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Münzgeschichten
Numismatik

Mode im Medaillenporträt der frühen Neuzeit

Unsere Kleidung wird seit jeher von der Mode bestimmt. Bereits von Beginn an zeigt sich in der unterschiedlichen Ausformung der Gewandung, welche Rolle eine Person in einer Gesellschaft innehat und welche ihr zugeschrieben wird. Ohne hier eine enzyklopädische Abhandlung der europäischen Modegeschichte wiedergeben zu wollen, nur so viel: Sie erfüllt Ansprüche und ist Ausdruck der Persönlichkeit, allerdings immer dem (kulturellen) Wandel der Zeit und stilistischen Tendenzen unterlegen. Gilt heute für fast alle, die es sich leisten können – „the F in Fashion is for Fun“ – galt das auch schon in der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts, zumindest für die oberen Gesellschaftsschichten. Mode war und ist damit Ausdruck der eigenen Persönlichkeit und dient wesentlich dazu, sich von anderen zu unterscheiden. Entsprechende Entwicklungen und Trends finden sich oft schneller in der Mode wieder als in der Gesellschaft. 

„Mode ist seit jeher mehr als nur (Be-)Kleidung“
„Mode ist seit jeher mehr als nur (Be-)Kleidung“

In den zwei Medaillen sehen wir Cosimo II. de Medici und dessen Gemahlin Maria Magdalena von Österreich mit imposanten Krägen dargestellt. Er trägt den typischen aus Leinen gefalteten Mühlsteinkragen, der sich fächerförmig an den Hals schmiegt. Darunter ist eine fein ziselierte und durch florales Rankendekor verzierte Prunkrüstung erkennbar. Sie trägt einen ausladenden und im Nacken weit nach oben ragenden Spitzenkragen, dessen eindrucksvolle Randbordüre in der Medaille besonders herausgearbeitet erscheint. Sie ist hier mit kunstvoll geflochtener Frisur und aufwendig gearbeitetem Schmuck als barocke Fürstin dargestellt. 

Die beiden heirateten 1608 in einer der prächtigsten Hochzeiten der Medici. Als Patron der Wissenschaften und Künste erlangte Cosimo II. Bekanntheit, da er nicht nur Galileo Galilei in seinen astronomischen und mathematischen Forschungen förderte, sondern ihn sogar zum Hofmathematiker ernannte. Zudem ließ er die Erweiterung und reiche Ausstattung des Palazzo Pitti in Florenz vorantreiben. Maria Magdalena war als Tochter Erzherzogs Karl II. von Innerösterreich-Steiermark und Maria Anna von Bayern streng katholisch erzogen worden, interessierte sich aber wie ihr späterer Ehemann sehr für Kunst und den Humanismus. Die Verbindung der beiden muss unter dem Aspekt der Vertiefung der diplomatischen Beziehung zwischen dem ehemaligen Bankhaus der Medici mit den Habsburgern gesehen werden. Nach dem Tod Cosimos II. 1621 übernahm Maria Magdalena die Regentschaft für ihren erst elfjährigen Sohn. 

Großherzog Cosimo II. (1590-1621) von Toskana

Großherzog Cosimo II. (1590-1621) von Toskana, Justus Sustermans, nach 1625

Maria de' Medici (1573-1641)

Maria de' Medici (1573-1641), Peter Paul Rubens, nach 1625

Modisches It-Piece: 
der Kragen

Ein It-Piece der frühen Neuzeit wurde von beiden Geschlechtern getragen und diente als Status- und Identifikationssymbol: der Kragen. Gerade Krägen haben in der Mode eine bedeutende Rolle. Häufig aufwendig und dekorativ gestaltet, zeigen sich an ihnen der Reichtum und soziale Status ihrer Trägerin und ihres Trägers. 

