
Antike Porträts zeigen uns oft beeindruckend lebendig und unmittelbar Menschen, die vor langer Zeit gelebt haben. In unserer Sonderpräsentation lassen wir diese Skulpturen selbst zu Wort kommen. Sie erzählen uns dabei von ihrer Erscheinung und welch wichtige Rolle ein oft unterschätztes Detail spielt: die Frisur. An dieser lassen sich nämlich zentrale Fragen der Porträtforschung erschließen – von der Datierung bis zur Identität der Dargestellten.
Im Zentrum der Präsentation stehen zwei Frauenbildnisse. Zum einen eine Marmorbüste, die wahrscheinlich die vergöttlichte Julia (61-89 n. Chr.) darstellt (Bild unten), Tochter von Kaiser Titus und Nichte von Kaiser Domitian aus dem Geschlecht der Flavier. Sie trägt eine markante Stirnlockenfrisur, hinter der sich vermutlich ein metallenes Diadem verbarg, was auf den gesellschaftlichen Rang und die Epoche verweist.
Adresse
Antikensammlung, Hochparterre
Maria-Theresien-Platz, 1010 Wien
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Öffnungszeiten
Di – So, 10 – 18 Uhr
Do bis 21 Uhr
Besucher*innen verbringen im Schnitt ca. 1,5 Stunden in der Antikensammlung.
„Ich bin die schöne Enkelin, Tochter und Nichte dreier Kaiser. Nach meinem Tod mit rund 28 Jahren erhob mich mein Onkel zur Göttin – immerhin! Für mich wurden im ganzen Reich Statuen aufgestellt. Als diese hier zerstört wurde, fiel mein Kopf aufs Gesicht und rollte dann auf den Hinterkopf. So lag er lange in der Erde. Viele Jahrhunderte später fand ihn jemand, erkannte seine Schönheit und stellte aus drei unterschiedlichen Marmorblöcken eine Büste her […].“
Das zweite Exponat ist ein Grabrelief einer älteren Frau im Typus der „Großen Herkulanerin“. Auch sie trägt eine für ihre Zeit typische Frisur, die sie als eine Zeitgenossin von Julia ausweist. Ihre Kleidung deutet auf eine wohlhabende Frau hin. Doch leider fehlen heute der ursprünglich vorhandene Rahmen und die Figur an ihrer rechten Seite, wahrscheinlich ihr Ehemann.
Am daneben gezeigten Grabrelief ist das Ehepaar vollständig und in ehelicher Eintracht dargestellt.


Wir lassen unsere Marmorskulpturen aber nicht nur zu Wort kommen: In einer Bildschirmpräsentation stehen sie ihren auf Münzen geprägten Bildnissen gegenüber.
In der römischen Kaiserzeit dienten Münzen zur Verbreitung der Porträts des Kaisers und seiner Familie. Besonders die Frisuren wurden mit beeindruckender Genauigkeit gefertigt. Seit der Renaissance verwenden Forscher diese Münzen zur Identifizierung von Marmorbildnissen.


Für Privatpersonen dienten die Abbildungen der präzise dargestellten Frisuren als Vorlage für ihre eigenen Porträts auf Büsten, Grabreliefs oder Sarkophagen.








