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Digitalisierung und Online-Publikation der Zentraldepotkartei(en)

Im Herbst 1938 wurde im ersten Stockwerk der Neuen Burg, vor allem in den burggartenseitigen Räumen, das sogenannte Zentraldepot für beschlagnahmte Sammlungen eingerichtet. Gelagert wurden hier Objekte aus Wiener Kunstsammlungen, die ihren als Jüdinnen und Juden verfolgten EigentümerInnen durch das nationalsozialistische Regime seit März 1938 entzogen worden waren und die später an verschiedene Museen verteilt werden sollten.

Plan des Zentraldepots, August 1939 © KHM-Archiv

Als Verwalter des Zentraldepots fungierte bis Juli 1940 das Kunsthistorische Museum, danach, bis zur Auflösung des Depots, das Institut für Denkmalpflege, das heutige Bundesdenkmalamt. In den Archiven der beiden Institutionen haben sich Karteien zu den rund 10.000 im Zentraldepot gelagerten Objekten erhalten, die neben Beschreibungen, Verortung und Verbleib zum Teil auch Fotos der Sammlungsstücke enthalten. 

Die Zentraldepot-Karteien liefern wertvolle Informationen für die Provenienzforschung und für weitere zeithistorische Fragestellungen. Die Digitalisierung und Online-Publikation der beiden Karteien gewährleistet – gerade in Zeiten knapper räumlicher und personeller Ressourcen – die Zugänglichkeit dieser wichtigen Quellen bei gleichzeitiger Schonung des Materials. Die in Zusammenarbeit zwischen dem Archiv des Kunsthistorischen Museums Wien und der Kommission für Provenienzforschung, die das BDA-Archiv betreut, entstandene Quellen-Edition bietet darüber hinaus die Chance, die aktive und kritische Auseinandersetzung beider Institutionen mit der lokalen NS-Geschichte stärker ins öffentliche Bewusstsein zu rücken.

Mit der Edition wurden die im KHM-Archiv und die im BDA-Archiv überlieferten insgesamt knapp 12.000 Karteikarten einer breiteren Öffentlichkeit zum virtuellen Durchblättern zugänglich gemacht. Als ergänzende Quelle dient ein annotierter Beschlagnahme-Katalog, der sich ebenfalls im KHM-Archiv befindet. Auch eine Volltextsuche in den Karteien ist möglich.

Die Online-Publikation ist damit nicht abgeschlossen: Weitere Informationen zu einzelnen auf den Karteikarten beschriebenen Objekten werden mit Unterstützung der Provenienzforschungs-Community laufend gesammelt, redaktionell bearbeitet und sukzessive als Zusatz-Infos auf der Website veröffentlicht. Ein knappes Jahr nach der Publikation konnten so bereits Zusatzinformationen zu rund 250 Objekten zusammengetragen und veröffentlicht werden. Seit Sommer 2018 stehen außerdem die Rahmentexte der Website auch auf Englisch zur Verfügung.

Das auf den Karten beschriebene Aquarell befand sich seit 1963 unter dem Titel „Schaufelndes Bauernmädchen“ in der Albertina und konnte nach 55 Jahren der Provenienz Louis Rothschild zugeordnet werden.
https://www.zdk-online.org/k/LR_850/

Durch die systematische Recherche in den veröffentlichten Karteikarten und Fotos konnte 2018 die Herkunft eines Aquarells von August Xaver von Pettenkofen geklärt werden. Das Blatt Schaufelndes Bauernmädchen befand sich seit 1963 ohne Hinweis auf den Voreigentümer in der Albertina in Wien und konnte mithilfe der Quellenedition der Sammlung Louis Rothschild zugeordnet werden. Der Kunstrückgabebeirat sprach am 15. Juni 2018 die Empfehlung zur Rückgabe des Werks an die RechtsnachfolgerInnen nach Louis Rothschild aus. 

Digitalisierung und Online-Publikation der Zentraldepotkartei(en)
www.zdk-online.org

Information

Projektkoordination
Dr. Susanne Hehenberger, Archivarin

Projektteam
Mag. Lisa Frank, Büro der Kommission für Provenienzforschung
Mag. Leonhard Weidinger, Kommission für Provenienzforschung/MAK
Mag. Peter Kloser, TMS-Betreuung

Projektassistenz
Johannes Festi, Zivildiener
(Oktober 2015 bis Juni 2016)

Finanzierung
Kunsthistorisches Museum Wien und Kommission für Provenienzforschung

Projektlaufzeit
Oktober 2015 – Dezember 2017 (Digitalisierung und Online-Publikation), fortlaufende redaktionelle Betreuung und Ergänzungen 

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