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Maria, dem Kind einen Granatapfel reichend
um 1510/1512 | Hans Holbein d. Ä.
Dieses Marienbild, das in der älteren Forschung zumeist mit Madonnentafeln des in Brügge tätigen Hans Memling (1430‒1494) zusammengebracht worden war, ist sicher eines der aussagekräftigsten Beispiele für Holbeins Adaptionen von Modellen und Darstellungsweisen der altniederländischen Tafelmalerei. Erst vor wenigen Jahren konnte ein heute verlorenes, wohl ebenfalls von einem Brügger Künstler stammendes Gemälde als Vorlage Holbeins erkannt werden, das auch in drei weiteren, von niederländischen Malern stammenden Werken überliefert ist. Während diese sich im Figürlichen quasi deckungsgleich entsprechen und Landschaftsausblicke aufweisen, evoziert der Augsburger durch kleine, doch wirkungsvolle Haltungsänderungen und dadurch, dass er den Hintergrund mit einem grünen Brokattuch füllt, ein innigeres Miteinander von Mutter und Kind. Neu ist auch, dass Nimben ihre Heiligkeit betonen. Die seltsam verzeichnete Rechte der Muttergottes dagegen kann nur als Übernahme aus der Vorlage erklärt werden, da Händestudien Holbeins ansonsten seine herausragende anatomische Auffassungsgabe vor Augen führen. Auch in der stofflichen Wiedergabe kostbarer Materialien steht Holbein letztlich in der altniederländischen Maltradition. Die Dingwelt zeigt sich dabei von christlicher Symbolik durchdrungen. Sie könnte, wie auch die Wahl eines niederländischen Vorbildes, auf den Besteller des für die Privatandacht bestimmten Bildes zurückgehen und kreist vor allem um die Passion Christi. Auf diese verweist insbesondere das häufig wiederkehrende Blutrot, das sich etwa in den Korallenperlen des vom Knaben gehaltenen Rosenkranzes oder im aufgeplatzten Granatapfel findet, den ihm Maria darbietet. Diese Frucht, die den Apfel in den Vergleichsbeispielen ersetzt und generell Fruchtbarkeit versinnbildlicht, galt im christlichen Sinne zugleich als Zeichen der Auferstehung. Die harmonisch auf die Rottöne abgestimmten kühlen Blaugrünwerte und die elfenbeinfarbigen Inkarnate erweisen den Maler als Kolorist eigenen Ranges. Wann er das Bild geschaffen hat, lässt sich wegen der Abhängigkeit von einer Vorlage und der sich kaum ändernden Gesichtstypen schwer beurteilen: Zumeist wird es in die Zeit zwischen 1510 und 1512 datiert. Guido Messling (11.5.2021)

Dieses Marienbild, das in der älteren Forschung zumeist mit Madonnentafeln des in Brügge tätigen Hans Memling (1430‒1494) zusammengebracht worden war, ist sicher eines der aussagekräftigsten Beispiele für Holbeins Adaptionen von Modellen und Darstellungsweisen der altniederländischen Tafelmalerei. Erst vor wenigen Jahren konnte ein heute verlorenes, wohl ebenfalls von einem Brügger Künstler stammendes Gemälde als Vorlage Holbeins erkannt werden, das auch in drei weiteren, von niederländischen Malern stammenden Werken überliefert ist. Während diese sich im Figürlichen quasi deckungsgleich entsprechen und Landschaftsausblicke aufweisen, evoziert der Augsburger durch kleine, doch wirkungsvolle Haltungsänderungen und dadurch, dass er den Hintergrund mit einem grünen Brokattuch füllt, ein innigeres Miteinander von Mutter und Kind. Neu ist auch, dass Nimben ihre Heiligkeit betonen. Die seltsam verzeichnete Rechte der Muttergottes dagegen kann nur als Übernahme aus der Vorlage erklärt werden, da Händestudien Holbeins ansonsten seine herausragende anatomische Auffassungsgabe vor Augen führen. Auch in der stofflichen Wiedergabe kostbarer Materialien steht Holbein letztlich in der altniederländischen Maltradition. Die Dingwelt zeigt sich dabei von christlicher Symbolik durchdrungen. Sie könnte, wie auch die Wahl eines niederländischen Vorbildes, auf den Besteller des für die Privatandacht bestimmten Bildes zurückgehen und kreist vor allem um die Passion Christi. Auf diese verweist insbesondere das häufig wiederkehrende Blutrot, das sich etwa in den Korallenperlen des vom Knaben gehaltenen Rosenkranzes oder im aufgeplatzten Granatapfel findet, den ihm Maria darbietet. Diese Frucht, die den Apfel in den Vergleichsbeispielen ersetzt und generell Fruchtbarkeit versinnbildlicht, galt im christlichen Sinne zugleich als Zeichen der Auferstehung. Die harmonisch auf die Rottöne abgestimmten kühlen Blaugrünwerte und die elfenbeinfarbigen Inkarnate erweisen den Maler als Kolorist eigenen Ranges. Wann er das Bild geschaffen hat, lässt sich wegen der Abhängigkeit von einer Vorlage und der sich kaum ändernden Gesichtstypen schwer beurteilen: Zumeist wird es in die Zeit zwischen 1510 und 1512 datiert. Guido Messling (11.5.2021)
Künstler/in:
Hans Holbein d. Ä. (um 1465 Augsburg - 1524 Isenheim) DNBarrow_outward
Zeit:
um 1510/1512
Objektbezeichnung
Gemälde
Kultur
Deutsch
Material/Technik:
Lindenholz
Maße:
Bildmaß: 42,3 × 27 × 0,8 cm
Rahmenmaße: 56 × 39,8 × 3,5 cm
Bildrecht
Kunsthistorisches Museum, Gemäldegalerie
Inv. Nr.
Gemäldegalerie, 6503
Provenienz
Stift St. Blasien, Schwarzwald (?); bis 1926 im Stift St. Paul im Lavanttal/Kärnten; 1926 Ankauf;
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