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Stechzeug
um 1480/1490 | Sigismund (1439-1496), Erzherzog von Österreich
Als elitärste Form der Ritterspiele galt das Gestech, die giostra. Dabei handelte es sich um einen Zweikampf zu Pferd, der mit stumpfen Lanzen ausgetragen wurde. Für diese Turnierform entwickelte sich im Laufe des 15. Jahrhunderts eine spezielle Rüstung, das Stechzeug, das nach ständigen Verbesserungen um 1475 zu einer technisch ausgereiften, überschweren Sportmaschinerie wurde. Ihr hoher Anschaffungspreis beschränkte von vornherein die Zahl der Teilnehmer am Gestech. Die etwa 40-45 Kilogramm schweren Stechzeuge bestanden aus sorgfältig ausgeklügelten Einzelteilen, die nach Bedarf auch verstellbar und fest miteinander verbunden waren. Beim Turnier klemmten sich die Turnierer die schwere, etwa 3,5 Meter lange Lanze unter ihren rechten Arm. Der am Bruststück festgeschraubte Rüsthaken diente als Auflage, während das Lanzenende von dem gleichfalls verschraubten, nach hinten gerichteten langen Rasthaken als Widerlager im Gleichgewicht gehalten werden konnte. Eine trichterförmige Brechscheibe war zum Schutz der rechten Hand auf der Lanze befestigt. Über der Brust war zusätzlich ein dicker, hölzerner, lederüberzogener Schild, die Stechtartsche, montiert. Kaspar Rieder, der Erzeuger dieses Stechzeuges, war einer der zahlreichen Tiroler Plattner, die im Innsbrucker Vorort Mühlau für den erzherzoglichen Hof arbeiteten. 1452 schuf er gemeinsam mit einem Meister Konrad (wahrscheinlich Konrad Vetter), mit Christian Schreiner d. Ä, Hans Vetter und Hans Vetterlein vier Harnische für Erzherzog Siegmund von Tirol. 1467 wurde Kaspar Rieder als Harnischmeister genannt; er erhielt von diesem Datum an bis 1492 fortlaufend beträchtliche Zahlungen für Aufträge Erzherzog Siegmunds von Tirol. 1472 arbeitete er mit drei anderen Meistern an Rüstungen für den König von Neapel. Die hohe Wertschätzung Kaiser Maximilians I. für Kaspar Rieder drückt sich im Geschenk eines Ehrenkleides an den Plattner aus.


Als elitärste Form der Ritterspiele galt das Gestech, die giostra. Dabei handelte es sich um einen Zweikampf zu Pferd, der mit stumpfen Lanzen ausgetragen wurde. Für diese Turnierform entwickelte sich im Laufe des 15. Jahrhunderts eine spezielle Rüstung, das Stechzeug, das nach ständigen Verbesserungen um 1475 zu einer technisch ausgereiften, überschweren Sportmaschinerie wurde. Ihr hoher Anschaffungspreis beschränkte von vornherein die Zahl der Teilnehmer am Gestech. Die etwa 40-45 Kilogramm schweren Stechzeuge bestanden aus sorgfältig ausgeklügelten Einzelteilen, die nach Bedarf auch verstellbar und fest miteinander verbunden waren. Beim Turnier klemmten sich die Turnierer die schwere, etwa 3,5 Meter lange Lanze unter ihren rechten Arm. Der am Bruststück festgeschraubte Rüsthaken diente als Auflage, während das Lanzenende von dem gleichfalls verschraubten, nach hinten gerichteten langen Rasthaken als Widerlager im Gleichgewicht gehalten werden konnte. Eine trichterförmige Brechscheibe war zum Schutz der rechten Hand auf der Lanze befestigt. Über der Brust war zusätzlich ein dicker, hölzerner, lederüberzogener Schild, die Stechtartsche, montiert. Kaspar Rieder, der Erzeuger dieses Stechzeuges, war einer der zahlreichen Tiroler Plattner, die im Innsbrucker Vorort Mühlau für den erzherzoglichen Hof arbeiteten. 1452 schuf er gemeinsam mit einem Meister Konrad (wahrscheinlich Konrad Vetter), mit Christian Schreiner d. Ä, Hans Vetter und Hans Vetterlein vier Harnische für Erzherzog Siegmund von Tirol. 1467 wurde Kaspar Rieder als Harnischmeister genannt; er erhielt von diesem Datum an bis 1492 fortlaufend beträchtliche Zahlungen für Aufträge Erzherzog Siegmunds von Tirol. 1472 arbeitete er mit drei anderen Meistern an Rüstungen für den König von Neapel. Die hohe Wertschätzung Kaiser Maximilians I. für Kaspar Rieder drückt sich im Geschenk eines Ehrenkleides an den Plattner aus.
Besitzer/in:
Sigismund (1439-1496), Erzherzog von Österreich (1427 - 1496) DNBarrow_outward
Zeit:
um 1480/1490
Objektbezeichnung
Stechzeug
Kultur
Innsbruck
Material/Technik:
Eisen, geschmiedet, getrieben. Nietkappen: Messing. Leder.
Maße:
Stechzeug mit Sockel: H 160 cm × B 82 cm × T 84 cm
Gesamtgewicht exkl. Figurine, exkl. Sockel, exkl. Tartsche: 31,60 kg
Signatur
keine
Beschriftung
In Helm, Brust, Magenblech, Rücken (?) und den Achseln ein gotisches "H", im rechten Armzeug ein "L".
Stempel / Zeichen
Rechte Stauche und Rossstirn: Meistermarke mit undeutlichen gotischen Buchstaben in Banderolle
Helm, Brust, Magenblech, Rücken, Hinterhaken und die Achseln sind außen mit vier Punkten im Quadrat (::) markiert.
Bildrecht
Kunsthistorisches Museum, Hofjagd- und Rüstkammer
Inv. Nr.
Hofjagd- und Rüstkammer, S VIII
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