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Jagdtasche, Falknertasche
um 1430
Die Tasche besteht aus zwei trapezförmigen Beuteln aus Leder. Die Seitennähte der Beutel sind gezaddelt (Zaddeln sind gezackt geschnittene Fransen). An der Unterseite hängen pro Beutel jeweils drei kleine Troddeln (kleine Quasten). Zur Öffnung hin ist das Leder gerafft. An dieser Öffnung sitzt ein gebogener Beschlag aus ehemals vergoldetem Messing, auf dem ein fantastischer Palast dargestellt ist.
Dieses Miniaturgebäude besteht aus filigranen Türmchen, Nischen und Fialen. Zwei Drachen und zwei Löwen flankieren es. Die Spitze bildet ein kleiner Kuppelbau. Über dem Eingang, in der Mittelachse des Palastes, steht eine nicht identifizierte Figur. Die Rückseite des Beschlags zeigt auf dem Bügel und am Gebäude Felder mit Distelblattwerk auf kreuzschraffiertem Grund. Zu öffnen ist die Tasche, indem die erwähnte stehende Figur leicht zur Seite gedreht wird. Dies entriegelt den Schließmechanismus und die Vorderseite des Messingbeschlags (mit den zwei Löwen und der Sockelzone des Gebäudes) klappt nach vorne.
Am oberen Ende des Beschlages ist ein dünner Bügel montiert, mit dem der Träger die Tasche an seinem Gürtel oder an einem Tragegurt fixieren konnte. Traditionell wurde die vorliegende Tasche als Jagd- oder Falkentasche beschrieben. Kleine, am Gürtel montierte Taschen dieser Art sind tatsächlich als Teil der spätmittelalterlichen Jagdausrüstung belegt, etwa im Livre de la chasse (Buch von der Jagd) von Gaston Phébus (Anfang 15. Jahrhundert). Schon das Jagdtraktat De arte bersandi aus dem 13. Jahrhundert empfahl: »Die Pirschjäger sollen an einem Riemen eine Tasche tragen; darin sollen sich eine weitere Bogensehne, Schnüre, Feuerstein, Feuerstahl und Zunder, Leim, eine Schere, ein Messer, eine Feile und ein Schleifstein befinden.«
Gürteltaschen sind aber auch als elegante Accessoires in festlich-höfischem Umfeld überliefert. Wichtige Bildquellen hierfür sind niederländische Tapisserien wie die Cäsar-Serie (Niederlande, 1450/70) und der Trajan- und Herkinbald-Teppich (Tournai?, 1440/50), beide in Bern. Im Freydal, dem Turnierbuch Kaiser Maximilians I. von 1512/15, ist ein Einzug von Höflinge zu sehen, die als Falkner verkleidet sind und ähnliche Falknertaschen tragen.

Die Tasche besteht aus zwei trapezförmigen Beuteln aus Leder. Die Seitennähte der Beutel sind gezaddelt (Zaddeln sind gezackt geschnittene Fransen). An der Unterseite hängen pro Beutel jeweils drei kleine Troddeln (kleine Quasten). Zur Öffnung hin ist das Leder gerafft. An dieser Öffnung sitzt ein gebogener Beschlag aus ehemals vergoldetem Messing, auf dem ein fantastischer Palast dargestellt ist.
Dieses Miniaturgebäude besteht aus filigranen Türmchen, Nischen und Fialen. Zwei Drachen und zwei Löwen flankieren es. Die Spitze bildet ein kleiner Kuppelbau. Über dem Eingang, in der Mittelachse des Palastes, steht eine nicht identifizierte Figur. Die Rückseite des Beschlags zeigt auf dem Bügel und am Gebäude Felder mit Distelblattwerk auf kreuzschraffiertem Grund. Zu öffnen ist die Tasche, indem die erwähnte stehende Figur leicht zur Seite gedreht wird. Dies entriegelt den Schließmechanismus und die Vorderseite des Messingbeschlags (mit den zwei Löwen und der Sockelzone des Gebäudes) klappt nach vorne.
Am oberen Ende des Beschlages ist ein dünner Bügel montiert, mit dem der Träger die Tasche an seinem Gürtel oder an einem Tragegurt fixieren konnte. Traditionell wurde die vorliegende Tasche als Jagd- oder Falkentasche beschrieben. Kleine, am Gürtel montierte Taschen dieser Art sind tatsächlich als Teil der spätmittelalterlichen Jagdausrüstung belegt, etwa im Livre de la chasse (Buch von der Jagd) von Gaston Phébus (Anfang 15. Jahrhundert). Schon das Jagdtraktat De arte bersandi aus dem 13. Jahrhundert empfahl: »Die Pirschjäger sollen an einem Riemen eine Tasche tragen; darin sollen sich eine weitere Bogensehne, Schnüre, Feuerstein, Feuerstahl und Zunder, Leim, eine Schere, ein Messer, eine Feile und ein Schleifstein befinden.«
Gürteltaschen sind aber auch als elegante Accessoires in festlich-höfischem Umfeld überliefert. Wichtige Bildquellen hierfür sind niederländische Tapisserien wie die Cäsar-Serie (Niederlande, 1450/70) und der Trajan- und Herkinbald-Teppich (Tournai?, 1440/50), beide in Bern. Im Freydal, dem Turnierbuch Kaiser Maximilians I. von 1512/15, ist ein Einzug von Höflinge zu sehen, die als Falkner verkleidet sind und ähnliche Falknertaschen tragen.
Zeit:
um 1430
Objektbezeichnung
Jagdtasche, Falknertasche
Kultur
Süddeutsch
Material/Technik:
Messingblech, teils graviert. Messing, teils gegossen, teils graviert. Leder.
Maße:
H 29 cm x B 33,5 cm x T 9 cm, 0,55 kg
Bildrecht
Kunsthistorisches Museum, Hofjagd- und Rüstkammer
Inv. Nr.
Hofjagd- und Rüstkammer, D 7
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