Die künstlerische Ausformung, die schnellere technische Reproduzierbarkeit und eine einfache Handhabung ließen die Medaille zu einem wertvollen Nachrichtenträger werden. Damit wurde nicht nur für die Vermittlung der eigenen fürstlichen Gewandung, Krone, Diadem und der angesagtesten Accessoires, sondern auch des eigenen politischen Programms gesorgt. So entwickelte sie sich zu einem führenden Medium fürstlicher Repräsentation. Von Beginn an standen Medaillen auch in diplomatischen Diensten, sie dienten als kostbares Geschenk und waren damit Teil höfischer Kultur. Ihr Austausch unter den europäischen Höfen sorgte dahingehend für eine vielschichtige visuelle Kommunikation.
Gerade in der Renaissance wurden Medaillen zu einem beliebten Geschenkobjekt, da sie durch ihre Größe und Handlichkeit – ähnlich den Miniaturporträts in der Malerei – durchaus auch über größere Distanzen leichter zu transportieren waren. Kaiser, Könige und Fürsten entdeckten dieses Medium für sich, um nicht nur ihre eigene Person zu repräsentieren, sondern auch um politische, gesellschaftliche Ansprüche gegenüber anderen darin zu verdeutlichen. Ähnlich den Porträts auf Münzen entwickelte sich dafür eine eigene Formen- und Symbolsprache. Aus kulturhistorischer Sicht stellen Medaillen deshalb ein lebendiges Zeugnis von Verbindungen und Beziehungen unterschiedlicher Akteure in einem bestimmten sozialen Umfeld dar. Und wieso nicht auch vom eigenen visuell-repräsentativen Erscheinungsbild?
Bei Porträtdarstellungen kennen wir sowohl individuelle Bilder von Mann und Frau auf jeweils Vorder- und Rückseite eines Objekts, gestaffelte Doppelporträts, die häufig die Rangfolge widerspiegeln, und natürlich Einzelporträts von Herrschern und Herrscherinnen in dynastischer Hinsicht. Oft finden wir auf der Vorderseite das Porträt und auf der Rückseite eine allegorische Szene, eine historische Darstellung als Anspielung auf den jeweiligen Anlass und Zweck der Ausprägung. Häufiger kennen wir solche Medaillen mit Darstellungen eines Herrscherpaars aus Anlass einer Vermählung, einer Geburt anlässlich der Thronfolge oder um bedeutende Friedensschlüsse abzubilden. Natürlich gibt es auch Medaillen, die für eine Krönung, eine Huldigung oder einen anderen höheren Anlass geprägt wurden, auf der sich der Herrscher mit seiner Gemahlin darstellen ließ. Oder es werden mit dem Porträt des Paars diplomatische Beziehungen illustriert.
Waren es zuerst italienische Gussmedaillen, die aufwendige und künstlerisch wertvolle Zeugnisse ihrer Zeit darstellen, kamen später geprägte Medaillen hinzu, die in ihrer Herstellungstechnik und ihrem Aussehen stärker den Münzen ähnelten. Durch ihre rein technische Entstehung weist die Gussmedaille eine engere Verwandtschaft zu Bildhauerei und Kleinplastik auf, als es bei der Prägemedaille der Fall ist. Letztere wurde durch den Fortschritt in der Herstellung und Entwicklung spezifischer Prägetechniken zu einem seriell hergestellten Produkt und tritt daher häufiger im Sinne eines Massenmediums auf. Weiters verbindet die Medaille als ein Denkmal im Miniaturformat eine enge Verwandtschaft zu großformatigen Werken wie dem Porträtrelief an Grabdenkmälern, der Porträtbüste oder dem Denkmal allgemein. Gefertigt von den Händen handwerklich und technisch versierter Stempelschneider, glänzt sie häufig durch kontrastreiche Wirkung von glatter Fläche und charakteristischem Profilporträt mit fein gearbeiteter Struktur.
Gerade die Darstellung feinster, kostbarer Kleidung, Krägen und Kronen sowie Schmuck in allen Facetten eignete sich insbesondere im Medium der Medaille zur Untermalung des visuellen Eindrucks. So lässt sich gut beobachten, mit welchem Detailreichtum hier von den Künstlern auch unterschiedliche Modeentwicklungen umgesetzt wurden. Barocke Medaillen weisen an sich schon eine stärker opulente Bild- und Formensprache auf, daher finden wir auf diesen eine größere Bandbreite an Darstellungen und Motiven. Gerade bei weiblichen Porträts stechen die unterschiedlichen modischen Kleidungsstile heraus. Ihre beeindruckenden Halskrausen und Spitzenkrägen sowie ihre aufwendigen Hochsteckfrisuren dominieren das Bild. Insbesondere für Königinnen galt es, eine besonders eindrucksvolle Bildsprache zu finden, um sie entsprechend ihres Rangs zu präsentieren.