Lorbeeren für alle Olympische Spiele in Athen 1896
Im Jahr 1896 fanden die ersten Olympischen Spiele der Neuzeit in Athen statt.
Als historische Vorläufer wiederum gelten die Spiele der Antike von ca. 776 v. Chr., die man im griechischen Olympia und damit im Nordwesten der Halbinsel Peloponnes austrug. Die Wettkämpfe fanden zu Ehren der Götter vor den Toren der Tempel für Hera und Zeus statt.
Archäologische Ausgrabungen auf dem Gebiet Olympias sorgten Ende des 19. Jahrhunderts für die Wiederbelebung der Spiele für Männer in der Neuzeit. Insbesondere der engagierte französische Erziehungswissenschaftler und Sportfunktionär Pierre de Coubertins (1863–1937) setzte sich maßgeblich für sie ein.
Anlässlich dieses Ereignisses entstanden Erinnerungsmedaillen, von denen österreichische Handelsvertreter Exemplare an die damals kaiserliche Sammlung in Wien übermittelten. Die Herstellung übernahm die Wiener Prägefirma Wilhelm Pittner.
Bei dem ersten Exemplar sehen wir auf der einen Seite die Rekonstruktion des antiken Panathinaikos-Stadions von Athen, als zentralem Austragungsort der Wettbewerbe, und die Legende „ΠΑΝΑΘΗΝΑΙΚΟΝ ΣΤΑΔΙΟΝ / ΗΡΩΔΗΣ – ΑΒΕΡΩΦ / ΕΝ ΑΘΗΝΑΙΣ“. Auf der anderen Seite präsentiert sie einen Lorbeerkranz mit der Legende „ΟΛΥΜΠΙΑΚΟΙ ΑΓΩΝΕΣ / 776π X.1896“.
Das zweite Exemplar trägt eine ikonografisch aufwendigere Gestaltung: Auf der Vorderseite finden wir die sitzende Athena auf einer Wolkengloriole mit einem aufsteigenden Phönix, im Hintergrund die Akropolis. Auf dem Revers findet sich die 5-zeilige Legende in griechischer Sprache * ΔΙΕΘΝΕΙΣ / ΟΛΥΜΠΙΑΚΟΙ / ΑΓΩΝΕΣ / ΑΘΗΝΑΙΣ / 1896 eingerahmt von einem Lorbeerkranz. Die Medaille stammt von N. Lystras (Athen) und Wilhelm Pittner (Wien). Sie war für teilnehmende Sportler und für offizielle Vertreter der Olympiade vorgesehen.
Ursprünglich fanden in einem aus Holz gebauten Stadion in der Nähe Athens die Panathenäischen Spiele statt. Während der römischen Herrschaft wurde das Stadion renoviert und mit weißem Marmor wiederaufgebaut. Die architektonische Ausgestaltung übernahm der antike Gelehrte und Mäzen Herodes Atticus. Als im 19. Jahrhundert die Idee einer Wiederbelebung sportlicher Wettkämpfe forciert wurde, sorgte Georgios Averof (1815–1899), griechisch-ägyptischer Philanthrop und Unternehmer, für die Renovierung des inzwischen verfallenen Stadions und ließ es erneuern. Zu Ehren des Erbauers und des Förderers finden sich ihre Namen in der Legende.
Wurden den Siegern der antiken Spiele gebundene Kränze aus dem Laub des wilden Ölbaums überreicht, verlieh man in der Neuzeit Medaillen in unterschiedlichem Metall. Häufig findet sich darauf das symbolische Bild des Lorbeerzweigs. Auch dieses Stück präsentiert auf der Vorderseite den Lorbeerkranz und damit den Verweis auf die umkämpfte Auszeichnung. Charakteristisches Merkmal dieser Medaille ist der noch vorhandene Ring, wodurch sie an einem Stoffband als exklusives Accessoire bei besonderen Anlässen getragen werden konnte.
Literatur
Walter Grasser: Olympische Spiele auf Münzen und Medaillen, Ausst. Katalog [1. August–15. September 1972], Stadtsparkasse München, München 1972.
