Rossstirn: Rossstirn

1523, Besitzer: Otto Heinrich Sohn d. Ruprecht von der Pfalz

 

 

Rossstirn

Die Rossstirn gehört zur Rüstung von Otto Heinrich, dem nachmaligen Kurfürsten von der Pfalz. Der abendländische Ritter übertrug seinen Wunsch, durch eine allseits bewegliche stählerne Rüstung unverwundbar zu sein, natürlich auch auf sein wertvolles Pferd. Parallel mit der Entwicklung der ritterlichen Plattenharnische wurden auch Rossharnische konstruiert, die Kopf, Hals und Körper des Pferdes schützen sollten. In der Dekoration entspricht der Rossharnisch immer den zeitgleichen Rüstungen. Da im 2. Jahrzehnt des 16. Jahrhunderts in Deutschland die Mode der Riefelharnische vorherrschte, ist dieser Rosskopf in der Art dieser geriefelten Rüstungen gearbeitet. Das Spiel des Lichtes auf der kannelierten Oberfläche machte diese Rossstirn zu einem besonders prunkvollen Schutz des Pferdekopfes, der infolge des hohen Arbeitsaufwandes für seine Herstellung auch entsprechend kostspielig war. Die Rossstirn wurde vom Augsburger Ätzer Daniel Hopfer mit Laubwerk, Blumen, Fabelwesen und Trophäen geschmückt und trägt auf dem Stirnschildchen den geätzten Wahlspruch des Prinzen, "MDZ" ("Mit der Zeit"), sowie das Datum 1516. Auf dem Hintersteg des Krippensattels finden sich die lateinischen Ziffern "XXIII", die man unter Umständen als Datum 1523 auflösen kann. Da das Stirnschildchen möglicherweise nicht zur Rossstirn gehört, wird man als Datierung eher 1523 annehmen als das Datum des Stirnschildchens, 1516. Besitzer dieser Rossstirn war Herzog Otto Heinrich, der zuerst im Herzogtum Neuburg regierte. Er erbte jedoch 1556 das Kurfürstentum Pfalz und förderte als Kurfürst die Reformierten nicht nur in Neuburg, sondern auch in der Kurpfalz. Otto Heinrich verbesserte ferner die Einrichtungen der Universität Heidelberg, bereicherte ihre Bibliothek mit vielen Handschriften und baute den prachtvollen Otto-Heinrichsbau im Heidelberger Schloss.

Derzeit ausgestellt: Neue Burg, Hofjagd- und Rüstkammer Saal III

Objektdaten

Objektbezeichnung

Rossstirn

Kultur

Augsburg

Datierung

1523

Hersteller/in

Kolman Helmschmid , (Plattner) (1471 - 1532 tätig in Augsburg) - GND

Daniel Hopfer , (Ätzmaler) (1471 Kaufbeuren - 1536 Augsburg) - GND

Material/Technik

Blankes Eisen mit Ätzdekor (Tiefenätzung mit ölgebundenem Schwarz gefüllt), Eisennieten, Hirschleder

Beschriftung

"MDZ"

Stempel / Zeichen

Kolman Helmschmid

Bildrecht

Kunsthistorisches Museum Wien, Hofjagd- und Rüstkammer

Inv. Nr.

Hofjagd- und Rüstkammer, A 239b

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