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Sommerfrische-Saal

Saal XII entführt Sie in die schönsten Sommerlandschaften, die ideale Brise für die Seele.

Seit der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts entwickelte sich die Landschaftsmalerei in den Niederlanden zu einer eigenständigen Bildgattung. Zu Beginn diente sie oft als Hintergrund für eine szenische Darstellung. Nach und nach wurde aber die Natur als selbständiges Thema bildwürdig. Die Künstler legten größten Wert auf das lebendige Spiel mit Licht und Schatten, um die Illusion tatsächlich erlebter Stimmungen hervorzurufen, als ob sie in freier Natur gemalt hätten. Besondere Inspiration erfuhren sie auf ihren Italienreisen, weshalb sie auch Italianisanten genannt werden.

Jacopo Negretti gen. Palma il Vecchio
um 1480–1528
tätig in Venedig und Bergamo

Badende Nymphenum 1525–1528

Das Thema der in freier Natur gelagerten nackten Frau ist seit Giorgione und dem frühen Tizian in Venedig beliebt heimisch. Palma hat dabei wie kein Künstler zuvor den Akzent deutlich auf das plastische Herausarbeiten und auf die lineare Kontur der kompliziert zugeordneten weiblichen Körper gelegt. Einerseits übernahm er Bewegungsmotive antiker Skulpturen, andrerseits orientierte er sich aber auch an Zeitgenossen wie Giulio Romano. Die in Venedig damals geschätzte sinnliche Oberflächentextur ist porzellanhafter Kühle gewichen.

Jacob van Ruisdael
1628/29–1682
tätig in Haarlem und Amsterdam

Der große Waldum 1655–1660

Mächtige Eichen bauen sich auf, zwischen den Stämmen blicken wir in eine unbestimmte Ferne. Seichtes Wasser kreuzt im Vordergrund einen in die Tiefe führenden Weg. Ein Paar geht spazieren, ein Wanderer rastet am Wegesrand. Ruisdael, einer der wichtigsten Landschafts­maler des 17. Jahrhunderts, verleiht an sich bescheidenen Motiven durch Gestaltung und Größe des Gemäldes einen Zug ins Bedeutsame. Ein Baumstumpf links, abge­storbene Stämme und der tief gefurchte Weg könnten als Denkanstöße zu Sinn und Grenzen menschlicher Existenz verstanden werden.

Adam Pynacker
1622–1673
tätig in Delft

Landschaft bei Tivolium 1648

Dieses Gemälde ist ein typisches Beispiel für die Sicht einer südlichen Landschaft durch einen holländischen Maler. Fasziniert von den antiken Ruinen, aber vor allem von dem dieser Gegend eigenen Licht reisten damals zahlreiche Künstler aus dem Norden nach Italien. Daher wurden sie auch Italianisanten genannt. Die Architektur und die Staffagefiguren bildeten nur den Vorwand, um die atmosphärischen Eindrücke, das golden schimmernde Nachmittagslicht und die Spiegeleffekte auf dem Wasser lebendig einzufangen.

Nicolaes Berchem
1620 – 1683
tätig in Haarlem und Amsterdam

Italienische Landschaft mit Aquäduktruine 1675 datiert

Obwohl keine sicheren Nachrichten einer Italienreise von Berchem überliefert sind, gilt er als Spezialist italianisierender Landschaften und ländlicher Idylle. Goldgelbes Licht fällt durch den Bogen des Aquäduktes, sodass die reitende Bäuerin lebendig aus dem Schatten zu treten scheint. Berchem orientierte sich hier an einer Komposition des holländischen Zeitgenossen Jan Asselijn (Amsterdam, Rijksmuseum), das die Ruinen des Aquaeduktes bei Frascati zeigt und legte größtes Augenmerk auf die Lichtwirkung.

Cornelis van Poelenburgh
1594/1595–1667
tätig in Utrecht

Landschaft bei Albano mit badenden Mädchenum 1630/1640

Kleinformatige italianisierende Landschaften sind charakteristisch für das Schaffen des Künstlers, ganz besonders in Verbindung mit antiken Ruinen und Staffagefiguren mythologischen oder bukolischen Inhalts. Hier beherrschen die Überreste des Grabmals der Curatier und Horatier den Mittelgrund. Überraschend hingegen wirkt die Unmittelbarkeit der badenden Frauen im Vordergrund. Der nackte Frauenkörper galt damals immer noch als Beweis um das Wissen idealer antiker Schönheit. Umso moderner wirkt diese Momentaufnahme des Springens.

