Meßkelch mit Patene

1438 datiert

 

 

Meßkelch mit Patene

Das zentrale Ereignis der Messliturgie der römisch-katholischen Kirche bildet die Konsekration von Brot und Wein. Die dabei verwendeten Gerätschaften entwickelten sich schon früh aus profanen Trinkpokalen und Tellern zu den spezifischen Formen, die bis heute als Messkelch und als Patene in Verwendung stehen. Erst ab dem 16. Jahrhundert gab es in der römischen Kirche die Vorschrift, dass wenigstens die Kuppa des Kelches aus Gold, Silber oder zumindest aus Zinn sein müsse. Auch schon davor war es jedoch allgemeiner Brauch, Kelch und Patene als vasa sacra, d. h. als geweihte Gefäße, die nach Lehrmeinung der Kirche direkt mit dem Leib und Blut Christi in Berührung kommen, aus möglichst kostbaren Materialien zu fertigen. Dementsprechend wurde auch der hier gezeigte Kelch zur Gänze aus vergoldetem Silber gearbeitet. Über einem achtpässigen, gestuften Fuß sitzt der Schaft mit einem breiten, wulstförmigen Nodus, der seinerseits die als Behältnis für den Wein dienende Kuppa trägt. Sie zeigt die für gotische Messkelche insgesamt charakteristische konische Formgebung. Die schmuckhaften Elemente an diesem Kelch beschränken sich auf die mit einem Rautenband durchbrochene Fußzarge, eine - im Wortlaut etwas unklare - Inschrift am Schaft ("+ got bues / zu dier amen") sowie auf ein Flechtband und Blattformen auf dem Nodus (vermutlich im 17. Jahrhundert verändert). Den Gesamteindruck bestimmen die glatten Flächen von Fuß und Kuppa. Die besondere historische Bedeutung dieses Messkelches ergibt sich aus dem Umstand, dass auf dem Fuß die eingravierte Buchstabenfolge "aeiov" und die Jahreszahl 1438 zu sehen sind. Diese Vokalfolge benutzte der spätere Kaiser Friedrich III. (reg. 1440 - 1493) ab 1437 als persönliche "Devise", um damit sein Eigentum zu bezeichnen. Während es sich für Friedrich III. selbst dabei jedoch eher um eine buchstabenmagische oder zahlenmystische "Spielerei" gehandelt haben dürfte, entstanden ab dem 16. Jahrhundert zahlreiche Ausdeutungen der berühmten Buchstabenfolge im Sinne einer expliziten Betonung des universellen Herrschaftsanspruches des Hauses Habsburg.

Derzeit ausgestellt: Kaiserliche Schatzkammer Wien Raum II

Objektdaten

Objektbezeichnung

Liturgisches Gerät; vasa sacra; Altargerät

Kultur

Süddeutsch (Nürnberg ?) (Kelch); Wien (Patene)

Datierung

1438 datiert

Material/Technik

Silber, teilweise vergoldet, getrieben, gegossen und graviert

Maße

H. 19 cm, Dm. 12 cm

Patene: Dm. 14,6 cm

Beschriftung

"a e i o u"; "1438"; "+got bves+zv dier amen" (Kelch)

Stempel / Zeichen

Wr. Repunze 1806/07 (Kelch und Patene)

Bildrecht

Kunsthistorisches Museum Wien, Geistliche Schatzkammer

Inv. Nr.

Schatzkammer, GS B 1

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