Im Zentrum steht die Rolle des Harnisches als Ausrüstung für Turnier und Feld sowie als Mittel höfischer Repräsentation und Diplomatie. Das Projekt analysiert erstmals systematisch und in gezielter Zusammenschau eine Vielzahl unterschiedlicher Quellen: archivalische Dokumente (sowohl bereits bekannte als auch neu erschlossene), bildliche Darstellungen aus den Gedächtniswerken Maximilians I. (etwa Freydal) sowie erhaltene Plattnerarbeiten. Die gesamte Bandbreite der Harnischaufträge – von militärischer Massenware bis hin zu luxuriösen Einzelanfertigungen – wird dabei in einen breiten soziokulturellen und geopolitischen Kontext eingebettet.
Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf der Produktion und Verwaltung von Waffen unter Maximilian I. Seine illustrierten Waffenkataloge – das Zeugbuch der Grafschaft Tirol, das Zeugbuch der österreichischen Länder und das Zeugbuch der Vorlande – geben einzigartige Einblicke in das Zeugwesen seiner Zeit. Die kunsthistorische Analyse dieser reich illustrierten Pergamenthandschriften sowie der darin dargestellten Waffen soll Maximilians Strategien der Selbstinszenierung als Kriegsherr beleuchten.
Darüber hinaus befasst sich das Forschungsprojekt mit dem persönlichen Netzwerk des Kaisers, darunter die Empfänger von Harnischgeschenken, die Teilnehmer an Turnieren sowie die für ihn tätigen Akteure wie Künstler, Plattner und Hofbeamte.
Titel:
Maximilian I. (1459-1519), Bildnis in halber Figur im goldenen Harnisch
Künstler/in:
Bernhard Strigel (1460 - 1528 Memmingen)
Zeit:
um 1500
Kaiser Maximilian I. bestellte diesen Kinderharnisch 1512 für seinen damals zwölfjährigen Enkel Karl, den späteren Kaiser Karl V. Konrad Seusenhofer, der Innsbrucker Hofplattner des Kaisers, begann Mitte März 1512 mit der Arbeit an diesem Harnisch und vollendete sie ein Jahr später, im Frühling/ Sommer 1513.
Der Grund für diese Bestellung dürfte in den Planungen für eine Hochzeit Karls mit Mary Tudor, der Schwester Heinrichs VIII. von England, zu sehen sein. Im Sommer 1513 zog Heinrich mit Maximilians Hilfe gegen Frankreich ins Feld. In pompösen Siegesfeiern in Tournai und Lille wurden im Oktober 1513 die Verträge für diese Allianz unterzeichnet. Die Hochzeit sollte im Frühling 1514 im damals englischen Calais stattfinden, doch Intrigen und gewandelte politische Interessen verhinderten letztlich das Bündnis.
Der Harnisch spielt auf raffinierte Art mit dem Kontrast der Materialität von Stahl und Textil. Er besteht aus einem Feldharnisch mit modisch gepufft und geschlitzt erscheinendem Arm- und Beinzeug. Über diesem Harnisch liegt, so die Illusion, ein Waffenrock, bestehend aus einem in Falten gelegten Rock und eng geschnittenem Oberteil mit kurzen, voluminösen Ärmeln. Dieser ebenso aus Stahl gefertigte Waffenrock ist mit vergoldeten Silberbeschlägen verziert, die die Embleme des Ordens vom goldenen Vlies zeigen.
Karls Kinderharnisch befand sich im frühen 17. Jahrhundert im Besitz Erzherzog Maximilians III., Hochmeister des Deutschen Ordens. Aus dessen Nachlass gelangte er kurz vor 1621 gemeinsam mit dem Rossharnisch Kaiser Friedrichs III. von 1477 (Kunsthistorisches Museum Wien, Hofjagd- und Rüstkammer, Inv.-Nr. A 69) nach Schloss Ambras bei Innsbruck.
Besitzer/in:
Karl I. (V.) (1516-1556), als Karl I. König von Spanien, seit 1519 deutscher König, seit 1520 Kaiser (1500 - 1558)
Zeit:
1512-1514
Armouring Maximilian ist ein Teilprojekt des durch den FWF für eine erste Förderperiode von vier Jahren mit über 4 Mio. EUR finanzierten SFB-Projektes Managing Maximilian (Akronym: ManMAX). ManMAX verbindet acht Teilprojekte an der Österreichischen Akademie der Wissenschaften, der Universität Wien, der Universität Graz, der Albertina und am Kunsthistorischen Museum. Alle Teilprojekte werden zu einer neuen prosopographischen Datenbank beitragen, die sich den Personen am und um den Hof Kaiser Maximilians I. widmet.
Projektleitung
Dr. Thomas Kuster
Projektmitarbeit
- Alexandra Burger BA MA (40 Std.)
Sarah Deichstetter BA BA MA (10 Std.)
Andrea Singh Bottanova MA (8 Std.)
Projektlaufzeit
2023 – 2027
Teilprojekt 02 von
Managing Maximilian (1493-1519) – Persona, Politics, and Personnel through the Lens of Digital Prosopography (Acronym: ManMAX), SFB F9200, Projektkoordinator: PD Dr. Andreas Zajic, MAS.


