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Kanonenmodell "Lauerpfeif"
1500-1507 | Jörg Kölderer
Reich profilierte Ringe teilen die Oberfläche in acht Felder, die in Relief die Herrschaftswappen und Embleme Maximilians I. zeigen. Im ersten Feld halten zwei Greife das gekrönte Wappen des Römisch-Deutschen Königreiches; im nächsten Feld folgen in einem Schild die Wappen der Königreiche England und Frankreich, Ungarn, Böhmen und Dalmatien. Im dritten, aneinander gekettet, Maximilians Ehewappen Österreich und Burgund. Den vierten Streifen füllen die Embleme des Ordens vom Goldenen Vlies, die Feuereisen und das Andreaskreuz. Das siebente Feld enthält die Inschrift "ICH SIHE VND LAVR . ALS DER HAGL VND / DER SCHAVR VND HAIS DARUMB DIE LAVR / PFEIFF . NIMB HINWEG WAS ICH ERGREIFF". Das letzte Feld schließlich zeigt wieder das Andreaskreuz, Distelblüten und Eicheln. In der Mitte unten befinden sich das Zündloch sowie die Halterungen des nunmehr fehlenden Zündlochdeckels, der 1840 noch erhalten und damals von einer plastischen Figur, einem "Pfeifer", gekrönt war. Möglicherweise stammt der Entwurf von Jörg Kölderer (1470-1540), der um 1512 für Kaiser Maximilian I. auch die Prunkausführung der drei Zeugbücher schuf. Bei dem Original des Geschützes, das zur Zeit Maximilians längst schon eingeschmolzen war, handelte es sich mit rund fünf Meter Länge um ein ganz schweres Belagerungsgeschütz, ein so genanntes "Legrohr" oder "Hauptstück". Als "die wolgestimbt Lauerpfeiff" ist es im Zeugbuch der österreichischen Lande auf fol. 2v und 3r abgebildet. Die Datierung beruht auf einer Notiz des Kaisers in seinem vor 1508 entstandenen Gedenkbuch. Außerdem nahm Maximilian 1509 den Titel eines "Erwählten Kaisers" an; auf der Wappenfolge des Geschützes ist aber der Kaiseradler noch nicht dargestellt. Führte er seinen Anspruch auf Böhmen zumindest über Albrecht V. und Ladislaus Postumus zurück, so resultierte die Aufnahme des englischen Wappens aus seiner Unterstützung des Abenteurers Peter Warveck, der sich für den Sohn Eduards IV. ausgab und Richard von England nannte. Er hatte schon 1495 seine fingierten Ansprüche auf England, Schottland, York und Frankreich an Maximilian I. verbrieft abgetreten.






Reich profilierte Ringe teilen die Oberfläche in acht Felder, die in Relief die Herrschaftswappen und Embleme Maximilians I. zeigen. Im ersten Feld halten zwei Greife das gekrönte Wappen des Römisch-Deutschen Königreiches; im nächsten Feld folgen in einem Schild die Wappen der Königreiche England und Frankreich, Ungarn, Böhmen und Dalmatien. Im dritten, aneinander gekettet, Maximilians Ehewappen Österreich und Burgund. Den vierten Streifen füllen die Embleme des Ordens vom Goldenen Vlies, die Feuereisen und das Andreaskreuz. Das siebente Feld enthält die Inschrift "ICH SIHE VND LAVR . ALS DER HAGL VND / DER SCHAVR VND HAIS DARUMB DIE LAVR / PFEIFF . NIMB HINWEG WAS ICH ERGREIFF". Das letzte Feld schließlich zeigt wieder das Andreaskreuz, Distelblüten und Eicheln. In der Mitte unten befinden sich das Zündloch sowie die Halterungen des nunmehr fehlenden Zündlochdeckels, der 1840 noch erhalten und damals von einer plastischen Figur, einem "Pfeifer", gekrönt war. Möglicherweise stammt der Entwurf von Jörg Kölderer (1470-1540), der um 1512 für Kaiser Maximilian I. auch die Prunkausführung der drei Zeugbücher schuf. Bei dem Original des Geschützes, das zur Zeit Maximilians längst schon eingeschmolzen war, handelte es sich mit rund fünf Meter Länge um ein ganz schweres Belagerungsgeschütz, ein so genanntes "Legrohr" oder "Hauptstück". Als "die wolgestimbt Lauerpfeiff" ist es im Zeugbuch der österreichischen Lande auf fol. 2v und 3r abgebildet. Die Datierung beruht auf einer Notiz des Kaisers in seinem vor 1508 entstandenen Gedenkbuch. Außerdem nahm Maximilian 1509 den Titel eines "Erwählten Kaisers" an; auf der Wappenfolge des Geschützes ist aber der Kaiseradler noch nicht dargestellt. Führte er seinen Anspruch auf Böhmen zumindest über Albrecht V. und Ladislaus Postumus zurück, so resultierte die Aufnahme des englischen Wappens aus seiner Unterstützung des Abenteurers Peter Warveck, der sich für den Sohn Eduards IV. ausgab und Richard von England nannte. Er hatte schon 1495 seine fingierten Ansprüche auf England, Schottland, York und Frankreich an Maximilian I. verbrieft abgetreten.
Entwurf:
Jörg Kölderer , (?) (1465/70 Inzing - Innsbruck, vor dem 18.8.1540) DNBarrow_outward
Zugeschrieben an:
Peter Löffler (Leyminger) , (Gießer) (erw. 1488 - gest. vor 1530, tätig in Innsbruck) DNBarrow_outward
Zeit:
1500-1507
Objektbezeichnung
Kanonenmodell "Lauerpfeif"
Kultur
Innsbruck
Material/Technik:
Bronze, gegossen, ziseliert
Maße:
L 52,8 cm x H 12,5 cm x B 16,5 cm (Kaliber 55mm)
Gewicht: 30 kg
Beschriftung
ICH SIHE VND LAVR. ALS DER HAGL VND / DER SCHAVR VND HAIS DARVMB DIE LAVR / PFEIFF. NIMB HINWEG WAS ICH ERGREIFF
Bildrecht
Kunsthistorisches Museum, Hofjagd- und Rüstkammer
Inv. Nr.
Hofjagd- und Rüstkammer, A 74
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