Die als „Halskrause“, „Mühlsteinkragen“, „Achterkragen“ oder auch als „Fräse“ bezeichnete Kragenform entwickelte sich aus dem ursprünglich schmalen, mit dem Hemd verbundenen Kragen. Daraus wird schließlich gerade bei adeligen Frauen ein eigenständiges, immer größer und voluminöser ausfallendes Kleidungsstück. Zusätzlich machten drei, vier oder sogar fünf übereinander liegenden Schichten die Halskrause so hoch, dass sie die Schultern und einen Teil der Brust verbarg und den menschlichen Körper mehr und mehr auch entstellen konnte.
Seit dem Mittelalter beeinflussten unterschiedliche Kleiderordnungen, Autoritäten und politische wie kirchliche Würdenträger die Entwicklung und Ausformung des Kragens für Männer und Frauen. Um 1500 kommt der Kleidung insgesamt enorme Bedeutung zu, denn in ihr spiegelten sich die Rangverhältnisse und Standeszugehörigkeiten wider. Ursprünglich noch recht einfach und schmucklos gehalten, gelangte der Kragen im 16. Jahrhundert zur Blütezeit. Eine kreative, detailreiche und aufwendige Ausformung spiegelte Reichtum und Zugehörigkeit zur jeweiligen Gesellschaftsschicht des Trägers und der Trägerin wider. Tonangebend wurde hier Spanien: Aus der dortigen Mode kommend, war die Halskrause ein aus Rüschen gezogener, wellenförmiger Abschluss des Kragens, der häufig aus feinstem weißem Leinen gefertigt wurde. In mühsamer Handarbeit mussten die Stoffbahnen in mehreren Arbeitsschritten bearbeitet und gelegt werden.

Als Teil der gehobenen (höfischen) Kleidungspraxis trugen Männer vorwiegend gestärkte, starre Krägen, während für Frauen auch weichere und mit Spitze oder Perlen verzierte Formen beliebt wurden. Insbesondere in der weiblichen Mode bildeten sich ausladende und fantasievolle Gebilde, die gegen Mitte des 17. Jahrhunderts aus kostbarer, reiner Spitze gefertigt wurden. Während in Spanien mit Philipp IV. wieder strenge, reduzierte Formen Einzug hielten, formten sich in Frankreich und den Niederlanden ausladende und stehende Spitzenkrägen im Nackenbereich, die vorne geöffnet mit dem Dekolleté verbunden waren (Medici- oder Stuart-Kragen).

Ende des 17. Jahrhunderts entwickelte sich allgemein eine reduziertere Formensprache: Häufiger findet sich nun ein flach aufliegender, durchscheinender, mit Spitze oder Borte verzierter Kragen, der zudem im Norden Europas Einzug in die städtisch-bürgerliche sowie protestantische Amtstracht hielt. 
 

Mode á la Medaille

Die Entwicklung von unterschiedlichen modischen Trends konnte dabei nicht nur an großformatigen, repräsentativen Porträts in Gemäldezyklen und in Druckgrafiken der ersten Journale beobachtet und abgelesen werden, sondern auch in zirkulierenden Medaillen. Aufgrund ihres kleinen Formats war die Medaille – ähnlich der Münze – handlich und leicht über weite Strecken transportierbar. Wegen der geringen Größe war ein repräsentatives, idealisiertes und relativ einfach erkennbares Porträt erforderlich. 
 

„Eine Medaille hat, durch ihre mögliche Verbreitung, durch ihre Dauer, durch Überlieferung der Persönlichkeit in einem kleinen Raum, durch Documentirung allgemein anerkannter Verdienste, durch Kunst- und Metallwerth, so viel vorzügliches, daß man, besonders in unseren Zeiten, Ursache hat, sie allen anderen Monumenten vorzuziehen.“
„Eine Medaille hat, durch ihre mögliche Verbreitung, durch ihre Dauer, durch Überlieferung der Persönlichkeit in einem kleinen Raum, durch Documentirung allgemein anerkannter Verdienste, durch Kunst- und Metallwerth, so viel vorzügliches, daß man, besonders in unseren Zeiten, Ursache hat, sie allen anderen Monumenten vorzuziehen.“

Die künstlerische Ausformung, die schnellere technische Reproduzierbarkeit und eine einfache Handhabung ließen die Medaille zu einem wertvollen Nachrichtenträger werden. Damit wurde nicht nur für die Vermittlung der eigenen fürstlichen Gewandung, Krone, Diadem und der angesagtesten Accessoires, sondern auch des eigenen politischen Programms gesorgt. So entwickelte sie sich zu einem führenden Medium fürstlicher Repräsentation. Von Beginn an standen Medaillen auch in diplomatischen Diensten, sie dienten als kostbares Geschenk und waren damit Teil höfischer Kultur. Ihr Austausch unter den europäischen Höfen sorgte dahingehend für eine vielschichtige visuelle Kommunikation.

