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Tafelaufsatz

4. Viertel 16. Jahrhundert

 

 

Tafelaufsatz

Der streng achsialsymmetrisch über ovalem Grundriss angelegte Tafelaufsatz aus Elfenbein besteht aus mehreren ineinander gesteckten und ausgehöhlten Einzelteilen (Dosen), die sich nach oben verjüngen. Einfache Profilierungen wechseln mit plastisch gearbeiteten Diamantquadern an der Oberfläche ab und verleihen dem Objekt eine schlichte Eleganz. Der Tafelaufsatz ähnelt formal den aus Dosen und einer abschließenden Bekrönung zusammengesetzten "Stapeldosen" aus Elfenbein (vgl. Wien, Kunsthistorisches Museum, Kunstkammer, Inv.-Nr. KK_4695). Die Erfindung der Drechselarbeit in ovalen Formen wird dem Mailänder Drechsler Giovanni Ambrogio Maggiore zugeschrieben, der an den Höfen von Prag, München und Innsbruck tätig war und auch Herzog Wilhelm V. von Bayern die Kunst des Ovaldrechselns beibrachte. Das Bearbeiten des kostbaren Elfenbeins auf speziell konstruierten Drehbänken war an fast allen europäischen Fürstenhöfen des 16. Jahrhunderts sehr beliebt. Auch Erzherzog Ferdinand besaß - wie seine Neffen Rudolf II. in Prag und Wilhelm V. in München - eine eigene gut ausgestattete Drechselwerkstätte; sie befand sich in Schloss Ruhelust in Innsbruck. Die Kunst des Drechselns mithilfe von Maschinen galt als Überwindung der Natur, analog dazu wird der dilettierende Fürst zum Gott ähnlichen Schöpfer und Gestalter überhöht. Elfenbein war ein rares exotisches Naturprodukt und als solches ein äußerst begehrtes Material für Kunstkammerobjekte in fürstlichen Sammlungen. Zudem wurden dem Elfenbein, wie auch vielen anderen exotischen Naturalien, heilbringende Kräfte zugeschrieben. Es galt als Mittel zum Schutz vor Vergiftungen und allgemein als gesundheitsfördernd. Als Lieferanten des Elfenbeins waren die Stoßzähne des afrikanischen und asiatischen Elefanten hoch begehrt. Die Bezeichnung Elfenbein setzt sich aus dem lateinischen elephantus, dem griechischen elephas und dem daraus entlehnten mittelhochdeutschen helfant sowie aus "Bein" - für Knochen - zusammen.

Derzeit ausgestellt: Schloss Ambras Innsbruck Unterschloss, Kunstkammer

Objektdaten

Objektbezeichnung

Gefäß; Dose

Kultur

München

Datierung

4. Viertel 16. Jahrhundert

Maße

H. 53,3 cm

Bildrecht

Kunsthistorisches Museum Wien, Kunstkammer

Inv. Nr.

Kunstkammer, 4746

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