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Eine monochrome Darstellung einer historischen Figur, die auf einem Stuhl sitzt und ein Buch oder eine Schriftrolle hält. Der Hintergrund ist unscharf, während die Figur im Vordergrund detailliert ist. Ein grünes, rundes Element ist in der oberen rechten Ecke platziert.
Alte Meister*innen

Bernardo Bellotto Inszenierte Wirklichkeit

Geboren: 20. Mai 1722 in Venedig
Verstorben: 17. Oktober 1780 in Warschau

Bernardo Bellotto in unserer Online-Sammlung

Kunstwerke

Europa im Blick

Venedig, Rom, Dresden, Wien und Warschau – das sind nur einige der europäischen Metropolen, die Bernardo Bellotto im 18. Jahrhundert auf Leinwand bannte. Dass er dabei den Namen seines berühmten Onkels und Lehrers Canaletto verwendete, sorgte schon bei Zeitgenoss*innen für Verwirrung. Bellottos detailreiche Stadtansichten – sogenannte Veduten – vereinen präzise Beobachtung und theatralische Inszenierung. Die unzähligen Figuren, die die Architekturkulissen bevölkern, beleben nicht nur die Komposition, sondern erzählen auch vom Alltag vergangener Zeiten. Heute gilt Bernardo Bellotto als einer der wichtigsten europäischen Vedutenmaler – seine Bilder eröffnen einen faszinierenden Blick in die Vergangenheit. 

Starthilfe: 
Bellotto lernt von Canaletto

Als Bernardo Bellotto 1722 in Venedig zur Welt kommt, scheint ihm die Kunst in die Wiege gelegt: Sein Großvater ist Bühnengestalter, sein Onkel mütterlicherseits der berühmte Vedutenmaler Giovanni Antonio Canal, genannt Canaletto. Auch Bernardo ist sehr talentiert, mit knapp dreizehn Jahren beginnt er seine Ausbildung in der Werkstatt seines Onkels. Dieser weiht ihn in die Geheimnisse des Handwerks ein: Er unterweist ihn nicht nur im Umgang mit Stift und Pinsel, sondern auch in der Nutzung optischer Hilfsmittel wie der Camera obscura, einer Lochkamera, die es erlaubt, Bilder „aufzunehmen“ – und das noch vor Erfindung der Fotografie! Das Gerät basiert auf einem physikalischen Phänomen: Dringt Licht in einen mit Loch und Linse versehenen abgedunkelten Kasten, lässt es an der Rückwand ein umgedrehtes und seitenverkehrtes Bild dessen entstehen, was sich vor der Öffnung befindet. 

Wie sein Onkel verwandelt auch Bellotto die mit der Camera obscura eingefangenen Rohbilder auf der Leinwand in idealisierte Stadtansichten, indem er Blickwinkel kombiniert, Elemente verschiebt und Proportionen ändert. Auf diese Weise fügt er Kanäle, Häuser, Kirchen und Paläste zu einem stimmigen Ganzen. 

Von der Zeichnung zum täuschend echten Bild: Blick auf den Canal Grande

Auf eigenen Beinen? 
Bellotto, bekannt als Canaletto 

Da Bellotto zunächst Kompositionen seines Onkels kopiert, ist sein Frühwerk mitunter nur schwer von dessen Arbeiten zu unterscheiden. Bereits drei Jahre nach Beginn seiner Lehre schreibt sich der Schüler als eigenständiger Meister in die Malergilde ein. Anfang der 1740er Jahre begibt sich Bellotto zu Studienzwecken über Florenz nach Rom. Bald schon entwickelt er seinen eigenen Stil: Die Farbigkeit seiner Werke wird tiefer; gesteigerte Hell-Dunkel-Kontraste erhöhen die Plastizität von Architektur und Figuren, die im oft abendlichen Licht lange Schatten werfen. Weitere Reisen führen ihn durch die Lombardei, das Piemont und das Veneto im Norden Italiens. Seine Leinwände werden größer, die gezeigten Panoramen breiter. Trotz aller künstlerischen Unterschiede übernimmt Bellotto den Namen des berühmten Onkels Canaletto als Beinamen, um den eigenen Marktwert zu steigern. 

Handschriftlicher Text, der die Worte

Erfolg an der Elbe: 
Bellotto in Dresden

Aufgrund des Österreichischen Erbfolgekrieges finden ab 1740 immer weniger Reisende ihren Weg nach Venedig. Der Markt für Veduten gerät zusehends unter Druck. Bellottos Onkel Canaletto zieht daher 1746 nach London. Auch Bellotto selbst verlässt ein Jahr später mit seiner Familie Venedig Richtung Dresden. Doch ist auch für Bellotto die wirtschaftliche Lage der Grund, weshalb er seiner Heimatstadt den Rücken kehrt? Oder treibt ihn sein Ehrgeiz? Denn der Umzug nach Dresden hält einen großen Karrieresprung für den erst Fünfundzwanzigjährigen bereit: Schon kurz nach seiner Ankunft wird er zum Hofmaler von August III., dem Kurfürsten von Sachsen und König von Polen, ernannt. 

