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Kanne, Gefäß
1664
Die Kanne aus grünem, hell geädertem Granatserpentin hat eine helmförmige Cuppa und einen leicht glockenförmig gewölbten Fuß, die beide oval sind; unter dem Ausguss wird der Kopf eines Löwen mit weit geöffnetem Maul sichtbar. Zwei gekerbte Nasen am inneren Rand oberhalb des Deckels sind als Ansatz eines verlorenen Deckels zu deuten. Auf der Standfläche sind die bisher nicht gedeutete Signatur "V. L." und die Datierung "1664" zu lesen. Unterhalb des volutenförmigen Henkels ist der Gefäßkörper durch drei unregelmäßige Wulstringe strukturiert. Solche variablen Profile ließen sich nur durch die Verwendung der "Fitschel" erzielen, einer Wippdrehbank, deren Drehrichtung ständig wechselte. Dabei lief eine von einem elastischen Holzbrett ausgehende, um das Werkstück gewickelte Schnur zu einem Fußtritt. Wurde dieser vom Drechsler betätigt, zog die Schnur das Holzbrett nach unten, wobei sich das Werkstück drehte. Ließ der Drechsler den Fußtritt los, zog das Brett die Schnur nach oben und das Werkstück drehte sich zurück. Serpentin (lat. serpens = Schlange), ein weicher, leicht zu bearbeitender Stein, der in den meisten Fällen im Erzgebirge gewonnen wurde, leitet seine Bezeichnung von der einer Schlangenhaut ähnlichen Zeichnung und der zumeist grünen Farbe ab. Da er aufgrund seiner lockeren Struktur für Flüssigkeiten durchlässig ist, bildet sich - wenn ein daraus geformtes Gefäß dünnwandig gearbeitet ist - an der Oberfläche ein Beschlag. Durch die Verdunstungskälte konnten so Getränke lange kühl gehalten werden. Seit der Antike wurde die Veränderung der Oberfläche aber auch als Zeichen der wundersamen Eigenschaft interpretiert, Gift in Speisen oder Getränken anzuzeigen. Nicht zuletzt diese ihm zugesprochene magische Qualität ließ den Serpentin zur Herstellung ausgesuchter Kunstkammerstücke als geradezu ideal erscheinen: Diese waren so zugleich Belege für die mysteriösen Kräfte der Natur und Zeugnisse menschlicher Geschicklichkeit.



Die Kanne aus grünem, hell geädertem Granatserpentin hat eine helmförmige Cuppa und einen leicht glockenförmig gewölbten Fuß, die beide oval sind; unter dem Ausguss wird der Kopf eines Löwen mit weit geöffnetem Maul sichtbar. Zwei gekerbte Nasen am inneren Rand oberhalb des Deckels sind als Ansatz eines verlorenen Deckels zu deuten. Auf der Standfläche sind die bisher nicht gedeutete Signatur "V. L." und die Datierung "1664" zu lesen. Unterhalb des volutenförmigen Henkels ist der Gefäßkörper durch drei unregelmäßige Wulstringe strukturiert. Solche variablen Profile ließen sich nur durch die Verwendung der "Fitschel" erzielen, einer Wippdrehbank, deren Drehrichtung ständig wechselte. Dabei lief eine von einem elastischen Holzbrett ausgehende, um das Werkstück gewickelte Schnur zu einem Fußtritt. Wurde dieser vom Drechsler betätigt, zog die Schnur das Holzbrett nach unten, wobei sich das Werkstück drehte. Ließ der Drechsler den Fußtritt los, zog das Brett die Schnur nach oben und das Werkstück drehte sich zurück. Serpentin (lat. serpens = Schlange), ein weicher, leicht zu bearbeitender Stein, der in den meisten Fällen im Erzgebirge gewonnen wurde, leitet seine Bezeichnung von der einer Schlangenhaut ähnlichen Zeichnung und der zumeist grünen Farbe ab. Da er aufgrund seiner lockeren Struktur für Flüssigkeiten durchlässig ist, bildet sich - wenn ein daraus geformtes Gefäß dünnwandig gearbeitet ist - an der Oberfläche ein Beschlag. Durch die Verdunstungskälte konnten so Getränke lange kühl gehalten werden. Seit der Antike wurde die Veränderung der Oberfläche aber auch als Zeichen der wundersamen Eigenschaft interpretiert, Gift in Speisen oder Getränken anzuzeigen. Nicht zuletzt diese ihm zugesprochene magische Qualität ließ den Serpentin zur Herstellung ausgesuchter Kunstkammerstücke als geradezu ideal erscheinen: Diese waren so zugleich Belege für die mysteriösen Kräfte der Natur und Zeugnisse menschlicher Geschicklichkeit.
Time:
1664
Object Name
Kanne, Gefäß
Culture
Sachsen (Zöblitz)
Material/technology:
Sächsischer Serpentin
Dimensions:
H. 24,5 cm, Dm. 20 cm
Signed
auf der Standfläche: Signatur V.L. und die Datierung 1664
Stamp / markings
Signatur L.V. auf der Standfläche
Copyright
Schloss Ambras Innsbruck
Invs.
Schloss Ambras Innsbruck, PA 897
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