Deckelpokal, sog. Maximilianspokal

um 1510

 

 

Deckelpokal, sog. Maximilianspokal

Deckelpokale bildeten geradezu ein Leitmotiv der deutschen Goldschmiedekunst der Spätgotik und Renaissance. Wie Skizzenbücher, Gemälde und Stiche Albrecht Dürers bezeugen, beschäftigte sich der große Nürnberger Meister auch mit der Gestaltung dieses traditionellen mittelalterlichen Gefäßtyps. Wahrscheinlich haben Goldschmiede Arbeiten nach Entwürfen Dürers ausgeführt. Unter den erhaltenen Werken legen dies der sogenannte Dürerpokal und der aus dem Besitz Kaiser Maximilians I. stammende Maximilianspokal besonders nahe. Der Dürerpokal ist wahrscheinlich von Erzherzog Ferdinand II. von Tirol aus dem Nachlaß der Grafen von Montfort-Werdenberg angekauft worden, da der fellbekleidete "wilde Mann" am Deckelknauf das Wappen dieses Grafengeschlechts trägt. Das kompliziert konstruierte und zugleich wie gewachsene Buckelsystem führt spätgotische Lösungen weiter und ist wahrscheinlich von Dürer entwickelt worden. Jenes charakteristische Motiv der drei ineinander verschränkten Buckel findet sich bei einem Pokal in Dürers Dresdener Skizzenbuch. Am zehn Jahre später entstandenen Maximilianspokal ist die Gestaltung bereits im Sinne der Renaissance umgedeutet. Anstelle der Buckel erheben sich aus den Wandungen des Gefäßes naturalistische Darstellungen von Birnen. Aus dem Deckel des Meisterwerks wächst ein Zweig mit Granatäpfeln, das Symbol herrscherlicher Tugend, und seine Innenseite zeigt das Wappen Maximilians I.

Derzeit ausgestellt: Kunsthistorisches Museum Wien, Kunstkammer Wien Raum XXXV

Objektdaten

Objektbezeichnung

Gefäß; Deckelpokal

Kultur

Nürnberg

Datierung

um 1510

Material/Technik

Silber, teilweise vergoldet, Email

Maße

H. 56 cm

Bildrecht

Kunsthistorisches Museum Wien, Kunstkammer

Inv. Nr.

Kunstkammer, 110

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