Gerade in der Renaissance wurden Medaillen zu einem beliebten Geschenkobjekt, da sie durch ihre Größe und Handlichkeit – ähnlich den Miniaturporträts in der Malerei – durchaus auch über größere Distanzen leichter zu transportieren waren. Kaiser, Könige und Fürsten entdeckten dieses Medium für sich, um nicht nur ihre eigene Person zu repräsentieren, sondern auch um politische, gesellschaftliche Ansprüche gegenüber anderen darin zu verdeutlichen. Ähnlich den Porträts auf Münzen entwickelte sich dafür eine eigene Formen- und Symbolsprache. Aus kulturhistorischer Sicht stellen Medaillen deshalb ein lebendiges Zeugnis von Verbindungen und Beziehungen unterschiedlicher Akteure in einem bestimmten sozialen Umfeld dar. Und wieso nicht auch vom eigenen visuell-repräsentativen Erscheinungsbild?

Bei Porträtdarstellungen kennen wir sowohl individuelle Bilder von Mann und Frau auf jeweils Vorder- und Rückseite eines Objekts, gestaffelte Doppelporträts, die häufig die Rangfolge widerspiegeln, und natürlich Einzelporträts von Herrschern und Herrscherinnen in dynastischer Hinsicht. Oft finden wir auf der Vorderseite das Porträt und auf der Rückseite eine allegorische Szene, eine historische Darstellung als Anspielung auf den jeweiligen Anlass und Zweck der Ausprägung. Häufiger kennen wir solche Medaillen mit Darstellungen eines Herrscherpaars aus Anlass einer Vermählung, einer Geburt anlässlich der Thronfolge oder um bedeutende Friedensschlüsse abzubilden. Natürlich gibt es auch Medaillen, die für eine Krönung, eine Huldigung oder einen anderen höheren Anlass geprägt wurden, auf der sich der Herrscher mit seiner Gemahlin darstellen ließ. Oder es werden mit dem Porträt des Paars diplomatische Beziehungen illustriert.

Waren es zuerst italienische Gussmedaillen, die aufwendige und künstlerisch wertvolle Zeugnisse ihrer Zeit darstellen, kamen später geprägte Medaillen hinzu, die in ihrer Herstellungstechnik und ihrem Aussehen stärker den Münzen ähnelten. Durch ihre rein technische Entstehung weist die Gussmedaille eine engere Verwandtschaft zu Bildhauerei und Kleinplastik auf, als es bei der Prägemedaille der Fall ist. Letztere wurde durch den Fortschritt in der Herstellung und Entwicklung spezifischer Prägetechniken zu einem seriell hergestellten Produkt und tritt daher häufiger im Sinne eines Massenmediums auf. Weiters verbindet die Medaille als ein Denkmal im Miniaturformat eine enge Verwandtschaft zu großformatigen Werken wie dem Porträtrelief an Grabdenkmälern, der Porträtbüste oder dem Denkmal allgemein. Gefertigt von den Händen handwerklich und technisch versierter Stempelschneider, glänzt sie häufig durch kontrastreiche Wirkung von glatter Fläche und charakteristischem Profilporträt mit fein gearbeiteter Struktur.

Gerade die Darstellung feinster, kostbarer Kleidung, Krägen und Kronen sowie Schmuck in allen Facetten eignete sich insbesondere im Medium der Medaille zur Untermalung des visuellen Eindrucks. So lässt sich gut beobachten, mit welchem Detailreichtum hier von den Künstlern auch unterschiedliche Modeentwicklungen umgesetzt wurden. Barocke Medaillen weisen an sich schon eine stärker opulente Bild- und Formensprache auf, daher finden wir auf diesen eine größere Bandbreite an Darstellungen und Motiven. Gerade bei weiblichen Porträts stechen die unterschiedlichen modischen Kleidungsstile heraus. Ihre beeindruckenden Halskrausen und Spitzenkrägen sowie ihre aufwendigen Hochsteckfrisuren dominieren das Bild. Insbesondere für Königinnen galt es, eine besonders eindrucksvolle Bildsprache zu finden, um sie entsprechend ihres Rangs zu präsentieren.
 

Das Bild zeigt eine Medaille mit dem Profil eines Mannes mit einem ausgeprägten Schnurrbart. Die linke Seite ist klar und detailliert, während die rechte Seite in einem pixelartigen, schematischen Stil dargestellt ist. Der Mann scheint Franz Joseph, Kaiser von Österreich, zu sein.

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