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Vitrine EXTRA #8

My Story – Antike Frauenporträts und ihr Nachleben

bis 20. September 2026
Eine marmorne Büste einer Frau mit Lockenfrisur. Sie trägt eine drapierte Tunika und einen Umhang. Der Hintergrund ist einfarbig grau, was den Fokus auf die Details der Statue lenkt.

Die Sonderpräsentation Vitrine EXTRA, die in regelmäßigen Abständen in der Antikensammlung des Kunsthistorischen Museums unterschiedliche antike Objekte vorübergehend in der Dauerausstellung präsentiert, rückt in ihrer achten Ausgabe antike Frauenporträts und ihr Nachleben in den Fokus. Anhand zweier bisher nicht ausgestellter weiblicher Bildnisse präsentieren wir einen Ausschnitt der aktuellen Forschung, die vielen Objekten ihre verlorene Geschichte zurückgibt.

Über die Ausstellung

In der Antikensammlung des Kunsthistorischen Museums befinden sich rund 250 römische Marmorbildnisse, die unter anderem zahlreiche Überarbeitungen und Ergänzungen aufweisen. In vielen Fällen reichen diese bis ins 16. Jahrhundert zurück und zeigen, was man damals von antiken Skulpturen erwartete und wie man Kunstwerke dem eigenen Zeitgeschmack und Verwendungszweck unterwarf.

Antike Porträts zeigen uns oft beeindruckend lebendig und unmittelbar Menschen, die vor langer Zeit gelebt haben. In unserer Sonderpräsentation lassen wir diese Skulpturen selbst zu Wort kommen. Sie erzählen uns dabei von ihrer Erscheinung und welch wichtige Rolle ein oft unterschätztes Detail spielt: die Frisur. An dieser lassen sich nämlich zentrale Fragen der Porträtforschung erschließen – von der Datierung bis zur Identität der Dargestellten.

Im Zentrum der Präsentation stehen zwei Frauenbildnisse. Zum einen eine Marmorbüste, die wahrscheinlich die vergöttlichte Julia (61-89 n. Chr.) darstellt (Bild unten), Tochter von Kaiser Titus und Nichte von Kaiser Domitian aus dem Geschlecht der Flavier. Sie trägt eine markante Stirnlockenfrisur, hinter der sich vermutlich ein metallenes Diadem verbarg, was auf den gesellschaftlichen Rang und die Epoche verweist.

Adresse

Antikensammlung, Hochparterre
Maria-Theresien-Platz, 1010 Wien
Google Maps

Öffnungszeiten

Di – So, 10 – 18 Uhr
Do bis 21 Uhr

weitere Besuchsinfos

Besucher*innen verbringen im Schnitt ca. 1,5 Stunden in der Antikensammlung.

„Ich bin die schöne Enkelin, Tochter und Nichte dreier Kaiser. Nach meinem Tod mit rund 28 Jahren erhob mich mein Onkel zur Göttin – immerhin! Für mich wurden im ganzen Reich Statuen aufgestellt. Als diese hier zerstört wurde, fiel mein Kopf aufs Gesicht und rollte dann auf den Hinterkopf. So lag er lange in der Erde. Viele Jahrhunderte später fand ihn jemand, erkannte seine Schönheit und stellte aus drei unterschiedlichen Marmorblöcken eine Büste her […].“
„Ich bin die schöne Enkelin, Tochter und Nichte dreier Kaiser. Nach meinem Tod mit rund 28 Jahren erhob mich mein Onkel zur Göttin – immerhin! Für mich wurden im ganzen Reich Statuen aufgestellt. Als diese hier zerstört wurde, fiel mein Kopf aufs Gesicht und rollte dann auf den Hinterkopf. So lag er lange in der Erde. Viele Jahrhunderte später fand ihn jemand, erkannte seine Schönheit und stellte aus drei unterschiedlichen Marmorblöcken eine Büste her […].“

Für den mittleren Teil der Büste wurden ein antikes Kapitellfragment und ein Teil mit Bauornamentik verwendet. Beide Stücke wurden im 16. Jahrhundert so geschickt eingesetzt, dass die Ergänzung bis zur modernen Restaurierung unbemerkt blieb.