Lambert Sustris
1515/20–nach 1568
tätig in Venedig, Augsburg und Padua

Landschaft mit antiken Ruinen und badenden Frauen um 1552/53

Der in Amsterdam geborene Niederländer Sustris zog früh nach Italien und ließ sich nach einem Aufenthalt in Rom um 1545 in Venedig nieder. In dieser Harmonie und Wohlbehagen vermittelnden Landschaft verbindet er gekonnt die nordische Erzählfreude mit den im Süden errungenen Neuerungen. Die Grotte links spielt auf das Pantheon in Rom an. Ebenso zeugen der Obelisk im Mittelgrund und der Vespasianstempel im Hintergrund von Studien nach der Natur. Auch das weich schimmernde Licht, in das die Landschaft getaucht ist, geht auf die persönliche Erfahrung des Künstlers während seines Italienaufenthaltes zurück.

Leandro da Ponte, gen. Leandro Bassano
1557–1622
tätig in Venedig

Sommer (Juli)um 1595/1600

Leandro stammte aus einer Künstlerfamilie aus Bassano del Grappa, die einen florierenden Werkstattbetrieb in Venedig unterhielt und sich nach ihrer Herkunft Bassano nannte. Das Kunsthistorische Museum besitzt die größte Sammlung ihrer Werke, die vor allem wegen der detailreichen Bilderzählungen, der satten Farbigkeit und effektvollen Beleuchtungen, aber auch dank der poetischen Schilderung ländlicher Idyllen besonders geschätzt waren. Dieses Gemälde gehört zu einer Serie der 12 Monate, die zu den besten Werken aus Leandros Hand gehören.

Thomas Gainsborough
1727–1788
tätig in Ipswich
Bath und London

Landschaft in Suffolkum 1748

Thomas Gainsborough zählt zu den bedeutendsten englischen Malern der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts. Neben der Porträtmalerei galt seine Liebe vor allem der Landschaft. Seine Inspiration fand er im heimatlichen Suffolk, wobei Motivwahl und Bildaufbau der frühen Werke große Wertschätzung für die holländische Landschaftskunst des 17. Jahrhunderts zeigen. Sein lockerer Pinselstrich, die Verlebendigung der schwingend bewegten Geländeformen und das warme, sanfte Sommerlicht sprechen hingegen für ein intensives Naturstudium.

Paul Bril
1554–1626
tätig in Rom

Nächtliche Hafenlandschaft mit Leuchtturmum 1601

Mit seinen kleinformatigen, auf Kupfer gemalten Landschaften legte der Künstler den Grundstein zur Entwicklung der römischen Landschaftsmalerei des 17. Jahrhunderts. Trotz der geringen Größe schuf er beeindruckende Beleuchtungskontraste, die alltägliche Szenen lebendig und unmittelbar erscheinen lassen. In Rom, wo Bril hauptsächlich tätig war, gehörten neben dem Papst die bedeutendsten adeligen Familien zu seinen Auftraggebern. Die hier zu sehende Komposition wiederholt das ältere Vorbild einer Kupfertafel von Paul Brils verstorbenem Bruder Matthäus (Rom, Galeria Doria Pamphili).

Paul Bril
1554–1626
tätig in Rom

Flusslandschaft mit Turmruine1600, datiert

Paul Bril greift hier den Bildtypus der Flusslandschaften auf, die auch sein Freund und Zeitgenosse Jan Brueghel besonders schätzte. Auch in dieser Komposition konzentriert sich Bril besonders auf die effektvolle Beleuchtung. Links im Vordergrund ist der Küstenstreifen in tiefen Schatten getaucht, der zufällig von einem Sonnenstrahl durchbrochen wird. Erst im Mittelgrund setzt sich das helle, fahle Licht flächendeckend durch, weicht aber im Hintergrund wieder bläulichen, Nebel suggerierenden Wolken. Möglicherweise ist dieses Gemälde ein Gegenstück zu Nächtliche Hafenlandschaft mit Leuchtturm.

Joos de Momper d. J.
1564–1635
Antwerpen

Große Gebirgslandschaftum 1620–1630

Der Künstler galt schon zu Lebzeiten als erfolgreichster Landschaftsmaler seiner Zeit. Eines seiner Lieblingsthemen war die Gebirgslandschaft. Die Betrachter*innen blicken von oben in ein breites, sonnendurchflutetes Tal, das zu beiden Seiten von steil aufragenden Felswänden begleitet wird. Unberührt von der Respekt einflößenden Kulisse, gehen die ameisenhaft kleinen Menschen ihren Tätigkeiten nach. Besonderheiten Mompers sind seine sichere, flüssige Pinselführung und seine subtile Farbgebung, die durch die Größe des Formats der Natur Erhabenheit verleihen.

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