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Harnischteil Helm: Hundsgugel

um 1400, Besitzer: Herzog Ernst Sohn des Leopld III. von Habsburg , (?)

 

 

Hundsgugel

Da der übergestülpte, schwere Topfhelm die Bewegungsfreiheit des Kopfes jedoch stark behinderte, wurde er von den Rittern oft erst im letzten Moment aufgesetzt. Um trotzdem jederzeit einen gewissen Schutz des Kopfes zu besitzen, wurde die Kapuze des Kettenhemdes mit einer festen Stahlkappe verstärkt, aus der sich die Beckenhaube als eigenständige Helmform entwickelte. Mit dem späten 14. Jahrhundert verliert der Topfhelm seine Bedeutung als Kriegswaffe und wird mehr und mehr zum Turnierhelm. Mit dem frühen 14. Jahrhundert tauchte ein beweglicher Gesichtsschutz, das Visir, auf; dieses wurde vorerst mit einem Scharnier am Stirnteil der Beckenhaube befestigt und konnte nach oben hochgeklappt werden. In der zweiten Jahrhunderthälfte wurde der Visierhelm als Form des adeligen Kopfschutzes allgemein üblich. Bereits um 1330 - 1340 ist in Italien und Westeuropa das um zwei Schläfenbolzen drehbare Visier nachweisbar. Man befestigte das aufklappbare (aufschlächtige) Visier mit einer Verschraubung aus zwei Drehbolzen in der Schläfengegend an der Beckenhaube. Entsprechend dem Kunstideal der zweiten Hälfte des 14. Jahrhunderts mit seinem neuen Hang zum Realismus, das zu gesuchten, absonderlichen, grotesken, ja geradezu verhäßlichten Formen neigt, nimmt das Visier der gespitzten Beckenhaube in Westeuropa die Form von phantastischen Rundvisieren an, in Italien und Deutschland die des Spitzvisiers. Von diesem spitz getriebenen Visier, einer Hundeschnautze ähnlich, und der gotischen Stoffkapuze, der Gugel, leitet sich der Name Hundsgugel ab. Durch das geänderte Kunstideal, das um 1400 erhielt die Hundsgugel eine schöne, glatte Form mit sanft schwingender Umrißlinie. Das Visier ist, wie es dem moderneren technischen Standard entspricht, um 1400 stets um eine Achse drehbar befestigt. In Deutschland hielt sich die Hundsgugel bis um 1440. Die vorliegende Hundsgugel wurde möglicherweise von (Erz-)Herzog Ernst dem Eisernen, dem Vater des nachmaligen Kaisers Friedrich III. (1415-1493), getragen. Nach dem Tod ihres Besitzers gelangte sie über einige Zwischenstufen in die Sammlung von Erzherzog Ferdinand II. von Tirol (1529-1595) und damit in die Ambraser Rüstkammer.

Derzeit ausgestellt: Neue Burg, Hofjagd- und Rüstkammer Saal I

Objektdaten

Objektbezeichnung

Harnischteil Helm

Kultur

Oberitalienisch (Mailand)

Datierung

um 1400

Material/Technik

Blankes Eisen, geschmiedet und getrieben.

Stempel / Zeichen

an der linken Seite Spuren eines Plattnerstempels

Bildrecht

Kunsthistorisches Museum Wien, Hofjagd- und Rüstkammer

Inv. Nr.

Hofjagd- und Rüstkammer, A 24

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