Astkreuz - Kasel

um 1850 (Stoff); um 1500 (Stickerei)

 

 

Astkreuz - Kasel

Die vorliegende Kasel, eines der ältesten liturgischen Gewänder aus dem Bestand der Paramentensammlung der Schatzkammer, stammte ursprünglich aus dem Besitz Kaiser Maximilians von Mexiko (1832-1867), des Bruders von Kaiser Franz Joseph I. Sie wurde bereits 1904 von der Schlosskapelle in Miramar in die Geistliche Schatzkammer in Wien überführt. Die wahrscheinlich um 1500 in Österreich oder Böhmen ausgeführte Dekoration dieser Kasel spiegelt deutlich die Vorliebe der spätgotischen Kunst wider. Sie zeigt den gekreuzigten Christus an einem Astkreuz, das als Lebensbaum und Sinnbild des Sieges über den Tod zu interpretieren ist. Zu seinen Füßen kniet die trauernde Maria Magdalena. Das Thema der Kreuzigung war als Motiv auf spätmittelalterlichen Kaselkreuzen weit verbreitet. Die Art der Gestaltung der beiden Figuren zeigt sich abhängig von der zeitgenössischen Bildhauerei: Ganz offensichtlich lag ihr als Inspirationsquelle ein dreidimensionales Modell zu Grunde. So wurde bei der Umsetzung der Vorlage in das textile Medium denn auch versucht, mittels so genannter erhöhter Legetechnik eine möglichst plastische Oberflächengestaltung zu erzielen. Ein Gerüst aus Holz, geklebtem Karton und starkem Faden dient als Grundlage für die Darstellung der Figuren. Im Bereich des Inkarnats ist es mit naturfarbener Seide überzogen, während alle anderen Partien derart überstickt sind, dass die Form und Halt gebende Unterlage vollständig verdeckt wird. Die gelockten Haare der Figuren sind aus dünnem Draht gefertigt, der ursprünglich mit Seide, die heute partiell fehlt, umwickelt war. Das Astkreuz und die Figuren wurden in der Mitte des 19. Jahrhunderts auf einen neuen Untergrund, eine Kasel aus rotem Samt, übertragen. Spuren des ursprünglichen Trägerstoffes sind noch an den Rändern der Dekoration zu finden. Aus: Hauptwerke der Geistlichen Schatzkammer. Kurzführer durch das Kunsthistorische Museum, Band 7, hrsg. von Wilfried Seipel, Wien 2007 (Katja Schmitz-von Ledebur).

Derzeit nicht ausgestellt.

Objektdaten

Objektbezeichnung

Parament

Kultur

Herstellung: Österreichisch oder Böhmen (?)

Datierung

um 1850 (Stoff); um 1500 (Stickerei)

Material/Technik

Samt, Seide, Baumwolle; Goldstickerei, Seidenstickerei; Goldborten

Maße

H.132 cm, B. 93 cm

Bildrecht

Kunsthistorisches Museum Wien, Geistliche Schatzkammer

Inv. Nr.

Schatzkammer, GS A 11 b

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