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Korallensäbel, Kordelatsch, Coltelaggio, Malchus, Malchus (mit Scheide)
um 1560
Das Inventar aus dem Jahr 1596 beschreibt auf 414r und 414v den Säbel im Korallenkasten der Kunstkammer wie folgt: "Mer ain säbl mit ainer grien sammeten schaiden [...], alles mit rot corallenstainlen verseczt, inwendig die kling ain spann lang vergult, das gfäsz daran ist ain corallener züng und ist das gfäsz in silber eingefasst, mit corallenstaindlen verseczt." Das Griffstück der Waffe setzt sich aus drei Ästen der Roten Edelkoralle (Corallium rubrum) in einer vergoldeten Hülse aus Silber zusammen. Die leicht geschwungene Klinge mit einer vermutlich oberitalienischen Schmiedemarke besitzt drei Rinnen und trägt eine Vergoldung. Der als "großes Messer" (coltellaggio) bezeichnete Waffentypus galt fälschlich als Schwertform der römischen Antike. Bei dem Korallensäbel handelt es sich um ein reines Kunstkammerstück ohne besondere praktische Funktion; er war mit Sicherheit nie wirklich als Waffe in Gebrauch. Die Klinge ist durch die Kunst des Menschen geformt, das Griffstück durch die Kraft der Natur, sodass sich hier Menschen- und Naturwerk in idealer Weise miteinander verbinden. Den Schlüssel zur Bedeutung des Objekts liefern das Material Koralle und dessen mythische Verbindung mit der Gestalt des Jupitersohnes Perseus. Ovid berichtete im vierten Buch der Metamorphosen (740 f.) über die wunderbare Verwandlung von Blättern und Stängeln, die im Wasser gewachsen waren und von Perseus als Unterlage für das abgeschlagene Haupt der Gorgo Medusa verwendet wurden. Durch die Berührung mit dem Gorgonenhaupt und durch dessen magische Kräfte wurden die Wasserpflanzen zu Korallen. Teile von diesen wurden von Nymphen ausgesät und entwickelten sich auf diese Weise wiederum zu Samen von Korallen. Diese behielten ihre Eigenheit bei, die sie erst dann, wenn sie über den Wasserspiegel hinausgehoben und an die Luft gebracht wurden, ihre Härte gewinnen und zu Stein werden ließ. Das Schwert des Perseus besaß so wie das hier vorgestellte Schwert eine gebogene Klinge (Metamorphosen 4,727), die als Anspielung auf den Entstehungsmythos gedeutet werden kann.


Das Inventar aus dem Jahr 1596 beschreibt auf 414r und 414v den Säbel im Korallenkasten der Kunstkammer wie folgt: "Mer ain säbl mit ainer grien sammeten schaiden [...], alles mit rot corallenstainlen verseczt, inwendig die kling ain spann lang vergult, das gfäsz daran ist ain corallener züng und ist das gfäsz in silber eingefasst, mit corallenstaindlen verseczt." Das Griffstück der Waffe setzt sich aus drei Ästen der Roten Edelkoralle (Corallium rubrum) in einer vergoldeten Hülse aus Silber zusammen. Die leicht geschwungene Klinge mit einer vermutlich oberitalienischen Schmiedemarke besitzt drei Rinnen und trägt eine Vergoldung. Der als "großes Messer" (coltellaggio) bezeichnete Waffentypus galt fälschlich als Schwertform der römischen Antike. Bei dem Korallensäbel handelt es sich um ein reines Kunstkammerstück ohne besondere praktische Funktion; er war mit Sicherheit nie wirklich als Waffe in Gebrauch. Die Klinge ist durch die Kunst des Menschen geformt, das Griffstück durch die Kraft der Natur, sodass sich hier Menschen- und Naturwerk in idealer Weise miteinander verbinden. Den Schlüssel zur Bedeutung des Objekts liefern das Material Koralle und dessen mythische Verbindung mit der Gestalt des Jupitersohnes Perseus. Ovid berichtete im vierten Buch der Metamorphosen (740 f.) über die wunderbare Verwandlung von Blättern und Stängeln, die im Wasser gewachsen waren und von Perseus als Unterlage für das abgeschlagene Haupt der Gorgo Medusa verwendet wurden. Durch die Berührung mit dem Gorgonenhaupt und durch dessen magische Kräfte wurden die Wasserpflanzen zu Korallen. Teile von diesen wurden von Nymphen ausgesät und entwickelten sich auf diese Weise wiederum zu Samen von Korallen. Diese behielten ihre Eigenheit bei, die sie erst dann, wenn sie über den Wasserspiegel hinausgehoben und an die Luft gebracht wurden, ihre Härte gewinnen und zu Stein werden ließ. Das Schwert des Perseus besaß so wie das hier vorgestellte Schwert eine gebogene Klinge (Metamorphosen 4,727), die als Anspielung auf den Entstehungsmythos gedeutet werden kann.
Zeit:
um 1560
Objektbezeichnung
Korallensäbel, Kordelatsch, Coltelaggio, Malchus, Malchus (mit Scheide)
Kultur
Oberitalien
Material/Technik:
Klinge: Eisen, geschmiedet, teils geätzt. Ätzdekor: feuervergoldet. Griff: Holz. Kreuzförmige Fassung: Silberblech, teils ziseliert, teils punziert, teils graviert, feuervergoldet. Korallenäste. Scheide: Holz. Leder. Textil: Samt (grün). Mundblech, Ortblech, Ringbeschlag: Silber, teils ziseliert, teils punziert, Korallencabochons.
Maße:
Säbel: L 80 cm x B 26 cm x T 3,5 cm
Scheide: L 66 cm x B 6,5 cm x T 2,5 cm
Bildrecht
Kunsthistorisches Museum, Hofjagd- und Rüstkammer
Inv. Nr.
Hofjagd- und Rüstkammer, A 793
Provenienz
1806 aus Ambras
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