Das zweite Exponat ist ein Grabrelief einer älteren Frau im Typus der „Großen Herkulanerin“. Auch sie trägt eine für ihre Zeit typische Frisur, die sie als eine Zeitgenossin von Julia ausweist. Ihre Kleidung deutet auf eine wohlhabende Frau hin. Doch leider fehlen heute der ursprünglich vorhandene Rahmen und die Figur an ihrer rechten Seite, wahrscheinlich ihr Ehemann.

Am daneben gezeigten Grabrelief ist das Ehepaar vollständig und in ehelicher Eintracht dargestellt.

Ein antikes Relief aus Marmor zeigt eine stehende Figur, die mit einem Umhang bekleidet ist. Die Person hat eine gesichtslosen Ausdruck und hält ihren Umhang mit der rechten Hand. Die Details der Kleidung und die Frisur sind gut ausgearbeitet.
Grabrelief aus Attika mit stehender Frau, römisch, flavisch-trajanisch, spätes 1./frühes 2. Jh., Marmor
Relief aus Marmor, das zwei Männer zeigt, die nebeneinander stehen. Einer hat den Arm um den anderen gelegt. Beide tragen traditionelle römische Gewänder und haben unterschiedliche Frisuren. Der Hintergrund ist schlicht und betont die Figuren.
Grabrelief aus Attika mit stehendem Ehepaar, römisch, antoninisch, 2. Jh. n. Chr., Marmor

Wir lassen unsere Marmorskulpturen aber nicht nur zu Wort kommen: In einer Bildschirmpräsentation stehen sie ihren auf Münzen geprägten Bildnissen gegenüber.

In der römischen Kaiserzeit dienten Münzen zur Verbreitung der Porträts des Kaisers und seiner Familie. Besonders die Frisuren wurden mit beeindruckender Genauigkeit gefertigt. Seit der Renaissance verwenden Forscher diese Münzen zur Identifizierung von Marmorbildnissen. 

Eine antike Münze zeigt das Profil eines Mannes mit lockigem Haar und einer Frisur, die elegant hochgesteckt ist. Um ihn herum sind lateinische Buchstaben und Inschriften, die seinen Namen und Titel darstellen. Die Oberfläche der Münze ist grünlich und zeigt Abnutzungserscheinungen.
Dupondius des Titus mit dem Porträt seiner Tochter Julia, Rom, um 79–81 n. Chr., Messing, Umschrift: IVLIA IMPeratori Titi AVGusti Filia AVGVSTA
Seitenansicht einer antiken Skulptur, die eine weibliche Figur darstellt. Die Statue hat eine geflochtene Frisur mit dekorativen Elementen und ist in einem klassischen Stil gestaltet. Der Fokus liegt auf dem detaillierten Gesicht und der eleganten Haltung der Figur.
Porträt der Julia Titi, Kopf römisch-flavisch, spätes 1. Jh. n. Chr., Büste 16. Jahrhundert, Marmor

Für Privatpersonen dienten die Abbildungen der präzise dargestellten Frisuren als Vorlage für ihre eigenen Porträts auf Büsten, Grabreliefs oder Sarkophagen.

