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Kreuzpartikel-Pacificale: Christus als Weltenherrscher
1726 datiert | Johann Baptist Känischbauer von Hohenried
Pacificalia sind üblicherweise kleine, tafel- oder retabelförmige Instrumente mit einer Handhabe an der Rückseite, an welcher der Priester das Gerät ausgewählten Personen zum Friedenskuss vor der Kommunion reicht; sie finden heute nur mehr selten Verwendung. Das vom Kammergoldschmied Johann Baptist Känischbauer für Kaiser Karl VI. geschaffene Beispiel unterscheidet sich jedoch im Aufbau grundlegend von dieser Form, denn es ist rundplastisch gebildet. Das Zentrum wird vom Emblem des Kaisers, einer von einem Wolkenband umgebenen Weltkugel, gebildet, die sich aus zwei Hälften zusammensetzt und aus Bergkristall besteht, die Wolkenglorie ist aus Gold getrieben. Im Inneren dieser Kugel befindet sich ein in Gold und Diamanten gefasstes Bergkristallkreuz, das kreuzförmig angeordnete Partikel des Kreuzes Christi aufnimmt. Flankiert von zwei Engeln steht der Jesusknabe mit der Fahne der Auferstehung in der Linken auf der Kugel; seine Rechte ist zum Segensgestus erhoben. Hinter ihm breitet sich eine ehemals mit Brillanten besetzte Strahlenglorie aus. Dieser Aufbau erhebt sich über einem dreiteiligen Podest, an dessen Ecken an der Vorderseite die Symbole der Evangelisten Matthäus und Markus angebracht sind. Die rückseitige Ecke wird vom Lukasstier gebildet. Hier offenbart sich eine einfallsreiche Schöpfung: Der Kopf des Stieres kann nach unten geklappt werden, wodurch sich eine Handhabe nach oben klappt, an der das Gerät zum Friedenskuss gereicht werden kann. Nicht zufällig nimmt das vierte Evangelistensymbol eine übergeordnete Stellung ein. Der Adler, der hier zugleich als Evangelistensymbol und als kaiserliches Wappentier verstanden werden kann, sitzt auf einem thronartigen Gebilde und erhebt sich mit ausgebreiteten Schwingen über die anderen Evangelisten. Im Sinne der Hetoimasia kann der Thron als stellvertretend besetzter göttlicher Thron für den kommenden Christus gedeutet werden. Im Übereinander von kaiserlichem Symbol und Christus als Weltenherrscher und Licht der Welt wird in einer "Imitatio Christi" die Herrschaft des Kaisers als Stellvertreter Christi der Weltherrschaft Christi angenähert.

Pacificalia sind üblicherweise kleine, tafel- oder retabelförmige Instrumente mit einer Handhabe an der Rückseite, an welcher der Priester das Gerät ausgewählten Personen zum Friedenskuss vor der Kommunion reicht; sie finden heute nur mehr selten Verwendung. Das vom Kammergoldschmied Johann Baptist Känischbauer für Kaiser Karl VI. geschaffene Beispiel unterscheidet sich jedoch im Aufbau grundlegend von dieser Form, denn es ist rundplastisch gebildet. Das Zentrum wird vom Emblem des Kaisers, einer von einem Wolkenband umgebenen Weltkugel, gebildet, die sich aus zwei Hälften zusammensetzt und aus Bergkristall besteht, die Wolkenglorie ist aus Gold getrieben. Im Inneren dieser Kugel befindet sich ein in Gold und Diamanten gefasstes Bergkristallkreuz, das kreuzförmig angeordnete Partikel des Kreuzes Christi aufnimmt. Flankiert von zwei Engeln steht der Jesusknabe mit der Fahne der Auferstehung in der Linken auf der Kugel; seine Rechte ist zum Segensgestus erhoben. Hinter ihm breitet sich eine ehemals mit Brillanten besetzte Strahlenglorie aus. Dieser Aufbau erhebt sich über einem dreiteiligen Podest, an dessen Ecken an der Vorderseite die Symbole der Evangelisten Matthäus und Markus angebracht sind. Die rückseitige Ecke wird vom Lukasstier gebildet. Hier offenbart sich eine einfallsreiche Schöpfung: Der Kopf des Stieres kann nach unten geklappt werden, wodurch sich eine Handhabe nach oben klappt, an der das Gerät zum Friedenskuss gereicht werden kann. Nicht zufällig nimmt das vierte Evangelistensymbol eine übergeordnete Stellung ein. Der Adler, der hier zugleich als Evangelistensymbol und als kaiserliches Wappentier verstanden werden kann, sitzt auf einem thronartigen Gebilde und erhebt sich mit ausgebreiteten Schwingen über die anderen Evangelisten. Im Sinne der Hetoimasia kann der Thron als stellvertretend besetzter göttlicher Thron für den kommenden Christus gedeutet werden. Im Übereinander von kaiserlichem Symbol und Christus als Weltenherrscher und Licht der Welt wird in einer "Imitatio Christi" die Herrschaft des Kaisers als Stellvertreter Christi der Weltherrschaft Christi angenähert.
Künstler/in:
Johann Baptist Känischbauer von Hohenried (1668 Angern/NÖ - 1739 Wien) DNBarrow_outward
Zeit:
1726 datiert
Objektbezeichnung
Liturgisches Gerät; Reliquiar; Pacificale;
Kultur
Wien
Material/Technik:
Gold, teilweise emailliert, Bergkristall, Diamanten, Rubine, Perlen, Glassteine, Silber, vergoldet, Eisen
Maße:
H. 25,3 cm, B. 12,3 cm, T. 8 cm
Signatur
JO. KÄNISCHBAUR V. HOHEN RIED R. K. M. KAMER KÜSTLER 1726
Beschriftung
"NASCENDO TULIT, MORIENDO RELIQUIT"
Stempel / Zeichen
R 3, Nr.7942; Wr. Repunze 1806/07; Wr. Befr. stempel 1809/10
Bildrecht
Kunsthistorisches Museum, Geistliche Schatzkammer
Inv. Nr.
Schatzkammer, GS D 39
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