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Verkündigung an Maria: Maria
um 1513 | Hans Sueß von Kulmbach
Das Gemälde zeigt zusammen mit einer weiteren Tafel (GG 6045b) die Verkündigung an Maria, ein Thema, das dem Neuen Testament entnommen ist. Ursprünglich gehörten die beiden hochformatigen Bilder zu einem kleinen Altarretabel, von dem bislang keine weiteren Überreste bekannt geworden sind. Dort schmückten sie die Außenseiten der beweglichen Flügel, denn nur wenn diese geschlossen waren, kamen die voneinander getrennten Figuren der Gottesmutter (links) und des Erzengels Gabriel (rechts) unmittelbar nebeneinander zur Ansicht. Auch die perspektivisch in die Tiefe fluchtenden Bodenfliesen des Gemachs machen deutlich, dass die beiden Darstellungen als einheitlicher Bildraum konzipiert sind. Links schaut Maria, die an einem Pult Platz genommen hat, überrascht von ihrer frommen Lektüre auf und dem Engel entgegen, der von rechts ihr entgegeneilt. Die Rechte hat er zum Segen erhoben, die Linke hält ein Lilienzepter als Heroldstab des Himmelsboten. Über Maria schwebt die Taube des Heiligen Geistes; sie veranschaulicht sinnbildlich die ihr vom Engel überbrachte Botschaft, nach der sie durch Gottes Wirken einen Sohn gebären wird. Der nach seinem oberfränkischen Geburtsort genannte Maler stand in engem Kontakt zu Albrecht Dürer, in dessen Nürnberger Werkstatt er anscheinend eine Weile beschäftigt war. Der Überlieferung nach sei Kulmbach zudem bei dem gebürtigen Venezianer Jacopo de’Barbari (um 1440 – vor 1516) in die Lehre gegangen, der zwischen 1500 und 1503 in Nürnberg und anschließend in Wittenberg weilte. Ob diese Nachricht stimmt oder nicht, das malerische Werk des früh verstorbenen Künstlers zeigt zumindest eine glückliche Synthese dürerscher Formvorstellungen mit südlichen Elementen. So schließen sich die Figuren Marias und des Engels in Bildung und im Typus zwar an Formulierungen Dürers an, doch wird die Bedeutung der Konturen zurückgenommen zugunsten einer ausgesprochen delikaten Farbgebung, die auf zarte, kühle Töne setzt. Ebenso wie für die lyrische Grundstimmung, die Kulmbachs schwerelos agierenden Gestalten ohnehin eigen ist, sind die Wurzeln hierfür eher in der italienischen Malerei zu vermuten. Neben der Entwurfstätigkeit für Glasmalereien bildete die Altarmalerei einen Haupterwerbszweig Kulmbachs. In seiner 1512 datierten Berliner Kohlezeichnung einer Verkündigung greift der Künstler Anregungen der themengleichen Flügelaußenseiten von Dürers Paumgartner-Altar aus der Zeit um 1500 auf. Zugleich verbindet sich das Blatt in der Figurenlösung des Engels mit den Wiener Tafeln, die als stärker selbständige Fassung des Themas wenig später, um 1513, entstanden sein müssen. Guido Messling [29.9.2017]

Das Gemälde zeigt zusammen mit einer weiteren Tafel (GG 6045b) die Verkündigung an Maria, ein Thema, das dem Neuen Testament entnommen ist. Ursprünglich gehörten die beiden hochformatigen Bilder zu einem kleinen Altarretabel, von dem bislang keine weiteren Überreste bekannt geworden sind. Dort schmückten sie die Außenseiten der beweglichen Flügel, denn nur wenn diese geschlossen waren, kamen die voneinander getrennten Figuren der Gottesmutter (links) und des Erzengels Gabriel (rechts) unmittelbar nebeneinander zur Ansicht. Auch die perspektivisch in die Tiefe fluchtenden Bodenfliesen des Gemachs machen deutlich, dass die beiden Darstellungen als einheitlicher Bildraum konzipiert sind. Links schaut Maria, die an einem Pult Platz genommen hat, überrascht von ihrer frommen Lektüre auf und dem Engel entgegen, der von rechts ihr entgegeneilt. Die Rechte hat er zum Segen erhoben, die Linke hält ein Lilienzepter als Heroldstab des Himmelsboten. Über Maria schwebt die Taube des Heiligen Geistes; sie veranschaulicht sinnbildlich die ihr vom Engel überbrachte Botschaft, nach der sie durch Gottes Wirken einen Sohn gebären wird. Der nach seinem oberfränkischen Geburtsort genannte Maler stand in engem Kontakt zu Albrecht Dürer, in dessen Nürnberger Werkstatt er anscheinend eine Weile beschäftigt war. Der Überlieferung nach sei Kulmbach zudem bei dem gebürtigen Venezianer Jacopo de’Barbari (um 1440 – vor 1516) in die Lehre gegangen, der zwischen 1500 und 1503 in Nürnberg und anschließend in Wittenberg weilte. Ob diese Nachricht stimmt oder nicht, das malerische Werk des früh verstorbenen Künstlers zeigt zumindest eine glückliche Synthese dürerscher Formvorstellungen mit südlichen Elementen. So schließen sich die Figuren Marias und des Engels in Bildung und im Typus zwar an Formulierungen Dürers an, doch wird die Bedeutung der Konturen zurückgenommen zugunsten einer ausgesprochen delikaten Farbgebung, die auf zarte, kühle Töne setzt. Ebenso wie für die lyrische Grundstimmung, die Kulmbachs schwerelos agierenden Gestalten ohnehin eigen ist, sind die Wurzeln hierfür eher in der italienischen Malerei zu vermuten. Neben der Entwurfstätigkeit für Glasmalereien bildete die Altarmalerei einen Haupterwerbszweig Kulmbachs. In seiner 1512 datierten Berliner Kohlezeichnung einer Verkündigung greift der Künstler Anregungen der themengleichen Flügelaußenseiten von Dürers Paumgartner-Altar aus der Zeit um 1500 auf. Zugleich verbindet sich das Blatt in der Figurenlösung des Engels mit den Wiener Tafeln, die als stärker selbständige Fassung des Themas wenig später, um 1513, entstanden sein müssen. Guido Messling [29.9.2017]
Künstler/in:
Hans Sueß von Kulmbach (um 1480 Kulmbach - 1522 Nürnberg) DNBarrow_outward
Zeit:
um 1513
Objektbezeichnung
Gemälde
Kultur
Deutsch
Material/Technik:
Tannenholz
Maße:
121 × 43,5 cm
Rahmenmaße zusammen mit GG 6045b gerahmt: 135,6 × 113,6 × 7 cm
Bildrecht
Kunsthistorisches Museum, Gemäldegalerie
Inv. Nr.
Gemäldegalerie, 6045a
Provenienz
Oktober 1889 Verst. Heberle, Köln; 1889-1894 Slg. Hasselmann; 1894-1906 Slg. Oppolzer, Prag und Innsbruck; 1907 von Gustav von Benda gewidmet
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