Prunkbecken mit Darstellung des Triumpfzuges von Amor; Becken der sogenannten Trionfi-Garnitur

um 1601/ 1602, Künstler: Christoph Jamnitzer

 

 

Prunkbecken mit Darstellung des Triumpfzuges von Amor; Becken der sogenannten Trionfi-Garnitur

Der Triumphzug Amors füllt das vierpässige Becken bis zur Kehlung aus. Auf dem von Pferden gezogenen Triumphwagen führt der Liebesgott Jupiter als vornehmsten seiner zwölf Gefangenen mit sich. Zu Fuß schreitet Cäsar den "neun guten Helden" voran, der kauernde Herkules bildet den Schluß der Gefesselten. Unüberschaubar schließt Amors Gefolge gegen die Ferne zu ab. An den Zwickeln des Beckenrandes sitzen Putti, durch ihre Attribute als Personifikationen der Vier Weltteile gekennzeichnet. Medaillonförmige Reliefappliken - je eine aus Gold, Silber, Bronze und Eisen - stellen in Gestalt visionärer Symboltiere die Vier Weltreiche dar (Babylonien-Assyrien, Persien, Reich Alexanders des Großen, Römisches Reich). Auf dem glatten Beckenrand erscheinen als hauchzarte Punzenstich-Gravuren vier mythologische Szenen nach den Metamorphosen des Ovid (Apollo und Daphne, Pluto und Proserpina, Hippomenes und Atalante, ungedeutete Szene). Das Hauptthema geht auf den ersten der sechs Trionfi des Petrarca zurück, die weiteren fünf folgen als Reliefdarstellungen auf dem zugehörigen Kannengefäß. Neben der Textvorlage benutzte Jamnitzer auch Bildvorlagen, insbesondere Trionfi-Illustrationen, ohne aber eine einzige direkt zu kopieren. Ob die Programmerweiterung auf einen Ideographen, der wohl am ehesten im Umkreis des Auftraggebers, Kaiser Rudolf II., in Prag zu vermuten wäre, oder auf den Künstler selbst zurückgeht, muß offenbleiben. Christoph Jamnitzer ist zu Beginn des 17. Jahrhunderts in Nürnberg sowohl als Goldschmied als auch als Zeichner, Entwerfer der Rathausskulpturen, Stecher und Verfasser des Neuw Grotteßken Buch die überragende Künstlerpersönlichkeit. Sein Schaffen charakterisiert die Auflösung jeglicher additiver Reihung und Schichtung im Aufbau und eine bewegte Formenwucherung des Zierats auf Kosten der Funktion. Ohne Rücksicht auf ihre Verwendbarkeit wird die Trionfi-Prunkgarnitur zum reinen Schaustück. Als solche wurde sie zu den Frankfurter Krönungszeremonien mitgenommen, obgleich sie für Waschungen untauglich war.

Derzeit ausgestellt: Kunsthistorisches Museum Wien, Kunstkammer Wien Raum XXVII

Objektdaten

Objektbezeichnung

Gefäß; Becken

Kultur

Nürnberg

Datierung

um 1601/ 1602

Künstler

Christoph Jamnitzer (1563 Nürnberg - 1618 Nürnberg) - GND

Material/Technik

Silber, vergoldet, Email

Maße

L. 64,7 cm, B. 53 cm, H. 12 cm

Signatur

Cristofero Iamnizer fezit

Stempel / Zeichen

Nürnberger Beschau; R 3, Nr.3839

Bildrecht

Kunsthistorisches Museum Wien, Kunstkammer

Inv. Nr.

Kunstkammer, 1104

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