Brautschale der Margarete Maultasch

um 1340, 17. Jahrhundert (Lippenrand mit Schrift)

 

 

Brautschale der Margarete Maultasch

Diese Schale aus Schloss Tirol gilt traditionell als Brautschale der Margarete Maultasch. Die Inschrift am Schalenrand, "LIEBES : LANGER : MANGEL : IST MIINES : HERZEN : ANGEL", ist wohl als Anspielung darauf aufzufassen. Sie variiert einen als Inschrift auf dem Gürtel der zukünftigen Geliebten vorkommenden Vers aus dem Meleranz, einer Artuserzählung des mittelhochdeutschen Dichters Pleier. Frei übersetzt bedeutet er: Das lange Entbehren von Liebe ist der Stachel in meinem Herzen. Die Tochter Heinrichs von Tirol war als Elfjährige mit dem siebenjährigen Johann Heinrich von Böhmen verheiratet worden. Nach zehnjähriger kinderloser Ehe bezichtigte Margarete ihren Mann, die Ehe nie vollzogen zu haben, verstieß ihn und ehelichte den Wittelsbacher Markgrafen Ludwig von Brandenburg. Von ihm soll sie die Schale als Brautgeschenk erhalten haben. Auf Betreiben der Luxemburger exkommunizierte der Papst Margarete und Ludwig wegen Ehebruchs und untersagte in der Grafschaft Tirol alle gottesdienstlichen Handlungen. Als in den folgenden Jahren Heuschreckenplage, Erdbeben und Pestepidemie Tirol heimsuchten, betrachtete dies die Bevölkerung als Strafe Gottes für Margaretes Verhalten. Daraus erklärt sich ihr Beiname Maultasch, ein Schimpfwort für lüsternes Wesen. Die Schale ist aus dünnwandigem Silberblech getrieben und am Schalenrand sowie innen feuervergoldet. Die Innenseite stellt somit die Schauseite dar, die Außenseite war vermutlich durch eine halbe, von den dreilappigen Zierblättern am Mundrand gehaltene Kokosnussschale verdeckt. Dies erklärt auch die extreme Dünnwandigkeit der Silberarbeit. Zusammen mit dieser Schale wurde ein weiterer Kokosnusspokal aus Schloss Tirol zunächst nach Ambras und 1817 nach Wien transferiert. Der Dekor aus sechs großen, siebenlappigen Blättern mit jeweils lilienbekrönten Szeptern dazwischen scheint ebenfalls auf den hochzeitlichen Zusammenhang hinzuweisen. Bei den Blättern handelt es sich vermutlich um jene des Beifußes. Diese dem Wermut verwandte Pflanze war ein begehrtes Heilkraut gegen Frauenleiden und wird heute noch volkstümlich als Jungfern- oder Mutterkraut bezeichnet. Den Boden der Schale ziert ein Sechsstern, ein Glückssymbol im hochzeitlichen Brauchtum.

Derzeit ausgestellt: Schloss Ambras Innsbruck Unterschloss, Kunstkammer

Objektdaten

Objektbezeichnung

Gefäß; Becher

Kultur

Süddeutsch

Datierung

um 1340, 17. Jahrhundert (Lippenrand mit Schrift)

Maße

H. 10,5 cm, D. 10,3 cm

Beschriftung

+LIEBES.LANGER.MANGEL.IST.MINES.HERZEN.ANGEL.

Bildrecht

Kunsthistorisches Museum Wien, Kunstkammer

Inv. Nr.

Kunstkammer, 52

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