Heilige Familie mit dem Hl. Agapitus oder Laurentius

1515 datiert, Künstler: Albrecht Altdorfer

 

 

Heilige Familie mit dem Hl. Agapitus oder Laurentius

Auf dem wohl als Andachtsbild konzipierten Täfelchen präsentieren sich, vor einem schwarzen Hintergrund und überfangen von zwei Fruchtfestons, Maria mit dem Kind, der hl. Josef (links) und ein junger Mann (rechts), den die Dalmatik als Diakon ausweist. Die Bestimmung dieser lange Zeit als Johannes d. Ev. oder als Engel angesprochenen Figur bleibt weiterhin umstritten; zuletzt wurde auch der hl. Agapitus von Praeneste vorgeschlagen, unter Verweis auf die Schale in der Linken, deren Inhalt sie als glühende Kohlen identifizierte. Seit alters her Klosterpatron des Stiftes Kremsmünster in Oberösterreich, wird der Heilige in der lokalen Bildtradition zumeist als Diakon dargestellt. Als Marterinstrumente können Kohlen aber nicht nur auf Agapitus verweisen, sondern etwa auch den hl. Laurentius kennzeichnen, dem als Diakon ebenfalls die Dalmatik zustand. Denkbar ist, dass Altdorfer den üblicherweise diesem Heiligen als Attribut dienenden Rost wegen der Platznot wegließ. Der herkulisch-gedrungene Josef und sein jugendliches Gegenüber wirken unmittelbar und animiert, nicht zuletzt durch die etwas verquollenen Köpfe, die wie das fliehende Kinn des Diakons teils groteske Züge offenbaren, und die wie mit Eigenleben erfüllten Haarsträhnen. Ihnen gegenüber erscheint Maria geradezu idealisiert, fällt vor allem der im Kontrapost stehende Jesusknabe durch eine bei Altdorfer selten vorkommende anatomische Korrektheit auf. Für seine Mittelgruppe hat der Künstler sich offenkundig an einem Kupferstich Giovanni da Brescias nach einer Komposition Mantegnas orientiert, auch die Handhaltung Josefs findet sich hier vorgebildet. Nicht zuletzt aber macht sich in der Konzeption des Bildes als kompakte, in Nahsicht gesehene Gruppe von Halbfiguren vor schwarzem Hintergrund und in den Fruchtfestons die Kenntnis von Werken des Mantegna-Kreises bemerkbar. Erstaunlich bleibt indes, wie souverän Altdorfer diese Anregungen in sein eigenes Vokabular zu übersetzen wusste. Der Eindruck des Gemäldes wird so wesentlich bestimmt von den graphisch wirkenden, weißen und dynamischen Linien, die das kleine Bildfeld überziehen und etwa dem Haupt des Josef sprühende Haarsträhnen aufsetzen, vor allem aber als Höhungen die dichten Parallelfalten der Gewänder akzentuieren. Zusammen mit einigen flackrig aufgehellten Gewandflächen entfalten sie zugleich ein Schimmern, das in der phantastischen Krone der Gottesmutter aus Perlen, Steinen und Sternen einen Höhepunkt findet. Wiederholt ist auf die altertümlichen Züge des 1515 datierten Bildes verwiesen worden, besonders auf den ausgeprägten Parallelfaltenstil, der sich schlüssiger mit Arbeiten aus den Jahren vor 1510 verbinden lässt. Erhellende Einsichten brachten jüngere Untersuchungen: Sie deckten eine komplexe Entstehungsgeschichte auf, die sich offenbar über mehrere Jahre erstreckte. Als vielleicht wichtigstes Ergebnis konnte so unter der heutigen Datierung eine ältere Jahresangabe nachgewiesen werden, die sich als „150λ“ lesen lässt und damit der Schreibweise der Jahreszahl auf der 1507 entstandenen Bremer Geburt Christi ähnelt. [Guido Messling, nach: Ausst.-Kat. Fantastische Welten, Frankfurt/Wien 2014/15, München 2014, Kat.-Nr. 23]

Derzeit ausgestellt: Kunsthistorisches Museum Wien, Gemäldegalerie Kabinett 22

Objektdaten

Objektbezeichnung

Gemälde

Kultur

Deutsch

Datierung

1515 datiert

Künstler

Albrecht Altdorfer (um 1480 - 1538 Regensburg) - GND

Material/Technik

Lindenholz

Maße

22,5 x 20,5 cm

Rahmenmaße: 29,5 x 27 x 3 cm

Signatur

Bez. rechts oben mit dem Monogramm; Dat. links oben 1515

Bildrecht

Kunsthistorisches Museum Wien, Gemäldegalerie

Inv. Nr.

Gemäldegalerie, 5687

Provenienz

Slg. Leopold Wilhelm

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