Christoph Baumgartner (1514-1586)

1543, Künstler: Christoph Amberger

 

 

Christoph Baumgartner (1514-1586)

Der in Augsburg ansässige Christoph Baumgartner (1514 – 1586) entstammte einer weit verzweigten Kaufmannsfamilie und wurde 1538 in das Patriziat der freien Reichsstadt aufgenommen. Das fünf Jahre später entstandene Wiener Porträt führt den herausgehobenen gesellschaftlichen Status und den Wohlstand des Dargestellten dabei unmissverständlich vor Augen. Baumgartner, dessen Dreiviertelfigur das Bildfeld fast ausfüllt, hat sich in leichter Wendung nach rechts an einem Tisch niedergelassen, wobei er sich lässig mit seinem rechten Arm auf diesen stützt. Fast spiegelbildlich entspricht ihm der linke Arm, dessen Hand auf dem Oberschenkel ruht. Die ganze Haltung, aber auch er nach rechts gehende Blick drücken Selbstbewusstsein und Unnahbarkeit aus. Der Kopf wird rechts flankiert von einem Fensterausblick auf eine surreal anmutende Berglandschaft und links von einem Wandpfeiler, der ein Medaillon mit dem Wappen Baumgartners trägt. Weitere nobilitierende Elemente finden sich in dem Degen, dem kostbaren Schmuck und schließlich in dem schillernden, leuchtend roten Seidenwams, das Baumgartner unter einem schwarzen Goller trägt. Zusammen mit dem Blaugrün der fernen Berge setzt es einen dominierenden farblichen Zweiklang. Möglicherweise ist das 1543 vollendete Bildnis aus Anlass der Erhebung eines Familienzweiges der Baumgartner in den Reichsfreiherrenstand entstanden, die im selben Jahr von Kaiser Karl V. vollzogen wurde. Wenngleich der zu einer anderen Linie gehörende Dargestellte hiervon ausgenommen war, formuliert sein repräsentatives Porträt doch den Anspruch auf ein vergleichbares gesellschaftliches Prestige. Guido Messling (29.9.2017) Gegenüber Ambergers früheren Werken schlägt in dem vorliegenden Bild der prägende Eindruck der zeitgenössischen italienischen Porträtkunst durch, so in der Konzeption der zur Seite gewandten Sitzfigur, aber auch in der breiten, vertreibenden Malweise und der abgestimmten, Atmosphäre evozierenden Farbgebung. Die Rezeption italienischer Vorbilder tritt in diesem und anderen Bildnissen Ambergers aus den 1540er Jahren sogar noch nachhaltiger zutage als in den ansonsten vergleichbar anspruchsvoll konzipierten und ähnlich dimensionierten Porträts seines Nürnberger Kollegen Georg Pencz. Ein Italienaufenthalt Ambergers ist zwar nirgends belegt, doch könnte der Maler entsprechende Bildbeispiele in Augsburg selbst gesehen haben. Ein eher in der heimischen Tradition stehendes Element ist das Fenstermotiv mit dem Landschaftsausblick, aber auch das feste Verspannen der Figur innerhalb der Bildkanten und der letztlich unbestimmt bleibende Umraum.

Derzeit ausgestellt: Kunsthistorisches Museum Wien, Gemäldegalerie Kabinett 23

Objektdaten

Objektbezeichnung

Gemälde

Kultur

Deutsch

Datierung

1543

Künstler

Christoph Amberger (um 1500/05 Kaufbeuren - 1562 Augsburg)

Material/Technik

Lindenholz

Maße

Bildmaß: 84,2 cm × 64,5 cm × 3 cm

Rahmenmaße: 109,5 cm × 90,5 cm × 4,2 cm

Signatur

dat. über dem Wappen: MDXLIII

Beschriftung

links unten auf dem Zettel: .. STOFFERUS/. AUNGARTNER/FILIVS. SEBALDI/AETATIS XXVIIII

Bildrecht

Kunsthistorisches Museum Wien, Gemäldegalerie

Inv. Nr.

Gemäldegalerie, 889

Provenienz

1733 in der Galerie nachweisbar

Abbildung/Person

Christoph Baumgartner (1514 - 1586)

Kunst & Patenschaft

Das Kunsthistorische Museum Wien dankt Herrn Dr. Joachim Kühnert und Frau Helga Kühnert sehr herzlich für die Kunstpatenschaft!