Previous Next

Harnisch: Halbharnisch

um 1560, Owner: Stephan Sohn d. Stephan Báthory, König von Polen

 

 

Halbharnisch

Obwohl die türkische Sturmhaube und der mitteleuropäische Harnisch nicht zusammengehören, bilden sie doch ein treffliches Ensemble. Wann und wie Bathory in den Besitz dieser außerordentlich qualitätvollen Sturmhaube kam, ist unbekannt. Vermutlich war sie als Ehrengeschenk des Sultans nach Siebenbürgen gelangt, um den Beschenkten an sich zu binden. Bathory jedenfalls war noch kein regierender Fürst, als er sich den tief dunkel gebläuten Halbharnisch anfertigen ließ, dessen goldtauschierter Dekor ganz vorzüglich zu der Sturmhaube passt. Der Harnisch hat breite Randstreifen, die ein dichtes Bandmuster füllt und die den Maureskenstreifen an der Sturmhaube ähneln. Auf dem Mittelstreifen der Brust befindet sich der Kruzifixus, im Hintergrund eine Stadtansicht mit mittelalterlichem Zinnenturm, der Stadtmauer und einer Kirche mit mehrspitzigem Turm, wie man ihn in Prag oder in Krakau finden könnte. Brust und Rücken des Harnischs sind im untersten Teil dreimal geschoben, eine Konstruktion, wie sie vor allem in Osteuropa häufig Verwendung fand. Die so gut dazupassende türkische Sturmhaube ist vom Typus her eine Zischägge mit einer längs gerippten Helmglocke, einem waagrechten Sonnenschirm mit beweglichem Naseneisen und Wangenklappen. Stephan Bathory wurde 1571 Großfürst von Siebenbürgen und 1575 schließlich zum König von Polen gewählt. Mit der Belagerung von Pleskau (Pskov) konnte er den livländischen Krieg (1578-1582) gegen Zar Iwan IV. (den Schrecklichen oder den Großen) für sich entscheiden. Die Belagerung dieser Stadt erregte in ganz Europa Aufsehen. Schon während dieser Auseinandersetzungen zeigte Erzherzog Ferdinand höchstes Interesse am Erwerb von Erinnerungsstücken für seine Sammlung. Neben diesem Halbharnisch erhielt er dann auch eine umfangreiche Sendung von russisch-tartarischen Beutestücken zum Geschenk.

Location: Neue Burg, Saal VI

Object data

Object Name

Harnisch

Culture

Prag (?)

Dated

um 1560

Material

Eisen, geschmiedet, getrieben, gebläut, teils mit Gold tauschiert. Schnallen, Riemenzungen: Messing, feuervergoldet. Nieten: Eisen, vergoldet. Textil: Samt (teils originale Reste, teils modern). Seide (modern). Leder.

Image rights

Kunsthistorisches Museum Wien, Hofjagd- und Rüstkammer

Inv. No.

Hofjagd- und Rüstkammer, A 609

Kunst & Patenschaft

This object is still without a Art Patron. Accept the patronage and make sure that this cultural treasure is preserved for future generations.
Your donation is a direct and sustainable contribution to the scientific documentation, research, restoration, and presentation of the artworks of the Kunsthistorisches Museum Wien.

Become an art patron