Haarmensch, Petrus Gonsalvus (geboren 1556)

um 1580, Zugeschrieben an: Deutsch

 

 

Haarmensch, Petrus Gonsalvus (geboren 1556)

In der Ambraser Kunst- und Wunderkammer befinden sich insgesamt drei Porträts von Haarmenschen. Sie stellen Vater, Sohn und Tochter dar, welche eine Ganzkörperbehaarung, die Hypertrichosis universalis congenita, aufweisen. Seit 1993 wird diese genetische Veränderung aufgrund der Ambraser Porträts als Ambras Syndrome bezeichnet. Nur die Mutter der Kinder, deren Bildnis sich ebenfalls in der Kunstkammer befindet, weist nicht diese genetische Veränderung auf. Die Haarmenschen erregten wohl aus einer Mischung von medizinischnaturwissenschaftlichen, mythologischen und geographisch-ethnologischen Gründen große Aufmerksamkeit. Pedro Gonzalez, der Vater, wurde um 1550 auf Teneriffa geboren und gelangte noch als Kind an den Hof König Heinrichs II. von Frankreich (1547–1559), der ihn erziehen und unterrichten ließ. Später wurde er dem Statthalter der Niederlande, Alessandro Farnese, zum Geschenk gemacht, der die Familie nach Parma schickte, wo sie Alessandros Sohn, Herzog Ranuccio, diente. Die Ambraser Porträts entstanden um 1580 in München und gelangten vermutlich als Geschenk der dortigen Herzöge an Erzherzog Ferdinand II. und somit nach Ambras. Aus diesem Grund ist das Bildnis des Vaters im Ambraser Inventar von 1621 als "Der Rauch man Zu Münichen" (vom mittelhochdeutschen Wort rûch = wild, behaart) genannt. München bezeichnet hierbei die Provenienz der Bilder und nicht diejenige der Haarmenschen, die sich nie dort aufgehalten haben. Weil sie als lebende Mirabilien galten, waren ihre Bildnisse und Berichte über sie jedoch sehr gefragt. Der in München tätige Maler hat die Dargestellten vermutlich nie gesehen, sondern nur Zeichnungen der Köpfe zum Vorbild nehmen können. Dies erklärt auch, warum er die in Wirklichkeit behaarten Hände als haarlos wiedergegeben hat. Den Berichten über die Haarmenschen dürfte der Maler auch ihre Herkunft von den Kanarischen Inseln entnommen haben. Die dortigen Ureinwohner lebten laut zeitgenössischen Darstellungen in Höhlen, und dementsprechend bilden Felsen mit Aushöhlungen den Hintergrund der Ambraser Porträts.

Derzeit nicht ausgestellt.

Objektdaten

Objektbezeichnung

Gemälde, Haarmensch, Petrus Gonsalvus

Kultur

Deutsch

Datierung

um 1580

Zugeschrieben an

Künstler

Material/Technik

Leinwand

Maße

190 cm × 80 cm

Rahmenmaße: 204,8 cm × 114,3 cm × 5 cm

Bildrecht

Kunsthistorisches Museum Wien, Gemäldegalerie

Inv. Nr.

Gemäldegalerie, 8329

Provenienz

1621 in Ambras dokumentiert

Kunst & Patenschaft

Viele unserer Objekte sind auf der Suche nach Paten. Mit einer Kunstpatenschaft tragen Sie dazu bei, die Schätze der Kunstgeschichte für die Zukunft zu bewahren.
Als Kunstpate fördern Sie mit Ihrer Spende direkt und nachhaltig die wissenschaftliche Dokumentation, Erforschung, Restaurierung und Präsentation der Kunstbestände des Kunsthistorischen Museums Wien.

Werden Sie Kunstpate