Dresden ist zwar von überschaubarer Größe, Mitte des 18. Jahrhunderts jedoch eines der kulturellen Zentren Europas: Barocke Neubauten bestimmen das Stadtbild, die umfangreiche Sammlung des kunstsinnigen Königs gilt als besonders erlesen. August III. ist bestrebt, internationale Talente in die Stadt an der Elbe zu locken, und scheut keine Kosten, um den Neffen des berühmten Canaletto zu verpflichten. 

Blick und Gegenblick: Blick auf Dresden oberhalb und unterhalb der Augustusbrücke

Bellottos Dresdner Veduten beeindrucken vor allem durch ihre Klarheit und Monumentalität – sein Pinsel lässt die sächsische Stadt zum barocken Ideal werden. Nach fast einem Jahrzehnt setzt der Ausbruch des Siebenjährigen Krieges (1756–1763) Bellottos Erfolg in Dresden ein jähes Ende: Im August 1756 marschieren preußische Truppen ein; der König flieht nach Warschau. Die Lage wird auch für den Maler zunehmend unsicher. Im Dezember 1758 macht er sich nach über elf Jahren begleitet von Sohn Lorenzo auf den Weg nach Süden. Bellottos Frau und seine drei Töchter bleiben in Dresden zurück.

Im Dienste Ihrer Majestät? 
Zwischenstopp in Wien

Wenige Wochen später erreichen Vater und Sohn Wien. Die habsburgische Residenzstadt befindet sich in einer Phase des Umbruchs: Innerhalb der mittelalterlichen Stadtmauern entstehen barocke Neubauten; in den Vorstädten werden Adelspaläste samt ausgedehnten Gartenanlagen errichtet. Bellotto macht sich sogleich ans Werk: Vermittelt über Kontakte arbeitet er zunächst für die Fürsten Kaunitz und Liechtenstein. Die Gemälde, die Bellotto für sie malt, stellen eine Neuheit in der Vedutenmalerei dar: Der Künstler setzt nämlich nicht nur die prachtvollen Anwesen der Adeligen ins Bild, sondern auch die Auftraggeber selbst und verbindet so auf innovative Weise Porträt und Architekturdarstellung. Die begeisterten Fürsten sind es wohl auch, die Bellotto dem Kaiserpaar Maria Theresia und Franz I. Stephan vorstellen. In kürzester Zeit malt Bellotto dreizehn Ansichten, die u. a. Schloss Schönbrunn, die Freyung samt Schottenkirche, das Universitätsviertel und den Blick vom Oberen Belvedere auf die Innenstadt zeigen und sich heute im Kunsthistorischen Museum befinden. Handelt es sich dabei um Auftragsarbeiten für die Kaiserin höchstpersönlich? Vermutlich. Die Verschränkung von präziser Beobachtung und politischer Inszenierung legt dies nahe; konkrete Belege dafür haben sich jedoch nicht erhalten.

Zwei bronzene Büsten, eine männliche und eine weibliche Figur, stehen nebeneinander. Beide haben prächtige Frisuren und tragen aufwändige Kleidung. Um die Büsten ist ein grünes Lorbeerblattmotiv angeordnet.
Auftrageber*innen? Kaiserin Maria Theresia und Franz I. Stephan von Lothingen

Diese Gemälde Bellottos befinden sich heute im Kunsthistorischen Museum.

Lokalkolorit: Wiener Typen

Adelige, Schornsteinfeger, Mönche, Mägde, Soldaten und Kinder – die gesamte Bandbreite der Gesellschaft tummelt sich auf Bellottos Wiener Werken. Unglaublich detailliert schildert er den Alltag in der kaiserlichen Hauptstadt. Scheinbar beiläufig dokumentiert er dabei immer wieder lokaltypische Besonderheiten.

So rufen etwa die mobilen Verkaufsstände, an denen Marktleute ihre Waren feilbieten, beim Engländer Charles Burney 1773 Verwunderung hervor: „Die Einwohner gehn hier nicht, wie an andern Orten, nach den Kaufmannsläden (…), sondern die Läden kommen zu ihnen.“

Auch die „Wiener Wäschermädel“, die Bellotto in seiner Ansicht des Universitätsplatzes zeigt, gelten als kulturelle Eigenart der Stadt: Sie holen Schmutzwäsche bei ihren Kund*innen zu Hause ab, reinigen sie in Flüssen oder Brunnen und stellen sie anschließend wieder zu.

Sogenannte Sesselträger, die ihre Kundschaft in tragbaren Kabinen wie in Taxis durch die Stadt transportieren, gibt es im 18. Jahrhundert zwar auch in anderen europäischen Großstädten. Ihre auffällig rote Arbeitskleidung stellt aber eine Besonderheit dar. Ein Vergleich mit schriftlichen Quellen zeigt, wie akkurat Bellotto die Aufmachung der Sesselträger wiedergibt.

