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Hirschjagd des Kurfürsten Johann Friedrich
1544 datiert | Lucas Cranach d. J.
Das 1544 datierte Gemälde stellt eine höfische Gesellschaft auf Hirschjagd dar. Während in der Ferne die von dem markanten Bau des Schlosses Hartenfels dominierte Silhouette der Elbestadt Torgau, einer der Residenzen der sächsischen Kurfürsten, erkennbar ist, lassen sich auf einem Uferstreifen im Vordergrund einige fürstliche Teilnehmer ausmachen. Zu ihnen zählen der in ein grünes Wams gekleidete Landesherr Johann Friedrich, genannt der Großmütige (1503 – 1554), sowie außen links Kaiser Karl V. (1500 – 1558) in hellen Beinkleidern. Neben ihm steht der grau gewandete Pfalzgraf Friedrich II., genannt der Weise (1482 – 1556), der seit 1544 als Kurfürst die Pfalz regierte. In der auf Erkennbarkeit berechneten Platzierung verschiedener Regenten im Bildvordergrund, der erzählerischen Fülle und der teppichhaften Anlage hat das Werk Gemeinsamkeiten mit einer weiteren, doch kleineren Tafel von 1529 in der Wiener Sammlung, die als das früheste erhaltene Jagdgemälde der Cranach-Werkstatt gilt (GG 3560). Die Ausführung des vorliegenden Gemäldes wird zumeist Lucas Cranach d.J., einem Sohn des älteren Cranach, zugeschrieben. Lucas d.J. hatte nach dem Tod seines älteren Bruders Hans 1537 eine herausgehobene Stellung in der Wittenberger Werkstatt des Vaters inne, der seit 1504/05 Hofmaler der sächsischen Kurfürsten war. Nach dessen Weggang 1550 führte Cranach d.J. den väterlichen Betrieb bis zu seinem Tode 1586 fort. Die Jagd galt nicht nur als Privileg und Statussymbol des Adels, sondern zählte wie das Turnier zu jenen sportlichen Wettbewerben, in denen der Herrscher seine Kampfestugenden demonstrieren konnte. Ein bestimmtes Ereignis ist freilich weder auf der hier besprochenen Wiener Tafel noch auf den anderen Jagdbildern der Cranach-Werkstatt dargestellt. Vielmehr boten solche repräsentativen Werke die Möglichkeit, eine tatsächliche oder erhoffte Verbundenheit mit jenen Herrschern zu propagieren, die auf ihnen neben den sächsischen Kurfürsten erscheinen. Aus diesem Grund dürften die Dargestellten nicht selten mit diesen Werken selbst bedacht worden sein, wie etwa Karl V. mit zwei heute in Madrid befindlichen, ähnlich großformatigen Jagdbildern von 1544/45. Sie entsprechen im Format der Wiener Tafel und situieren das Geschehen ebenfalls vor der Kulisse von Torgau. Das (originale?) kurpfälzische Wappen in der linken oberen Bildecke lässt hingegen vermuten, dass die 1544 datierte Wiener Tafel als Geschenk für Friedrich II. von der Pfalz bestimmt war, der im selben Jahr die Kurfürstenwürde erhalten hatte. Guido Messling [26.6.2017]

Das 1544 datierte Gemälde stellt eine höfische Gesellschaft auf Hirschjagd dar. Während in der Ferne die von dem markanten Bau des Schlosses Hartenfels dominierte Silhouette der Elbestadt Torgau, einer der Residenzen der sächsischen Kurfürsten, erkennbar ist, lassen sich auf einem Uferstreifen im Vordergrund einige fürstliche Teilnehmer ausmachen. Zu ihnen zählen der in ein grünes Wams gekleidete Landesherr Johann Friedrich, genannt der Großmütige (1503 – 1554), sowie außen links Kaiser Karl V. (1500 – 1558) in hellen Beinkleidern. Neben ihm steht der grau gewandete Pfalzgraf Friedrich II., genannt der Weise (1482 – 1556), der seit 1544 als Kurfürst die Pfalz regierte. In der auf Erkennbarkeit berechneten Platzierung verschiedener Regenten im Bildvordergrund, der erzählerischen Fülle und der teppichhaften Anlage hat das Werk Gemeinsamkeiten mit einer weiteren, doch kleineren Tafel von 1529 in der Wiener Sammlung, die als das früheste erhaltene Jagdgemälde der Cranach-Werkstatt gilt (GG 3560). Die Ausführung des vorliegenden Gemäldes wird zumeist Lucas Cranach d.J., einem Sohn des älteren Cranach, zugeschrieben. Lucas d.J. hatte nach dem Tod seines älteren Bruders Hans 1537 eine herausgehobene Stellung in der Wittenberger Werkstatt des Vaters inne, der seit 1504/05 Hofmaler der sächsischen Kurfürsten war. Nach dessen Weggang 1550 führte Cranach d.J. den väterlichen Betrieb bis zu seinem Tode 1586 fort. Die Jagd galt nicht nur als Privileg und Statussymbol des Adels, sondern zählte wie das Turnier zu jenen sportlichen Wettbewerben, in denen der Herrscher seine Kampfestugenden demonstrieren konnte. Ein bestimmtes Ereignis ist freilich weder auf der hier besprochenen Wiener Tafel noch auf den anderen Jagdbildern der Cranach-Werkstatt dargestellt. Vielmehr boten solche repräsentativen Werke die Möglichkeit, eine tatsächliche oder erhoffte Verbundenheit mit jenen Herrschern zu propagieren, die auf ihnen neben den sächsischen Kurfürsten erscheinen. Aus diesem Grund dürften die Dargestellten nicht selten mit diesen Werken selbst bedacht worden sein, wie etwa Karl V. mit zwei heute in Madrid befindlichen, ähnlich großformatigen Jagdbildern von 1544/45. Sie entsprechen im Format der Wiener Tafel und situieren das Geschehen ebenfalls vor der Kulisse von Torgau. Das (originale?) kurpfälzische Wappen in der linken oberen Bildecke lässt hingegen vermuten, dass die 1544 datierte Wiener Tafel als Geschenk für Friedrich II. von der Pfalz bestimmt war, der im selben Jahr die Kurfürstenwürde erhalten hatte. Guido Messling [26.6.2017]
Künstler/in:
Lucas Cranach d. J. (1515 Wittenberg - 1586 Weimar) DNBarrow_outward
Abbildung/Person:
Johann Friedrich I. (1532-1547), Kurfürst von Sachsen (1503 - 1554) DNBarrow_outward
Zeit:
1544 datiert
Objektbezeichnung
Gemälde
Kultur
Deutsch
Material/Technik:
Leinwand auf Lindenholz
Maße:
116 × 176,5 cm
Rahmenmaße: 140,8 × 198,5 × 7,8 cm
Signatur
Bez. rechts unten am Schnabel des Kahns mit der Schlange mit liegenden Flügeln, dat. 1544
Beschriftung
in den oberen Ecken die Wappen von Kurpfalz und Kursachsen
Stempel / Zeichen
Bildseitig rechts unten in Pinsel, teilweise übermalt: "76"
Bildrecht
Kunsthistorisches Museum, Gemäldegalerie
Inv. Nr.
Gemäldegalerie, 856
Provenienz
Slg. Leopold Wilhelm
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