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Casula des Meßornats des Ordens vom Goldenen Vlies
um 1430/40
Die Kasel gehört zu den zuletzt (etwa in den dreißiger Jahren) geschaffenen Teilen des Ornats. Der ärmellose Überwurf leitet sich vom profanen, im antiken Alltag verwendeten Obergewand ab und war seit dem Frühen Mittelalter als liturgisches Gewand in Verwendung. Seit dem 12. Jahrhundert wird die Kasel von dem die Messe zelebrierenden Geistlichen getragen; meist sind auf ihrer Vorder- und Rückseite Besatzstreifen in Form eines Kreuzes (Kaselkreuz) appliziert. Die Kasel des Messornats weist drei scheinbar übereinander gelegte, einander überschneidende Schichten auf, die jedoch in einer einzigen, exakt vorgeplanten Stickereiebene gearbeitet sind. Der Grund wird durch ein geometrisches Wabensystem mit Engelsfiguren in Gehäusen gebildet, das jenen der übrigen Gewänder des Ornats gleicht. Darüber scheint das so genannte Kaselkreuz gelegt zu sein, das den Eindruck von gewebtem Brokatstoff erweckt. Über diese beiden Schichten ist eine dritte aus applizierten Figuren gelagert, die auf der Vorderseite die Taufe Christi szenisch darstellt und auf der Rückseite die Verklärung Christi abbildet. Die Verschränkung dieser drei Schichten mit ihrer jeweils unterschiedlichen Illusionswirkung ist eine bemerkenswerte Leistung der Sticker, die es verstanden haben, den Konflikt zwischen dem Messgewand als zweckbestimmtes Textil und seiner Funktion als Träger eines Bildprogramms zu lösen. Der meisterliche Einsatz der sticktechnischen Möglichkeiten zeigt sich besonders in der Gestaltung der Verklärung Christi. Im Unterschied zu dem sonst am Ornat in Nadelmalerei gebildeten Inkarnat (= Farbe des Fleisches, also der Haut) ist das Antlitz Christi hier in Lasurtechnik gearbeitet, wodurch es in Rot und Gold aufglänzt und die in der Bibel beschriebene Lichterscheinung ("sein Angesicht leuchtete wie die Sonne") perfekt umsetzt.





Die Kasel gehört zu den zuletzt (etwa in den dreißiger Jahren) geschaffenen Teilen des Ornats. Der ärmellose Überwurf leitet sich vom profanen, im antiken Alltag verwendeten Obergewand ab und war seit dem Frühen Mittelalter als liturgisches Gewand in Verwendung. Seit dem 12. Jahrhundert wird die Kasel von dem die Messe zelebrierenden Geistlichen getragen; meist sind auf ihrer Vorder- und Rückseite Besatzstreifen in Form eines Kreuzes (Kaselkreuz) appliziert. Die Kasel des Messornats weist drei scheinbar übereinander gelegte, einander überschneidende Schichten auf, die jedoch in einer einzigen, exakt vorgeplanten Stickereiebene gearbeitet sind. Der Grund wird durch ein geometrisches Wabensystem mit Engelsfiguren in Gehäusen gebildet, das jenen der übrigen Gewänder des Ornats gleicht. Darüber scheint das so genannte Kaselkreuz gelegt zu sein, das den Eindruck von gewebtem Brokatstoff erweckt. Über diese beiden Schichten ist eine dritte aus applizierten Figuren gelagert, die auf der Vorderseite die Taufe Christi szenisch darstellt und auf der Rückseite die Verklärung Christi abbildet. Die Verschränkung dieser drei Schichten mit ihrer jeweils unterschiedlichen Illusionswirkung ist eine bemerkenswerte Leistung der Sticker, die es verstanden haben, den Konflikt zwischen dem Messgewand als zweckbestimmtes Textil und seiner Funktion als Träger eines Bildprogramms zu lösen. Der meisterliche Einsatz der sticktechnischen Möglichkeiten zeigt sich besonders in der Gestaltung der Verklärung Christi. Im Unterschied zu dem sonst am Ornat in Nadelmalerei gebildeten Inkarnat (= Farbe des Fleisches, also der Haut) ist das Antlitz Christi hier in Lasurtechnik gearbeitet, wodurch es in Rot und Gold aufglänzt und die in der Bibel beschriebene Lichterscheinung ("sein Angesicht leuchtete wie die Sonne") perfekt umsetzt.
Zeit:
um 1430/40
Objektbezeichnung
Parament; Textil; Liturgisches Gewand
Kultur
Burgundisch - niederländisch (Brüssel ?)
Material/Technik:
Starker Leinengrund; an den Gewändern das Rahmenwerk aus rotem Samt und Goldborten; Gold-, Perlen-, Samt- und Seidenstickerei (Nadelmalerei, Lasurtechnik) (Textil)
Maße:
L. 149,5 cm, B. 135,5 cm
Beschriftung
HIC EST FILIVS MEVS DILECTVS IN QVO MI(HI) B(E)N(E) CO(MPLACAVI) (VS); HIC EST FILIVS MEVS DILECTVS IN QVO MIHI BENE CO(M)PLAC(VI); NEMINI DIXERITIS VISIONE(M) DONEC FILIVS HOMINIS A; D(OMI)NE BONV(M) EST NOS HIC ESSE SI VIS FACIAM(VS) HIC (RS)
Bildrecht
Kunsthistorisches Museum, Kunstkammer
Inv. Nr.
Kunstkammer, 14
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Casula des Messornats des Ordens vom Goldenen Vlies J. Löwy, K. und K. Hof-Photograph, Kunst- und Verlagsanstalt (Wien) 1888 bis 1891

Drei Brustschließen für die Pluvialen des Messornats Philipp I. (1482-1506), Herzog von Burgund, seit 1504 König von Kastilien und León zwischen 1491 und 1504; mit späteren Ergänzungen


