
Der Harnisch ist stilistisch der italienischen Renaissance verpflichtet, deren Formensprache sich in den Jahren kurz nach 1500 auch in den Plattnerwerkstätten nördlich der Alpen zu etablieren begann. Die Formen des Harnischs sind gerundet und glatt, nicht mehr zugespitzt und geometrisch, wie es bei spätmittelalterlichen Harnischen noch zu sehen ist – etwa jenem von Kolmans Vater Lorenz für Maximilian I. von um 1484 (vgl. Nr. 15).
Auch im Dekor des Harnischs lässt sich der Einfluss der Renaissance erkennen. Er zeigt an antiken Vorbildern inspirierte Motive wie Füllhörner, Putten, Fruchtgirlanden, Meerweibchen etc. Die Dekoration ist in Feuervergoldung auf gebläutem Grund ausgeführt. Auf der Brust fanden sich einst Darstellungen des Heiligen Christopherus und der Heiligen Barbara. Nur Barbara ist – stark überschliffen – ansatzweise noch zu erkennen. Am Rücken finden sich Reste einer Muttergottes mit Kind und der Inschrift »Ave Maria«.
Andreas Graf von Sonnenberg aus dem Haus der Truchsesse von Waldburg stand als Feldherr unter anderem in den Diensten der Kaiser Friedrich III. und Maximilian I. In Erinnerung geblieben ist er vor allem durch seine Ermordung durch Felix von Werdenberg im Jahr 1511 bei einem Hinterhalt bei Sigmaringen. Werdenberg und Sonnenberg waren seit längerem tief zerstritten. Auf der Hochzeit Ulrich von Württembergs und Sabine von Bayerns 1511 demütigte Sonnenberg den Brautführer Werdenberg beim Einzug in die Kirche durch einen Witz über dessen geringe Körpergröße (»Werdenberg, streck Dich!«). Diese Schmach führte wenig später zu der erwähnten Mordtat.




Bei diesem Küriss für Feld und Turnier handelt es sich um ein frühes Beispiel einer Harnischgarnitur der Renaissance. Zusätzlich zum Reiterharnisch sind hier auch die für das sogenannte Freiturnier nötigen Wechsel- und Verstärkungsstücke erhalten: ein zweiter Helm, ein Kragen, ein Vorschnallbart, ein großes Verstärkungsstück für Brust, Kinn und linke Schulter, Verstärkungen für Scheitel, Brust, linken Ellenbogen und linke Hand sowie eine Brechscheibe.
Der Harnisch ist stilistisch der italienischen Renaissance verpflichtet, deren Formensprache sich in den Jahren kurz nach 1500 auch in den Plattnerwerkstätten nördlich der Alpen zu etablieren begann. Die Formen des Harnischs sind gerundet und glatt, nicht mehr zugespitzt und geometrisch, wie es bei spätmittelalterlichen Harnischen noch zu sehen ist – etwa jenem von Kolmans Vater Lorenz für Maximilian I. von um 1484 (vgl. Nr. 15).
Auch im Dekor des Harnischs lässt sich der Einfluss der Renaissance erkennen. Er zeigt an antiken Vorbildern inspirierte Motive wie Füllhörner, Putten, Fruchtgirlanden, Meerweibchen etc. Die Dekoration ist in Feuervergoldung auf gebläutem Grund ausgeführt. Auf der Brust fanden sich einst Darstellungen des Heiligen Christopherus und der Heiligen Barbara. Nur Barbara ist – stark überschliffen – ansatzweise noch zu erkennen. Am Rücken finden sich Reste einer Muttergottes mit Kind und der Inschrift »Ave Maria«.
Andreas Graf von Sonnenberg aus dem Haus der Truchsesse von Waldburg stand als Feldherr unter anderem in den Diensten der Kaiser Friedrich III. und Maximilian I. In Erinnerung geblieben ist er vor allem durch seine Ermordung durch Felix von Werdenberg im Jahr 1511 bei einem Hinterhalt bei Sigmaringen. Werdenberg und Sonnenberg waren seit längerem tief zerstritten. Auf der Hochzeit Ulrich von Württembergs und Sabine von Bayerns 1511 demütigte Sonnenberg den Brautführer Werdenberg beim Einzug in die Kirche durch einen Witz über dessen geringe Körpergröße (»Werdenberg, streck Dich!«). Diese Schmach führte wenig später zu der erwähnten Mordtat.
Besitzer/in:
Graf Andreas Sohn d. Eberhardt von Sonnenberg-Friedberg (1472 - 1511) DNBarrow_outward
Künstler/in:
Kolman Helmschmid , (Plattner) (1471 - 1532 tätig in Augsburg) DNBarrow_outward
Zeit:
um 1505-1510
Objektbezeichnung
Reiterharnisch (Küriss) für Feld und Turnier
Kultur
Augsburg
Material/Technik:
Eisen, geschmiedet, getrieben. Dekor: teils gebläut, teils feuervergoldet
(Goldschmelz). Leder. Nietkappen, Riemenzungen, Schnallen: Messing.
Maße:
H (inkl. Sockel) 212 cm x B 80 cm x T 60 cm
H (exkl. Sockel) 180 cm
Höhe Sockel 32 cm
Gesamtgewicht exkl. Figurine, exkl. Sockel: 30,86 Kilogramm
Beschriftung
auf dem Rücken: "Ave Maria"
Stempel / Zeichen
Stechhelm mit Stern als Helmzier (Kolman Helmschmid) und Augsburger Beschau (sog. Stadtpyr)
Bildrecht
Kunsthistorisches Museum, Hofjagd- und Rüstkammer
Inv. Nr.
Hofjagd- und Rüstkammer, A 310
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