Armbrust: Jagdarmbrust samt Winde

zwischen 1499 und 1514, Besitzer: vorgesehen für Roi Louis XII de Charles I d´Orléans

 

 

Jagdarmbrust samt Winde

Über alle Flächen des schwer vergoldeten Stahlbogens zieht sich ein geätztes Band lappiger Blattranken, auf der Vorderseite ist zweimal das französische Wappen zu sehen. Die den Stahlbogen am Schaft haltenden Bogeneisen enden in Form einer Krone. Feingliedrige Beineinlagen zieren den schlanken Schaft, die "Säule". Die Bolzenrinne auf der Oberseite ist schwarz-weiß gemustert. Um die beinerne "Nuss", an der die gespannte Sehne arretiert wird, befindet sich ein Netzwerk mit Lilienenden. Danach folgt auf der Oberseite, im Relief geschnitzt, eine Kordelschleife, die das gekrönte Wappen der Herzogin Anne de Bretagne (1476-1514) sowie das Ordenssymbol ihres zweiten Gemahls, König Ludwig XII., das Stachelschwein unter der Krone, umgibt. Am Hinterschaft bzw. über dem Gürtelhaken befindet sich in Malerei das gekrönte französische Wappen mit den drei goldenen Lilien im blauen Feld. Zugehörig und entsprechend montiert ist die aus Eisen gefertigte, teils durchbrochene und vergoldete vierrädrige Seilwinde. Mit dieser konnte nach dem Flaschenzugsystem der starke Stahlbogen gespannt werden. Nach der Wappen- und Symbolkombination kommen für die Datierung nur die Jahre zwischen 1499 und 1514 in Frage, die Zeit der fünfzehn Jahre dauernden Ehe der Anne de Bretagne mit Ludwig XII. Die sehr begehrte, reiche Erbin war zwar von 1491 bis 1498 bereits mit Karl VIII. von Frankreich verheiratet gewesen, doch scheidet dieser wegen des Stachelschwein-Ordens als Besitzer der Jagdarmbrust aus. Diesen Orden hatte der Großvater des zweiten Gemahls der Anne de Bretagne, Herzog Ludwig von Orleans, 1391 anlässlich der Taufe seines Sohnes Karl, des Vaters Ludwigs XII., gestiftet. Der Stil der Ätzung (der groblappigen Blattranken) und die Gesamtform der Armbrust (man beachte z. B. den sechseckigen Steigbügel etc.) verweisen freilich auf eine Herkunft aus Spanien, dessen Armbrustmacher wegen der Schönheit ihrer Erzeugnisse berühmt waren. So dürfte es sich wohl um ein diplomatisches Geschenk Philipps des Schönen an Ludwig XII. gehandelt haben, das wegen der immer wiederkehrenden politischen Spannungen mit Frankreich nicht abgeschickt wurde.

Derzeit ausgestellt: Neue Burg, Hofjagd- und Rüstkammer Galerie A

Objektdaten

Objektbezeichnung

Armbrust

Kultur

Spanisch

Datierung

zwischen 1499 und 1514

Material/Technik

Eisen, geschnitten, Stahl, feuervergoldet, geätzt, Beineinlage, Holz, Schnüre

Stempel / Zeichen

Am Stahlbogen ein undeutlicher Stempel

Bildrecht

Kunsthistorisches Museum Wien, Hofjagd- und Rüstkammer

Inv. Nr.

Hofjagd- und Rüstkammer, D 1

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