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Jane Seymour (um 1509-1537)
um 1536/1537 | Hans Holbein d. J.
Keine zwei Jahre waren der um 1508/09 geborenen Jane Seymour vergönnt, als Herrscherin an der Seite des englischen Königs Heinrich VIII. (1491 – 1547) zu leben. Zwischen der Vermählung des Paars Ende Mai 1536, dem wenige Tage später Janes Proklamierung zur Königin folgte, und dem frühen Tod der noch keine dreißig Jahre zählenden im Oktober 1537 scheint auch dieses Bildnis entstanden zu sein. Vor der Heirat mit Heinrich hatte die Dargestellte als Hofdame ihren beiden Vorgängerinnen gedient, Katharina von Aragon und Anne Boleyn, die jedoch keine Söhne zur Welt gebracht hatten. Sie verloren daher nacheinander die Gunst des um seine Nachfolge besorgten Monarchen, Anne dabei sogar ihren Kopf, denn sie wurde nur einen Tag vor Heinrichs Vermählung mit Jane enthauptet. Erst Jane schenkte am 12. Oktober 1537 ihrem Gatten mit dem späteren Eduard VI. den langersehnten Thronfolger, um nur wenige Tage später an Kindbettfieber zu sterben. Von diesem menschlichen Drama ist in dem repräsentativen und kühl-registrierenden Wiener Porträt, dem Holbein eine maßstabsgleiche, mit schwarzen und farbigen Kreiden ausgeführte Vorzeichnung (Windsor Castle) zugrunde legte, nichts zu spüren. Das Gemälde nimmt zunächst durch die brillant geschilderten Oberflächen der kostbaren Stoffe, Perlen und Juwelen gefangen, die den hohen Rang der Dargestellten zur Schau stellen, während diese selbst nahezu regungslos verharrt. Damit hält das Bildnis den Betrachter genauso auf Distanz wie durch die leichte Drehung Janes nach links, der ihr verhangener Blick folgt. Das Gemälde, das Holbein wohl im Auftrag des Königs geschaffen hat, könnte ein Gegenstück mit dessen Konterfei gehabt haben. Auf die erwähnte Vorzeichnung in Windsor geht unmittelbar auch eine verkleinerte Werkstattfassung in Den Haag zurück, während ein 2016 von der National Portrait Gallery in London erworbenes unvollendetes Porträt wohl eine frühe Kopie nach dem Wiener Gemälde darstellt. In fast identischer Haltung, doch als Ganzfigur und mit geringfügigen Änderungen in der Kostümierung und den Schmuckstücken erschien die Königin auch auf Holbeins heute verlorenem Wandbild mit der Darstellung der Tudor-Dynastie im Whitehall Palace London, das nur in einer barocken Kopie überliefert ist. Auf all diesen Bildern trägt Seymour eine sogenannte Englische Haube, im Gegensatz zu ihrer Vorgängerin Anne Boleyn, die die modernere runde Französische Haube bevorzugte. Holbeins malerisches Schaustück höfischer Pracht beschwört wie kaum ein anderes seiner Gemälde die Epoche Heinrichs VIII. herauf, der heute mehr durch seine insgesamt sechs Heiraten als durch seine historisch folgenreiche Loslösung der anglikanischen Kirche vom Papsttum bekannt ist. Es zählt darüber hinaus zu den wichtigsten Werken, die sich vom zweiten Aufenthalt des Künstlers in England erhalten haben. Bereits 1526 hatte Holbein die Insel besucht, doch kehrte er noch im selben Jahr nach Basel zurück, wo der aus einer Augsburger Künstlerfamilie stammende Maler seit 1515 ansässig war. Endgültig siedelte Holbein im Jahr 1532 nach England über, als das im Zuge der Reformation zunehmend bilderfeindlich gesinnte Basel dem Maler keine Wirkungsstätte mehr bot. In seiner neuen Heimat stieg er schnell zum bevorzugten Porträtisten der Hofgesellschaft auf und schuf bis zu seinem Tod 1543 einige Gipfelleistungen des europäischen Renaissanceporträts, die auf die englische Kunst nachhaltig wirkten. Mit seinen in England entstandenen Bildnissen steht Holbein d. J. zugleich noch in der Tradition seines Vaters, des fast ebenso berühmten Hans Holbein d. Ä. Guido Messling [7.1.2018]

