Pluviale des "Paperl" - Ornates

um 1712/1740 (Herst.); Ende 17. Jahrhundert (Stoff)

 

 

Pluviale des "Paperl" - Ornates

Die nach dem wienerischen Wort für Papagei als "Paperl"-Ornat bezeichneten Messgewänder sind vermutlich im Auftrag Elisabeth Christines, der Gemahlin Kaiser Karls VI., hergestellt worden. Laut Überlieferung handelt es sich bei diesem bestickten Gewebe um eine ehemalige Wandbespannung eines spanischen Schlosses. Möglicherweise wurde der Stoff im Gedenken an den Spanienaufenthalt Karls VI. (reg. 1711 - 1740) nach Wien verbracht. Beim Grundstoff handelt es sich um ein schlichtes Leinengewebe, das von einem in Spitzgradmuster mit Goldfäden gestickten Grund vollständig verdeckt wird. Darauf sind mit Silberfaden organisch geschwungene Ranken gestickt, deren Enden sich zu Blättern erweitern. Die feinen, in Silberlahn gestickten Adern der Blätter erhöhen die plastische Wirkung der Motive und setzen zudem schimmernde Akzente. Auch die teilweise in Legetechnik erhöht gearbeiteten Konturen der Blätter verstärken den plastischen Gesamteindruck und teilen den Stoff in Licht- und Schattenpartien ein. Das Muster wird durch in farbiger Seide gestickte Blüten und Blätter bereichert. Sie sind ebenso wie die bunt gefiederten, auf den Ranken sitzenden Papageien in so genannter Nadelmalerei ausgeführt. Durch das gegenseitige Spalten der mit einem Seidenfaden ausgeführten Stiche greifen die einzelnen Farbwerte derart ineinander, dass ein fließender, geradezu malerischer Übergang der Farbtöne erzielt wird. Ungewöhnlich ist der Umstand, dass die Köpfe und Krallen der Papageien von applizierten Stoffblüten aus Seide (Kettrips) verdeckt werden, die jedoch die exotischen Tiere nicht unkenntlich werden lassen. Dieser Eingriff erfolgte mit größter Wahrscheinlichkeit während der Umarbeitung der Wandbespannung zu einem Ornat. Für die ursprüngliche Verwendung des Stoffes als Wandbespannung spricht unter anderem die Großzügigkeit, mit der das Muster angelegt ist. Sie kommt insbesondere bei dem zum Ornat gehörenden Pluviale zum Tragen, dessen halbkreisförmiger Schnitt den Motiven viel Raum zur Entfaltung bietet. Einen besonderen Akzent setzt die unter anderem das Pluvialeschild, die so genannte Cappa, rahmende Silberborte. Aus: Hauptwerke der Geistlichen Schatzkammer. Kurzführer durch das Kunsthistorische Museum, Band 7, hrsg. von Wilfried Seipel, Wien 2007 (Katja Schmitz-von Ledebur).

Derzeit nicht ausgestellt.

Objektdaten

Objektbezeichnung

Parament

Kultur

Herstellung: Wien, Material: Spanisch (Madrid?)

Datierung

um 1712/1740 (Herst.); Ende 17. Jahrhundert (Stoff)

Material/Technik

Stickgrund: Leinwandbindung, Leinen; Gold- und Silberstickerei, Nadelmalerei, Ripsbandapplikation; Silberborten; Futter: Damast, Seide (Oliven; Quaste)

Maße

L. 146 cm, B. 300 cm

Bildrecht

Kunsthistorisches Museum Wien, Geistliche Schatzkammer

Inv. Nr.

Schatzkammer, GS A 4 a1

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