Rennzeug

um 1495

 

 

Rennzeug

Das Rennzeug gehört wohl zu jenen vierzehn Rüstungen
gleicher Art, die 1582 von der Innsbrucker Burg nach Schloss Ambras verbracht und
dort in der seit 1574 im Aufbau befindlichen Ambraser Sammlung aufgestellt
wurden. Es handelt sich dabei um Turniergarnituren, die Erzherzog Ferdinand II.
von seinen Vorgängern, dem Tiroler Landesherren Erzherzog Sigmund und Kaiser
Maximilian I., auf dem Erbweg übernahm. Die Turnierart des Rennens wurde ebenso
wie das Stechen zu Pferde durchgeführt, das Rennen gilt gleichsam als
Weiterentwicklung des Stechens in sportlicher Hinsicht. Der turniererprobte
Kaiser Maximilian I. war an der technischen Ausformung der Ausrüstung, die sich
um 1490 aus dem spätgotischen Halbharnisch entwickelte, maßgeblich beteiligt.
Ein besonderes Kennzeichen des Rennzeuges ist das Fehlen von Armteilen. Die
Arme wurden auf der linken Seite durch die Tartsche (Schild) und auf der
rechten Seite durch den breiten Brechschild an der Lanze verdeckt und geschützt.
Ein weiteres Merkmal ist der stromlinienförmige Rennhut (Schaller) und der über
Augen-, Nacken- und Mundpartie montierte Bart. Die Beine wurden unter Schößen
verborgen und steckten seitlich in den am Sattel verschraubten Dilgen. Schutz
vor Wirbelsäulenverletzungen bot das Rückenstück durch seine dämpfende
Konstruktion mit der direkten Verbindung zum Sattel, die Beine waren unter
Schößen verborgen und steckten seitlich in den am Sattel verschraubten Dilgen. Die
beiden Gegner ritten in vollem Galopp mit scharfer Lanze aufeinander zu und
versuchten dabei, die Lanze des anderen zu brechen oder die gegnerische
Tartsche zu treffen bzw. wegzustoßen.

Aus stilistischen Gründen wird dieses Rennzeug den
Plattnern Lorenz und Jörg Helmschmid aus Augsburg zugeschrieben. Die Familie
Helmschmid zählte gemeinsam mit Konrad Seusenhofer zu den berühmtesten und
besten Plattnern ihrer Zeit. Ihre Erzeugnisse waren nicht nur technische,
sondern auch dekorative Meisterwerke der Rüstungsproduktion.

Derzeit nicht ausgestellt.

Objektdaten

Objektbezeichnung

Harnischteile, Rennzeug

Kultur

Augsburg

Datierung

um 1495

Material/Technik

Blankes Eisen, Leder

Bildrecht

Kunsthistorisches Museum Wien, Hofjagd- und Rüstkammer

Inv. Nr.

Hofjagd- und Rüstkammer, R V

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