Keine zwei Jahre waren der um 1508/09 geborenen Jane Seymour vergönnt, als Herrscherin an der Seite des englischen Königs Heinrich VIII. (1491 – 1547) zu leben. Zwischen der Vermählung des Paars Ende Mai 1536, dem wenige Tage später Janes Proklamierung zur Königin folgte, und dem frühen Tod der noch keine dreißig Jahre zählenden im Oktober 1537 scheint auch dieses Bildnis entstanden zu sein. Vor der Heirat mit Heinrich hatte die Dargestellte als Hofdame ihren beiden Vorgängerinnen gedient, Katharina von Aragon und Anne Boleyn, die jedoch keine Söhne zur Welt gebracht hatten. Sie verloren daher nacheinander die Gunst des um seine Nachfolge besorgten Monarchen, Anne dabei sogar ihren Kopf, denn sie wurde nur einen Tag vor Heinrichs Vermählung mit Jane enthauptet. Erst Jane schenkte am 12. Oktober 1537 ihrem Gatten mit dem späteren Eduard VI. den langersehnten Thronfolger, um nur wenige Tage später an Kindbettfieber zu sterben. Von diesem menschlichen Drama ist in dem repräsentativen und kühl-registrierenden Wiener Porträt, dem Holbein eine maßstabsgleiche, mit schwarzen und farbigen Kreiden ausgeführte Vorzeichnung (Windsor Castle) zugrunde legte, nichts zu spüren. Das Gemälde nimmt zunächst durch die brillant geschilderten Oberflächen der kostbaren Stoffe, Perlen und Juwelen gefangen, die den hohen Rang der Dargestellten zur Schau stellen, während diese selbst nahezu regungslos verharrt. Damit hält das Bildnis den Betrachter genauso auf Distanz wie durch die leichte Drehung Janes nach links, der ihr verhangener Blick folgt. Das Gemälde, das Holbein wohl im Auftrag des Königs geschaffen hat, könnte ein Gegenstück mit dessen Konterfei gehabt haben. Auf die erwähnte Vorzeichnung in Windsor geht unmittelbar auch eine verkleinerte Werkstattfassung in Den Haag zurück, während ein 2016 von der National Portrait Gallery in London erworbenes unvollendetes Porträt wohl eine frühe Kopie nach dem Wiener Gemälde darstellt. In fast identischer Haltung, doch als Ganzfigur und mit geringfügigen Änderungen in der Kostümierung und den Schmuckstücken erschien die Königin auch auf Holbeins heute verlorenem Wandbild mit der Darstellung der Tudor-Dynastie im Whitehall Palace London, das nur in einer barocken Kopie überliefert ist. Auf all diesen Bildern trägt Seymour eine sogenannte Englische Haube, im Gegensatz zu ihrer Vorgängerin Anne Boleyn, die die modernere runde Französische Haube bevorzugte. Holbeins malerisches Schaustück höfischer Pracht beschwört wie kaum ein anderes seiner Gemälde die Epoche Heinrichs VIII. herauf, der heute mehr durch seine insgesamt sechs Heiraten als durch seine historisch folgenreiche Loslösung der anglikanischen Kirche vom Papsttum bekannt ist. Es zählt darüber hinaus zu den wichtigsten Werken, die sich vom zweiten Aufenthalt des Künstlers in England erhalten haben. Bereits 1526 hatte Holbein die Insel besucht, doch kehrte er noch im selben Jahr nach Basel zurück, wo der aus einer Augsburger Künstlerfamilie stammende Maler seit 1515 ansässig war. Endgültig siedelte Holbein im Jahr 1532 nach England über, als das im Zuge der Reformation zunehmend bilderfeindlich gesinnte Basel dem Maler keine Wirkungsstätte mehr bot. In seiner neuen Heimat stieg er schnell zum bevorzugten Porträtisten der Hofgesellschaft auf und schuf bis zu seinem Tod 1543 einige Gipfelleistungen des europäischen Renaissanceporträts, die auf die englische Kunst nachhaltig wirkten. Mit seinen in England entstandenen Bildnissen steht Holbein d. J. zugleich noch in der Tradition seines Vaters, des fast ebenso berühmten Hans Holbein d. Ä. Guido Messling [7.1.2018]
Künstler/in:
Hans Holbein d. J. (1497 Augsburg - 1543 London) DNBarrow_outward
Abbildung/Person:
Jane Seymour (1513 - 1537) DNBarrow_outward
Zeit:
um 1536/1537
Objektbezeichnung
Gemälde
Kultur
Deutsch
Material/Technik:
Eichenholz
Maße:
spätere Anstückungen (links 4 cm rechts 3,1 cm) unter dem Rahmen: 65,4 × 40,7 cm
Bildmaß: 65,5 × 47 cm
Rahmenmaße: 89,5 × 65,5 × 4,5 cm
Bildrecht
Kunsthistorisches Museum, Gemäldegalerie
Inv. Nr.
Gemäldegalerie, 881
Provenienz
Vielleicht identisch mit dem "Konterfei, eine Königin von England zeigend", das Karel van Mander 1604 in seinem "Schilder-boeck" beschreibt und das er in der Amsterdamer Warmoestraat gesehen hatte; 1654 wohl Slg. Graf Arundel; 1720 in der Galerie nachweisbar
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