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Brunnenrelief Grimani: Löwin mit Jungen
Ende 1. Jh. v. Chr.
Die konkav gewölbte Platte bildet mit einem zweiten, gleichfalls in der Wiener Antikensammlung befindlichen Relief, auf dem ein säugendes Mutterschaf dargestellt ist, ein Paar. Beide sind ab dem 18. Jahrhundert im Palazzo Grimani in Venedig nachweisbar. Sie gehörten ursprünglich zu einer römischen Brunnenanlage im antiken Praeneste südöstlich von Rom, wie ein dort gefundenes drittes Relief mit einer säugenden Wildsau beweist. Da in den beiden Wiener Reliefs einem Wildtier (einer Löwin) ein Haustier (Schaf) gegenübergestellt ist, wird man als Gegenstück des praenestiner Reliefs als 4. Platte ein weiteres domestiziertes Tier (eine Kuh?) erwarten dürfen. In einer Grotte am Fuß einer Platane mit weit ausladenden Ästen säugt eine wachsam um sich blickende Löwin ihre beiden Jungen. Rechts neben dem Baum befindet sich ein kleines ländliches Heiligtum des Dionysos, des Gottes des Weines, der Vegetation und Fruchtbarkeit: ein aus Steinen aufgeschichteter Altar mit Früchten und ein girlandengeschmücktes Maskenrelief (Silensmaske, Syrinx, Früchte), an dem als Attribute des Gottes eine brennende Fackel und ein mit Efeublättern bekrönter Thyrsosstab lehnen. Das Maul des Löwenjungen, dessen Kopf dem Betrachter zugewandt ist, bildet die Öffnung, aus dem sich der Wasserstrahl in den Brunnen ergoss. Die Illusion räumlicher Tiefe wird in diesem Relief nicht mit perspektivischen, sondern mit malerischen Mitteln erreicht -- die verschiedenen Bildebenen sind nicht scharf voneinander abgegrenzt, die Übergänge fließend, Konturen verschwimmen im Reliefgrund, wie dies etwa an der Rückenlinie der ansonsten in hohem Relief modellierten Löwin, am Steinaltar oder an den Platanenblättern zu beobachten ist. Friede, Fruchtbarkeit, Glück des einfachen Lebens inmitten einer bukolischen Landschaft bildeten in Dichtkunst und bildender Kunst gleichermaßen Hauptthemen des Goldenen Zeitalters, das Kaiser Augustus mit den Säkularfeiern des Jahres 17 v. Chr. hatte beginnen lassen.




Die konkav gewölbte Platte bildet mit einem zweiten, gleichfalls in der Wiener Antikensammlung befindlichen Relief, auf dem ein säugendes Mutterschaf dargestellt ist, ein Paar. Beide sind ab dem 18. Jahrhundert im Palazzo Grimani in Venedig nachweisbar. Sie gehörten ursprünglich zu einer römischen Brunnenanlage im antiken Praeneste südöstlich von Rom, wie ein dort gefundenes drittes Relief mit einer säugenden Wildsau beweist. Da in den beiden Wiener Reliefs einem Wildtier (einer Löwin) ein Haustier (Schaf) gegenübergestellt ist, wird man als Gegenstück des praenestiner Reliefs als 4. Platte ein weiteres domestiziertes Tier (eine Kuh?) erwarten dürfen. In einer Grotte am Fuß einer Platane mit weit ausladenden Ästen säugt eine wachsam um sich blickende Löwin ihre beiden Jungen. Rechts neben dem Baum befindet sich ein kleines ländliches Heiligtum des Dionysos, des Gottes des Weines, der Vegetation und Fruchtbarkeit: ein aus Steinen aufgeschichteter Altar mit Früchten und ein girlandengeschmücktes Maskenrelief (Silensmaske, Syrinx, Früchte), an dem als Attribute des Gottes eine brennende Fackel und ein mit Efeublättern bekrönter Thyrsosstab lehnen. Das Maul des Löwenjungen, dessen Kopf dem Betrachter zugewandt ist, bildet die Öffnung, aus dem sich der Wasserstrahl in den Brunnen ergoss. Die Illusion räumlicher Tiefe wird in diesem Relief nicht mit perspektivischen, sondern mit malerischen Mitteln erreicht -- die verschiedenen Bildebenen sind nicht scharf voneinander abgegrenzt, die Übergänge fließend, Konturen verschwimmen im Reliefgrund, wie dies etwa an der Rückenlinie der ansonsten in hohem Relief modellierten Löwin, am Steinaltar oder an den Platanenblättern zu beobachten ist. Friede, Fruchtbarkeit, Glück des einfachen Lebens inmitten einer bukolischen Landschaft bildeten in Dichtkunst und bildender Kunst gleichermaßen Hauptthemen des Goldenen Zeitalters, das Kaiser Augustus mit den Säkularfeiern des Jahres 17 v. Chr. hatte beginnen lassen.
Zeit:
Ende 1. Jh. v. Chr.
Objektbezeichnung
Relief
Kultur
Römisch
Fundort:
Palestrina (Praeneste, Italien)
Material/Technik:
Marmor
Maße:
94 cm × 81 cm × 23 cm
Bildrecht
Kunsthistorisches Museum, Antikensammlung
Inv. Nr.
Antikensammlung, I 605
Provenienz
Westphalen, Graf, Clemens, Wien; früher Slg. Grimani, Venedig; 1885 Tausch
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