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Kommunionkelch mit Patene und Saugröhrchen, sogenannter "Wiltener Kelch"

um 1160/70

 

 

Kommunionkelch mit Patene und Saugröhrchen, sogenannter "Wiltener Kelch"

Die Feier des christlichen Messopfers erfordert zweckgebundenes Altargerät. Kelch und Patene erfüllen die vornehmsten Aufgaben, weil sie mit dem Allerheiligsten in Berührung kommen. Nach katholischer Glaubenslehre verwandeln sich durch das Aussprechen der Abendmahlsworte unter den Händen des Priesters Brot und Wein in den Leib und das Blut Jesu Christi. Die beiden gezeigten Kommunionkelche aus romanischer Zeit sind zweihenkelige Spendemesskelche. Sie waren einst nur in Gebrauch, wenn die Eucharistie auch in Gestalt des konsekrierten Weines dargeboten wurde, den die Gläubigen mit Hilfe von Saugröhrchen tranken. Der kompendienhafte heilsgeschichtliche Bildzyklus der Kelchgarnitur aus Stift Wilten und die Inschriften erläutern Sinn und Bedeutung des eucharistischen Opfers mittels Darstellungen aus der Geschichte des Alten und Neuen Bundes. Sie kulminieren auf der Patene im Kreuzesopfer Christi und seinem Sieg über den Tod. Auf dem Kelchfuß scheinen alttestamentliche Szenen auf, darunter der Sündenfall der Ureltern als die Ursache für die erlösende Opfertat Christi sowie die Opfer Noahs, Abrahams und Melchisedeks. An der Kuppawandung kommen die neutestamentlichen Szenen, von der Verkündigung bis zur Kreuztragung, zu stehen. Die Geschehnisse um das Letzte Abendmahl nehmen breiten Raum ein. Über den vier Kardinaltugenden auf dem Schaft sind, am Nodus reliefiert, die vier Paradiesesflüsse dargestellt; sie erweisen den Kelch als wirklichen Lebensbrunnen des Blutes Christi. Wohl über Anregung des Grafen Berthold III. von Andechs (1148-1188) - sofern dieser mit dem "BERTOLDVS" der Stifterinschrift identisch ist - wurde das Altargerät dem Stift Wilten geschenkt. Dieses Spitzenwerk romanischer Goldschmiedekunst ist großteils in Niellotechnik, die graphische Wirkungen anstrebt, ausgeführt und stammt aus dem Kunstkreis Heinrichs des Löwen.

Location: Kunsthistorisches Museum Wien, Kunstkammer Wien Raum XXXVII

Object data

Object Name

Liturgisches Gerät

Culture

Niedersachsen (?)

Dated

um 1160/70

Material

Silber, teilweise vergoldet, Niello

Dimensions

H. 16,7 cm (Kelch); D. 23,5 cm (Patene); L. 19,6 cm (Fistulae)

Inscribed

Kelchfuß außen: "PARCE CALIX ISTE PER QVOS DATVS EST TIBI CHR(IST)E BERTOLDI MONITIS CVI SIS MITISSIME MITIS"; K.fuß oben: "IN TESTAMENTO VETERI QVASI SVB TEGVMENTO CLAVSA LATET NOVA LEX NOVVS IN CRVCE QVAM RESERAT REX"; K.lippenrand: "HIC QVODCV(M)Q(VE) VIDES RES SIGNAT SPIRITVALES SP(IRITV)S EST QVI VIVIFICAT S(ED) NIL CARO PRODEST"; Patene, Oberseite innen: "FVLGENT CLARA DEI VITALIS SIGNA TROPHEI PER QVEM VITA DATVR MORTIS IVS OMNE FVGATVR"; Patene, Obers. außen: "INDICIIS PROBAT HIS SE VICTOR VIVERE MORTIS MEMBRIS IN CAPITE SPES EST FIRMISSIMA VITE VT REDIVIVVS ABIT SIC OMNES VIVIFICABIT"; Patene, Unters. außen: QVE REPROBAT CHR(ISTV)M SINAGOGA MERETVR ABISSVM ECCL(ESI)E FIDEI DAT GR(ATI)A GAVDIA CELI HIC HOMO LETATVR QVOD CELICOLIS SOCIATVR"; Patene, Unters. innen: "PECCATVM XPC MVNDI TOLLIT CRVCIFIXVS"

Bildrecht

Kunsthistorisches Museum Wien, Kunstkammer

Inv. No.

Kunstkammer, 8924

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