In interdisziplinärer Zusammenarbeit sollen Aspekte wie Polychromie als Gestaltungsmittel, antike Farbsymbolik oder der Einsatz verschiedener Maltechniken untersucht werden.
Ein spezieller Forschungsschwerpunkt liegt auf Objekten des Mithras-Kultes aus Carnuntum und dem Wiener Becken und der Bedeutung von Farbe im religiösen und rituellen Zusammenhang.
Entwicklung von Untersuchungsmethoden
Die materialanalytischen Untersuchungen haben zum Ziel, selbst kaum bis gar nicht mehr mit dem freien Auge sichtbare Reste von einst aufgebrachten Pigmenten zu detektieren. Ergänzt durch klassische Methoden der Licht- und Elektronenmikroskopie, liegt der Schwerpunkt dabei auf nichtinvasiven Methoden. Zum Einsatz kommen neben Digitalisierungen und Modellierungen in erster Linie Multi- und Hyperspektralanalysen, lichtspektroskopische Methoden und Röntgenfluoreszenz-Analytik. Das Ausloten von Möglichkeiten und Limitierungen gängiger Techniken stellt ebenso einen integralen Projektbestandteil dar, wie die Entwicklung neuer Verfahren.
Projektziele
Archäologische und chemisch-physikalische Daten sowie naturwissenschaftliche und kulturhistorische Fragestellungen werden miteinander verknüpft, mit dem Ziel, neue Forschungs- und Anwendungsbereiche für die Restaurierung, Konservierung, Museologie und Kulturvermittlung zu schaffen.
Projektleitung
- Gabrielle Kremer (Koordination)
- Robert Linke
- Georg Plattner
- Eduard Pollhammer
Team
- Robert Krickl
- Nirvana Silnovic
- Stephanie Stoss
- Malgorzata Mozdyniewicz
Kooperationen
- Österreichisches Archäologisches Institut/Österreichische Akademie der Wissenschaften
- Bundesdenkmalamt
- Landessammlungen Niederösterreich, Amt der NÖ Landesregierung
- Universität Wien
Laufzeit
2021 – 2025
Finanzierung
ÖAW | Heritage Science Austria
Rabenschwarz - Farbenfroh?
Aktuelle Forschungen zur Polychromie der Antike, Vitrine EXTRA #6
Sonderpräsentation im Rahmen des Forschungsprojekts Polychromon
Laufzeit: 21. Februar - 31. August 2025
Die Sonderpräsentation Vitrine EXTRA, die in regelmäßigen Abständen in der Antikensammlung des Kunsthistorischen Museums unterschiedliche antike Objekte vorübergehend in der Dauerausstellung präsentiert, begab sich in ihrer sechsten Ausgabe auf die farbigen Spuren der griechisch-römischen Antike. Anhand eines Reliefs mit der Darstellung des Lichtgottes Mithras rückte die Präsentation die lebendige Vielfarbigkeit von römischen Statuen und Monumenten in den Fokus – eindrucksvoll zeigte sie, wie farbenprächtig diese ursprünglich waren!
Über die Ausstellung
Die griechisch-römische Antike war einst viel bunter, als sie sich uns heute präsentiert. Viele Statuen, Monumente und Architekturteile waren reich mit Farben bemalt, die im Laufe der Jahrhunderte aber oft verloren gingen. Diese Vielfarbigkeit (Polychromie) wird seit einigen Jahren intensiv untersucht, nun auch erstmals konzentriert im Donauraum um Wien und Carnuntum. Das interdisziplinäre Forschungsprojekt Colours revealed – Polychromie römerzeitlicher Monumente der Donauprovinzen sucht mithilfe naturwissenschaftlicher Methoden nach Resten von einst auf den Steinen aufgebrachten Farbpigmenten, die teils kaum oder gar nicht mehr mit freiem Auge sichtbar sind. Mit zerstörungsfreien Methoden wie der Multispektralanalyse – der Untersuchung der Wechselwirkung verschiedener Materialien mit unterschiedlichen Lichtarten – können auch kleinste Farbreste nachgewiesen werden.
Im Frühsommer des Jahres 1816 kam in den Weinbergen bei Stixneusiedl ein Relief mit der Darstellung des stiertötenden Gottes Mithras zutage. Der obere Teil mit dem Oberkörper des Mithras fehlte. Noch im selben Jahr gelangte das Fundstück in die kaiserlichen Sammlungen nach Wien und wurde dem k. k. Münz- und Antikenkabinett – dem Vorgänger der heutigen Antikensammlung – übergeben. Bereits bei der Auffindung des Reliefs bestaunte man die vielen erhaltenen antiken Farbreste und verzichtete glücklicherweise auf eine – damals durchaus übliche – grobe Reinigung des Fundstücks.
Das Relief hat seit seiner Auffindung vor mehr als 200 Jahren – bis auf eine Ergänzung der verlorenen oberen Hälfte und Übermalung der antiken Farbreste im frühen 19. Jahrhundert – keine wesentlichen restauratorischen Eingriffe erfahren. Ideale Voraussetzung also, die antiken Farbschichten heute mit modernen Methoden zu untersuchen. In den Jahren 2023/24 wurde das Relief umfassend dokumentiert, konserviert und restauriert. Dabei legte man übermalte oder durch spätere Ausbesserungen verdeckte Bereiche wieder frei.