Eine antike Münze zeigt ein Profil einer weiblichen Figur mit aufwendiger Haartracht. Umrandet von lateinischen Inschriften, hebt die Münze historische Aspekte hervor und illustriert künstlerische Details der damaligen Zeit.
Denar Hadrians mit dem Bildnis seiner Ehefrau Sabina, Rom, 117–136 n. Chr., Silber, Umschrift: SABINA AUGUSTA HADRIANI AUGusti Pater Patriae
Das Bild zeigt einen antiken Marmorkopf einer Frau im Profil, mit detaillierter Frisur und Gesichtszügen. Der Kopf ist sorgfältig bearbeitet und zeigt eine Binde im Haar. Die Statue vermittelt einen Eindruck von historischer Kunstfertigkeit und Stil.
Porträt einer Frau mit kunstvoller Flechtfrisur, römisch, trajanisch-frühhadrianisch, vor 130 n. Chr., Marmor

Über die aktuelle Forschung

Aus namenlosen, geschichtslosen oder verschmutzten Porträts konnte das Projektteam eine Galerie von Bildnissen herauskristallisieren, die viel über ihr Schicksal verraten haben – von der Art der Aufstellung in der Antike über die Zerstörung bis zur nachantiken Restaurierungsgeschichte. Dabei stellte sich die Arbeit der Restaurator*innen als überaus hilfreich heraus, aber auch die von Fachleuten, die sich mit der Marmoranalyse befasst haben.

Beide Bildnisse bestehen aus Marmor des türkischen Steinbruchs Göktepe, der in der mittleren und späten Kaiserzeit sehr gefragt war. 

Rechts ist ein Bildnis der Kaiserin Julia Mamaea gezeigt, links eine fast 100 Jahre ältere Porträtbüste, wie die Form von Büste und Sockel zeigt. Die Frisur dagegen ist das Ergebnis einer antiken Umarbeitung und kopiert jene der Julia Mamaea.

Das Projekt ist Teil eines internationalen Netzwerks, das darauf zielt, ein Ungleichgewicht der Forschung gegenüber männlichen Porträts auszugleichen. Es untersucht nicht nur Typologie und Ikonografie, sondern auch gesellschaftliche Rolle, symbolische Bedeutung sowie Rezeption in Antike und Neuzeit.

Eine antike Münze zeigt das Porträt eines Mannes und einer Frau, die einander angesehen. Die Details sind gut erkennbar, darunter Gesichtszüge und Frisuren. Am Rand sind Inschriften sichtbar, die möglicherweise Namen oder Titel enthalten.
Medaillon des Severus Alexander mit seinem Bildnis und dem seiner Mutter Julia Mamaea, Rom, 222–235 n. Chr., Kupfer, Umschrift: IMPerator SEVERVS ALEXANDER AVGustus IVLIA MAMAEA AVGusta // MATER AVGusti
Ein antikes Marmorporträt eines jungen Mannes im Profil. Er hat wellige Haare, einen ernsten Gesichtsausdruck und trägt eine drapierte Kleidung. Die Statue wirkt detailliert und zeigt feine Merkmale des Gesichts und der Haare.
Porträt der Julia Mamaea, die zunächst für ihren Sohn, den jugendlichen Kaiser Severus Alexander, spätseverisch, 222–235 n. Chr., Marmor (Göktepe, Türkei)

Die weiteren ausgewählten Frauenporträts der Sammlung erweitern diesen Blick und entfalten ein eindrucksvolles Panorama weiblicher Selbstinszenierung in der Antike – vielstimmig, wandelbar und erstaunlich lebendig.

My Story - Antike Frauenporträts und ihr Nachleben im Saalplan

My Story - Antike Frauenporträts und ihr Nachleben ist im 0.5. Stock zu finden.

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Im Rahmen der Sonderpräsentation Vitrine EXTRA werden in regelmäßigen Abständen in der Antikensammlung des Kunsthistorischen Museums unterschiedliche antike Objekte vorübergehend in der Dauerausstellung präsentiert.

Die Antikensammlung präsentiert rund 2.500 einzigartige Objekte aus einem Zeitraum von 3000 Jahren, darunter Schatzfunde, Prunkkameen, Mosaike und Marmormeisterwerke, die die Geschichte des antiken Griechenlands, des Römischen Reiches und ihrer Nachbarkulturen zum Leben erwecken.