Reliquienaltärchen für einen Dorn der Krone Christi, mit Kreuzigungsgruppe

Anfang 17. Jahrhundert, Werkstatt: Ottavio Miseroni (?)

 

 

Reliquienaltärchen für einen Dorn der Krone Christi, mit Kreuzigungsgruppe

Das für die private Andacht gedachte Reliquienaltärchen nimmt sich in seinem Aufbau große Altäre zum Vorbild. Zwischen zwei Säulen aus Heliotrop mit korinthischen Kapitellen und Basen aus Goldemail öffnet sich im Mittelfeld eine durchscheinende Rundbogennische aus dem gleichen Material. Diese bildet den Hintergrund für eine Kreuzigungsgruppe. In vortrefflicher Steinschneidearbeit ist Christus aus einem Stück weiß-rosafarbenen Achats geschnitten und mit diamantbesetzten Nägeln an ein Kreuz aus braunem Jaspis geschlagen. Unter dem Kreuz stehen die beiden trauernden Assistenzfiguren, Maria und Johannes, die in emailliertem Gold ausgeführt sind. Abgesehen von Nische, Kruzifix und Säulen ist das gesamte Altärchen aus Holz aufgebaut und komplett mit braunen Ebenholzauflagen versehen. Im Kontrast dazu steht der emaillierte Goldbesatz, der den Holzflächen vorgeblendet und reich mit Diamanten, Rubinen und Perlen besetzt ist. Mit Goldemail beschlagen sind auch die seitlichen Voluten, die sich über der breiten Sockelzone nach oben winden und so den Mittelteil flankieren. Auf diese Voluten sind zwei durchbrochen gearbeitete kleine Vasen aufgesetzt. Sie finden ihre Entsprechung auf dem Giebel, wo zwei ebensolche Vasen auf den Segmenten des gesprengten Dreiecksgiebels sitzen. Als Altarbekrönung ist zwischen die Giebelsegmente das eigentliche Reliquiengefäß eingefügt. Die Reliquie, ein Dorn der Dornenkrone Christi, wird in einem äußerst reich gestalteten bogenförmigen Behälter sichtbar. Dieser wird von zwei Bergkristallplatten abgedeckt, von einem Kranz aus Rubinen gerahmt und von Goldemailornamenten mit Diamant-Rubin- und Perlbesatz umgeben. Das meisterhaft in kostbarstem Material ausgeführte Altärchen war ein Geschenk von Herzog Carlo Emanuele von Savoyen an Kaiserin Anna und wurde Teil des von ihr gestifteten kaiserlichen Schatzes im Wiener Kapuzinerkloster. Die Kaiserin fand an dem wertvollen Geschenk so großen Gefallen, dass sie bei Ottavio Miseroni in Prag ein Gegenstück (Inv.-Nr. Kap. 222) in Auftrag gab, dessen Fertigstellung sie allerdings nicht mehr erlebte. 1622 wurde dieses Altärchen ohne Mittelteil nach Wien geliefert und provisorisch mit einer Reliquie des hl. Timotheus versehen.

Derzeit ausgestellt: Kaiserliche Schatzkammer Wien Raum III

Objektdaten

Objektbezeichnung

Reliquiar; Altärchen; Andachtsbild

Kultur

Mailand; Prag

Datierung

Anfang 17. Jahrhundert

Werkstatt

Ottavio Miseroni (?) (1567 Mailand - 1624 Prag) - GND

Material/Technik

Hartholzkern, Ebenholzauflagen, Jaspis, Achat, Gold, Email, Diamanten, Rubine, Perlen, Bergkristall

Maße

H. 44,2 cm, B. 26 cm, T. 10 cm

Bildrecht

Kunsthistorisches Museum Wien, Geistliche Schatzkammer

Inv. Nr.

Schatzkammer, GS Kap 221

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