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Rüstung: Rüstung eines Generals, mit Schild

2. Viertel 16. Jahrhundert

 

 

Rüstung eines Generals, mit Schild

Helm und Kürass dieser Rüstung eines Mamlukenfürsten wurden in den Ambraser Inventaren ab 1593 irrig einem "N. König zu Cuba in India" zugeschrieben, wobei wohl eine Verwechslung zwischen den Westindischen Inseln und Indien zur irrigen Bezeichnung "König zu Cuba" geführt hatte. Bei dieser Rüstung handelt es sich wahrscheinlich um ein Objekt, das über das portugiesische Indien in den Besitz der Habsburger gelangte und daher nach Indien lokalisiert wurde. Die Portugiesen waren bei dem Versuch, den Handel an der Westküste Indiens in die Hand zu bekommen, in Konflikt mit dem Mamlukenreich geraten, das den Export indischer und südostasiatischer Gewürze über den Hafen Alexandria nach Europa kontrollierte. Möglicherweise handelt es sich bei dieser Rüstung um ein Beutestück aus einer der Schlachten, die zwischen Portugiesen und Mamluken ausgefochten wurden. Auf dem Naseneisen findet sich die Signatur "vollendet durch die Arbeit des Waffenschmiedes Ali". Die Zuschreibung der Rüstungsteile an einen Mamlukenfürsten erfolgte auf Grund eines Gegenstückes zur Wiener Sturmhaube im Topkapi Sarai Museum in Istanbul, nämlich des Helmes von Khairbak, dem mamlukischen Gouverneur von Aleppo, der 1517 Syrien dem Osmanensultan Selim I. überantwortete. Der vorliegende Harnisch, zu dem auch ein mit Schriftzeichen verzierter Rundschild gehört, der jedoch dem Ensemble erst 1788 beigefügt wurde, ist das prunkvollste erhaltene Beispiel eines orientalischen Rüstungstypus, der auf die spätantiken persischen Klibanarier zurückgeht. Die Methode, den Kettenpanzer durch Stahlplatten zu verstärken, entstand bereits im 3. oder 4. Jahrhundert und wurde zuerst von den Parthern angewendet, später von den sasanidischen Persern übernommen und nach der Eroberung des Perserreiches durch die Araber im ganzen Nahen Osten weiter verbreitet.

Derzeit ausgestellt: Neue Burg, Hofjagd- und Rüstkammer Saal VI

Objektdaten

Objektbezeichnung

Rüstung

Kultur

frühosmanisch

Datierung

2. Viertel 16. Jahrhundert

Material/Technik

Eisen getrieben, mit punziertem Dekor, feuervergoldet (galvanisch retuschiert). Panzergeflecht, teilweise mit gestanzten Ringen. Textile Bänder (modern) sind hinzugefügt.
Schild getriebenes gebläutes Eisen mit Öl-Blattvergoldung, Goldmalerei und textiler Rückseite (Seide, Leinen), modernes Baumwollband. Montageteile teilweise Silber feuervergoldet.

Signatur

Auf dem Blatt des Naseneisens die Signatur: “Vollendet durch die Arbeit des Waffenschmiedes Ali”.

Beschriftung

Anrufungen Allahs und Koranverse

Bildrecht

Kunsthistorisches Museum Wien, Hofjagd- und Rüstkammer

Inv. Nr.

Hofjagd- und Rüstkammer, C 85

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