Harnisch: Halbharnisch

um 1620, Besitzer: Erzherzog Leopold V. Habsburg Österreich

 

 

Halbharnisch

Gleich nach Ausbruch des Dreißigjährigen Krieges (1618-1648) bestellte sich Erzherzog Leopold V. von Tirol bei seinem Innsbrucker Hofplattner Hans Jakob Topf neben einem Reiterharnisch auch diesen überschweren Halbharnisch, der ihm bei Belagerungen in den Schanzgräben zweifellos hervorragenden Schutz bot. Der Halbharnisch kennzeichnet aber zugleich auch jenen Moment in der Entwicklung, in der die Feuerwaffe den Harnisch überflügelte und bald zum Verschwinden brachte. Um einen Harnisch kugelsicher zu machen - und die Schussproben am Helm, auf Brust und Rücken beweisen dieses Bestreben -, musste man ihn derart verstärken, dass er ein Gewicht von über 40 Kilogramm erreichte, weshalb er selbst von einem geübten Mann nur kurze Zeit getragen werden konnte. In Form und Farbe lässt sich hier schon ganz deutlich das barocke Körperideal erkennen. Vorbild ist der selbstbewusste Kraftmensch, der in seiner Gesamterscheinung stämmig und füllig sein sollte. So wirkt der Helm eiförmig, fast kugelig gerundet. Das vorgeschnallte Visier hat ausgeschnittene Okulare und verdeckt das ganze übrige Gesicht. Breit ausladend sind die Schultern, die hier als geschobene Achseln die bis zu den Ellenbogen reichenden Handschuhe überlappen. Durch die hoch angesetzte Taille wird der Oberkörper stark verkürzt; der Leib wirkt dementsprechend stattlich und ist durch die ausladenden Hüften der barocken "Imponierhaltung" angeglichen, die im Rahmen dieses Körperideals angestrebt wird. Dadurch sowie mit der dunklen Oberfläche und den spärlich verwendeten Dekorationselementen, die sich auf den Kontrast der vergoldeten Messingnieten zum Eisen beschränken, wird eine drohende, fast feindselige Wirkung erreicht.

Derzeit ausgestellt: Neue Burg, Hofjagd- und Rüstkammer Saal VIII

Objektdaten

Objektbezeichnung

Harnisch

Kultur

Innsbruck

Datierung

um 1620

Hersteller/in

Hans Jakob Topf , (Plattner) (erw. 1605 -1628, tätig in Innsbruck)

Material/Technik

Gebläutes Eisen, Blattgold, Messing, (Aluminium?), Leder, schwarzer Samt

Stempel / Zeichen

Hans Jakob Topf

Bildrecht

Kunsthistorisches Museum Wien, Hofjagd- und Rüstkammer

Inv. Nr.

Hofjagd- und Rüstkammer, A 1530

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