Maria mit Kind an der Brust

1503 datiert, Künstler: Albrecht Dürer

 

 

Maria mit Kind an der Brust

Schlichter und inniger hat kaum je ein Maler das traditionelle Thema der Maria mit dem Kind behandelt. Jeder symbolische Verweis auf die Heiligkeit der Dargestellten und auf das vorbestimmte Schicksal des Christusknaben fehlt; vielmehr beschränkte sich Dürer darauf, einen Moment stillen Mutterglücks vor den Betrachter zu stellen. Der Künstler vollendete das kleine Tafelbild im Jahr 1503 und damit in einer Zeit, als er sich verstärkt mit der Marienthematik beschäftigte: In diesen Jahren entstehen nicht nur die meisten der Holzschnitte für das erst 1511 vollständig publizierte Marienleben, sondern auch eine Reihe von graphischen Einzeldarstellungen der Muttergottes. Von diesen verdient besonders die farbig aquarellierte Federzeichnung der Maria mit den vielen Tieren (Wien, Albertina) erwähnt zu werden, auf der der geneigte Kopf der Muttergottes samt dem Tuch nahezu identisch wiederkehrt. Das ebenfalls 1503 datierte Blatt geht jedoch nicht nur in der symbolgeladenen Ausgestaltung des Themas, sondern selbst in der Größe über unser Gemälde hinaus. Mit dessen Bildgenese noch enger verbunden ist Dürers Kupferstich der Maria auf der Rasenbank desselben Jahres: Nicht nur erscheint Maria abermals als Stillende, auch die Kopf- und Armhaltung des Christusknaben, der sich hingebungsvoll an die Brust schmiegt, ist fast dieselbe. Ein Auftraggeber ist für die Tafel, die an beiden Seiten zu einem späteren Zeitpunkt angestückt worden ist, nicht zwingend vorauszusetzen, vielmehr dürfte Dürer solche kleinformatigen Andachtsbilder primär für den freien Markt geschaffen haben. Begehrt waren sie wohl nicht mehr allein wegen ihres frommen Inhaltes, sondern als Schöpfungen eines zu dieser Zeit bereits bewunderten Künstlers. Die ersten bekannten halbfigurigen Madonnengemälde Dürers sind nur wenig älter und reflektieren in den monumental gesehenen Figuren und im landschaftlichen Hintergrund den nachhaltigen Eindruck oberitalienischer, vor allem venezianischer Vorbilder. Insofern bedeutet die hier so offenkundig profanere Gestaltung des Themas, die mit einem deutlich kleineren Format und einem wesentlich knapperen Bildausschnitt einhergeht, eine neue Hinwendung zu heimischen bzw. niederländischen Bildtraditionen. Unklar ist freilich die Rolle des aus Venedig gebürtigen Malers Jacopo de’Barbari (um 1440 – vor 1516), der sich vor 1503 eine Weile in Nürnberg aufgehalten hat. Mit einigen von dessen Malwerken teilt das Wiener Gemälde die feinmalerische Ausführung bei kleinem Format sowie das zurückgenommene Kolorit vor schwarzem Hintergrund, doch bleibt letztlich offen, wer hier als der Gebende und wer als der Nehmende anzusprechen ist. Guido Messling [26.6.2017]

Derzeit ausgestellt: Kunsthistorisches Museum Wien, Gemäldegalerie Kabinett 22

Objektdaten

Objektbezeichnung

Gemälde

Kultur

Deutsch

Datierung

1503 datiert

Künstler

Albrecht Dürer (1471 Nürnberg- 1528 ebd.) - GND

Material/Technik

Lindenholz

Maße

Bildmaß: 24,1 cm × 18,3 cm × 0,4 cm

Rahmenmaße: 37,3 cm × 29,7 cm × 4 cm

Signatur

Bez. oben in der Mitte mit dem Monogramm, dat. 1503

Beschriftung

rückseitig beschriftet: "IESAIA.7./ Sihe Eine Jung / fraw ist schwang / er und wird einen / Son geberen den / wird sie heissen / Immanuel / SOLA VIRGO LAC / TABAT VBERE DE / CELO PLENO / 37"

Bildrecht

Kunsthistorisches Museum Wien, Gemäldegalerie

Inv. Nr.

Gemäldegalerie, 846

Provenienz

1600 von Rudolf II. erworben (?); 1758 in der Schatzkammer

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