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Erzherzog Ferdinand (1503-1564)
1521 | Hans Maler
Das Bildnis Erzherzog Ferdinands (1503 – 1564), des Enkels Kaiser Maximilians I. und jüngeren Bruders Kaiser Karls V., ist ein wertvolles Dokument habsburgischer Heiratspolitik. Es trägt zwar kein Datum, doch entstand es höchstwahrscheinlich im Jahr 1521, als sich der Dargestellte mit Anna von Ungarn und Böhmen (1503 – 1547) vermählte. Dieselbe Jahresangabe findet sich nicht nur auf eigenhändigen Wiederholungen unseres Porträts (in Dessau und Privatbesitz), sondern auch auf Bildnissen unseres Künstlers, die als deren Gegenstücke angesprochen werden müssen und Ferdinands Braut darstellen. Möglicherweise liegt im Wiener Bildnis, das als die künstlerisch qualitätvollste der erhaltenen Fassungen gelten darf, der Teil eines solchen Ehepaar-Diptychons vor, mit dem der politisch bedeutsame und für das Haus Habsburg folgenreiche Zusammenschluss von Ferdinand und Anna propagandistisch gefeiert wurde. Ebenfalls 1521 hatte sich auch Ferdinands Schwester Maria mit Annas Bruder Ludwig verehelicht, der 1522 zum König von Böhmen und Ungarn gekrönt wurde. Nach seinem Tod 1526 fiel die Krone dann über Ludwigs Schwester an deren Gemahl Ferdinand, womit der Grundstein der habsburgischen Doppelmonarchie Österreich-Ungarn gelegt worden war. Obgleich der Porträtierte sicher von höherem gesellschaftlichen Rang als der Unbekannte auf dem zweiten Wiener Bildnis Hans Malers (GG 884) war, fällt das vorliegende Werk gegenüber diesem doch qualitativ ab. Möglicherweise reflektiert die distanziertere, weniger innerliche Auffassung die Konventionen eines Hofporträts, zugleich erleichterte das einfache Schema und die weniger detailreiche Ausführung die Anfertigung von Wiederholungen durch den Künstler oder dessen Werkstatt, die an hochgestellte Persönlichkeiten weitergegeben wurden. In dem 1524/30 verfassten Inventar der Margarete von Österreich, Statthalterin der Niederlande, wird ein Bildnis Ferdinands erwähnt, das mit dem Wiener identisch sein könnte. Die Bande des Dargestellten zu seiner Tante Margarete waren jedenfalls eng: An ihrem Mechelener Hof hatte sich Ferdinand, der in Spanien als Sohn Philipps des Schönen und Johannas von Kastilien zur Welt gekommen und aufgewachsen war, seit 1518 eine Weile aufgehalten. Als Erzherzog regierte Ferdinand seit 1521 über die österreichischen Erblande. 1531 erfolgte seine Wahl zum deutschen König, 1558 die zum römisch-deutschen Kaiser als Nachfolger Karls V. Guido Messling [26.6.2017]

Das Bildnis Erzherzog Ferdinands (1503 – 1564), des Enkels Kaiser Maximilians I. und jüngeren Bruders Kaiser Karls V., ist ein wertvolles Dokument habsburgischer Heiratspolitik. Es trägt zwar kein Datum, doch entstand es höchstwahrscheinlich im Jahr 1521, als sich der Dargestellte mit Anna von Ungarn und Böhmen (1503 – 1547) vermählte. Dieselbe Jahresangabe findet sich nicht nur auf eigenhändigen Wiederholungen unseres Porträts (in Dessau und Privatbesitz), sondern auch auf Bildnissen unseres Künstlers, die als deren Gegenstücke angesprochen werden müssen und Ferdinands Braut darstellen. Möglicherweise liegt im Wiener Bildnis, das als die künstlerisch qualitätvollste der erhaltenen Fassungen gelten darf, der Teil eines solchen Ehepaar-Diptychons vor, mit dem der politisch bedeutsame und für das Haus Habsburg folgenreiche Zusammenschluss von Ferdinand und Anna propagandistisch gefeiert wurde. Ebenfalls 1521 hatte sich auch Ferdinands Schwester Maria mit Annas Bruder Ludwig verehelicht, der 1522 zum König von Böhmen und Ungarn gekrönt wurde. Nach seinem Tod 1526 fiel die Krone dann über Ludwigs Schwester an deren Gemahl Ferdinand, womit der Grundstein der habsburgischen Doppelmonarchie Österreich-Ungarn gelegt worden war. Obgleich der Porträtierte sicher von höherem gesellschaftlichen Rang als der Unbekannte auf dem zweiten Wiener Bildnis Hans Malers (GG 884) war, fällt das vorliegende Werk gegenüber diesem doch qualitativ ab. Möglicherweise reflektiert die distanziertere, weniger innerliche Auffassung die Konventionen eines Hofporträts, zugleich erleichterte das einfache Schema und die weniger detailreiche Ausführung die Anfertigung von Wiederholungen durch den Künstler oder dessen Werkstatt, die an hochgestellte Persönlichkeiten weitergegeben wurden. In dem 1524/30 verfassten Inventar der Margarete von Österreich, Statthalterin der Niederlande, wird ein Bildnis Ferdinands erwähnt, das mit dem Wiener identisch sein könnte. Die Bande des Dargestellten zu seiner Tante Margarete waren jedenfalls eng: An ihrem Mechelener Hof hatte sich Ferdinand, der in Spanien als Sohn Philipps des Schönen und Johannas von Kastilien zur Welt gekommen und aufgewachsen war, seit 1518 eine Weile aufgehalten. Als Erzherzog regierte Ferdinand seit 1521 über die österreichischen Erblande. 1531 erfolgte seine Wahl zum deutschen König, 1558 die zum römisch-deutschen Kaiser als Nachfolger Karls V. Guido Messling [26.6.2017]
Künstler/in:
Hans Maler (Ulm, nachweisbar 1500 - 1529)
Abbildung/Person:
Ferdinand I. (1521-1564), Erzherzog, seit 1531 König und seit 1558 Kaiser (1503 - 1564) DNBarrow_outward
Zeit:
1521
Objektbezeichnung
Gemälde
Kultur
Deutsch
Material/Technik:
Zirbelholz
Maße:
Bildmaß: 25,2 × 20,7 × 1,5 cm
Rahmenmaße: 35,7 × 31 × 5,5 cm
Bildrecht
Kunsthistorisches Museum, Gemäldegalerie
Inv. Nr.
Gemäldegalerie, 831
Provenienz
1524/1530 Slg. Erzherzogin Margarete von Österreich; Slg. Leopold Wilhelm;
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