Eine Gruppe von Menschen in historischen Kleidern steht in einer Stadtstraße. Sie scheinen sich zu unterhalten, während ein kleiner Hund in der Nähe sitzt. Im Hintergrund sind einige Waren in Körben zu sehen. Die Szene vermittelt eine lebendige Marktatmosphäre.
Detail aus: Bernardo Bellotto, Die Dominikanerkirche in Wien, 1759/60
© KHM-Museumsverband

Bellottos fast schon ethnografisch genaue Erfassung des Alltags entspricht übrigens ganz dem Interesse der Zeit, wie etwa die Zusammenschau mit Johann Christian Brands Stichwerk Wiener Kaufruf von 1775 belegt. 

Welchen Eindruck Wien wohl auf den Italiener Bellotto machte? Fest steht, dass es die anhand eigener Beobachtungen gemalten Figuren sind, die seinen Werken Leben einhauchen und die – damals wie heute – wesentlichen Anteil an der faszinierenden Wirkung seiner Stadtansichten haben.

Zurück in Dresden: Rückschläge und …

Trotz der künstlerischen Qualität seiner Arbeiten bleibt Bellotto eine feste Anstellung am Wiener Hof verwehrt. Enttäuscht zieht er im Jänner 1761 weiter nach München. Doch auch hier gelingt es ihm nicht, eine Position bei Hof zu ergattern. Ende des Jahres kehrt Bellotto schließlich zusammen mit Sohn Lorenzo zurück nach Dresden, wo ihn seine Frau und seine drei Töchter erwarten. Das Wiedersehen wird jedoch von den Folgen des Krieges überschattet: Das Haus der Familie liegt in Trümmern, darin befindliche Kunstwerke und Druckplatten sind unwiederbringlich verloren. 

Bedrückend modern: 
Bellottos Ansicht der zerstörten Kreuzkirche in Dresden

Bellotto dokumentiert die verheerenden Folgen des Konflikts in zwei Veduten, die als gemalte Mahnungen ihrer Zeit weit voraus sind. Nüchtern zeigt er die Ruinen der Pirnaischen Vorstadt und der Kreuzkirche in Dresden zwischen den Zerstörungen des Krieges und den Hoffnungen des Wiederaufbaus.
Der Siebenjährige Krieg hat das einst blühende Kurfürstentum Sachsen schwer gezeichnet, König August III. verstirbt im Herbst 1763 im Exil in Warschau. Ohne die Unterstützung seines wichtigsten Förderers kann Bellotto seine gesellschaftliche Stellung nicht halten. Er wird zum „Lehrer für Perspektive“ an der neu gegründeten Akademie degradiert und erhält lediglich ein Drittel des Gehalts, das er als Hofmaler verdiente.

… Neuanfänge: Bellottos Warschauer Jahre

Um seine Situation zu verbessern, plant der Maler einen Neuanfang am Hof der russischen Zarin Katharina II. Doch es kommt anders: Seine Reise führt ihn 1766 nämlich nicht bis nach Sankt Petersburg, sondern nach Warschau, wo er die nächsten vierzehn Jahre verbringen wird. Unverhofft gelingt es ihm dort, Hofmaler des polnischen Königs Stanisław II. August Poniatowski zu werden. Ein gutes Gehalt und gute Gesellschaft – zahlreiche italienische Künstlerkolleg*innen haben sich am Hof versammelt – bewegen Bellotto dazu, sich mit seiner Familie dauerhaft in Polen niederzulassen. Doch auch hier sind die Zeiten politisch herausfordernd: Auf einen Bürgerkrieg folgt die Teilung des Reiches; es kommt zu Gebietsabtretungen. Der König sucht seine Machtansprüche nicht zuletzt durch Kunst zu untermauern – u. a. durch einen Veduten-Zyklus, der die Pracht Warschaus veranschaulichen soll. Ganze 22 Ansichten Bellottos werden im Warschauer Schloss, im sogenannten Senatorenvorzimmer, angebracht, das heute als Canaletto-Saal bekannt ist.

Bellottos Laufbahn endet 1780 abrupt, als er mit nur 58 Jahren plötzlich an einem Schlaganfall stirbt. 

Doch auch über seinen Tod hinaus bleibt sein Blick auf die Metropolen Europas prägend: etwa in Dresden und Warschau, wo seine Werke nach den großflächigen Zerstörungen des Zweiten Weltkriegs unverzichtbare Vorlagen für den Wiederaufbau der historischen Stadtkerne sind. Oder in Wien, wo die ikonische Ansicht vom Oberen Belvedere auf die Innenstadt bis heute eine wichtige Rolle in der Debatte um Wiens Status als UNESCO-Weltkulturerbe spielt.

Wien, vom Belvedere aus gesehen

Wien, vom Belvedere aus gesehen, Bernardo Bellotto, gen. Canaletto, 1759-1760

Eine Luftaufnahme eines großen, symmetrischen Gartens mit kunstvollen Beeten, Wasserbecken und geometrischen Mustern. Im Hintergrund sind Stadtgebäude und ein klarer Himmel zu sehen. Der Garten ist von Bäumen und Sträuchern umgeben.
Belvederegarten
Quelle: Wikimedia Commons

Damals wie heute ein Hingucker: Wien, vom Belvedere aus gesehen

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