Oktogon

Römisch, Frühe Kaiserzeit, 3. Drittel 1. Jh. v. Chr.

 

 

Oktogon

Das Oktogon war ein Grabbau an einer prominenten Straßenkreuzung im Zentrum von Ephesos. Der marmorverkleidete Sockel ist in Ephesos erhalten, darin befindet sich eine Grabkammer mit einem undekorierten Marmorsarkophag. Bestattungen innerhalb der Stadt waren in der Antike aus religiösen und hygienischen Gründen verboten. Ausnahmen galten für besondere Persönlichkeiten wie Könige, Stifter, Stadtgründer oder Heroen. Das gefundene Skelett war jedoch das einer jungen, nicht einmal 18-jährigen Frau! Ohne Grabinschrift war ihre Benennung zunächst schwierig. Die korinthischen Säulenkapitelle und der Dekor des Gebälks lassen sich im Vergleich mit gut datierten Bauten in das Ende des 1. Jahrhunderts v. Chr. einordnen. Die ungewöhnliche Form des Baus mit einem achteckigen Geschoss verweist auf Ägypten und Libyen. Einem vergleichbaren dreigeschossigen Aufbau folgt der Pharos, der Leuchtturm von Alexandria in Ägypten, eines der Sieben Weltwunder der Antike. Mit diesen Anhaltspunkten gelang es, die Verstorbene als die Ptolemäer-Prinzessin Arsinoë IV. zu identifizieren. Sie war die jüngere Schwester Kleopatras und damit zugleich deren Konkurrentin um den ägyptischen Thron, weshalb sie von Caesar in das Artemis-Heiligtum von Ephesos ins Exil geschickt wurde. Das Privileg der Asylie führte das Artemision auf die Erzählung zurück, bereits die Amazonen hätten hier Zuflucht gefunden. Kleopatra empfand Arsinoë aber weiterhin als Konkurrentin und überredete 41 v. Chr. Marcus Antonius, sie in Ephesos ermorden zu lassen. Dieser ungeheure Frevel an der Göttin Artemis wurde erst Jahre später gesühnt: Augustus stellte „Recht und Ordnung“ wieder her und rief ein neues „Goldenes Zeitalter“ aus. In diesem Zusammenhang muss auch die Errichtung des monumentalen Grabbaus verstanden werden. Manche Details der Architekturdekoration sind für Kleinasien ungewöhnlich und erst wenige Jahre zuvor in Italien entwickelt worden. Offenbar standen hinter dem Bauvorhaben nicht nur der Auftrag des Augustus, sondern auch dessen Architekten und Handwerker.

Derzeit ausgestellt: Neue Burg, Ephesos Museum Plateau Parthermonument

Objektdaten

Objektbezeichnung

Oktogon

Kultur

Römisch

Periode

Frühe Kaiserzeit

Datierung

3. Drittel 1. Jh. v. Chr.

Fundort

Ephesos , Kuretenstraße beim Oktogon , Selçuk, Kleinasien, Türkei

Material/Technik

Marmor

Maße

L/H 29 cm

Bildrecht

Kunsthistorisches Museum Wien, Antikensammlung

Inv. Nr.

Antikensammlung, I 1633 a

Provenienz

Sultan, Abdul, Hamid, II.; Österreichische Ausgrabungen in Ephesos; Geschenk an Kaiser Franz Joseph; 1957 nachträglich inventarisiert

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