Hl. Gregor mit Schreibern

Ende 10. Jh., Künstler: Meister der Wiener Gregorplatte

 

 

Hl. Gregor mit Schreibern

Papst Gregor I. der Große (reg. 590 - 604), einer der vier lateinischen Kirchenväter, schreibt hier im Zentrum der Darstellung hingebungsvoll den Text in ein Buch, den ihm die auf seiner Schulter sitzende Taube des Hl. Geistes ins Ohr flüstert. In der darunter liegenden Zone sitzen drei Schreiber, wobei der am rechten Bildrand kauernde Mönch Gregor zuzuhören scheint. Liturgische Bücher mühevoll durch Abschreiben zu vervielfältigen, zählte zu den wichtigsten Aufgaben der Klosterskriptorien. Diese Tätigkeit schildert die untere Bildzone. Die Palastfassade in der oberen Zone repräsentiert wohl den päpstlichen Wohnsitz, den Lateran, der verkleinert und daher in Fernansicht wiedergegeben ist. Der um die beiden seitlichen Säulen gewundene Vorhang vermittelt zwischen Innen- und Außenraum. Die Stadtarchitektur mit Treppenhäusern, Mauerfluchten, Bogengalerien und einer Brückenkonstruktion bildet zusammen mit den umgeschlagenen Vorhängen ein nicht näher bezeichnetes luftiges Raumgebilde, in dem der hl. Gregor wie unter einem Baldachin sitzt. Ein üppiger Akanthusfries rahmt die gesamte Darstellung und hält die einzelnen Bildzonen zusammen. Der Meister der Wiener Gregorplatte erweiterte in dieser Tafel spätantike Vorbilder zu einer karolingischen Innenraumdarstellung, die wegen ihres Modellrealismus gerühmt wurde und im 9. Jahrhundert eine bemerkenswerte Rarität darstellt. Sein Oeuvre, von dem lediglich noch zwei weitere Werke in Frankfurt bzw. Cambridge bekannt sind, ist durch eine außerordentliche Plastizität, die mit tiefen Unterschneidungen und dem daraus resultierenden Spiel von Licht und Schatten noch gesteigert wird, sowie die bereits genannte stupende Detailtreue gekennzeichnet. Der hl. Gregor erwarb sich als Erneuerer der Liturgie und Schöpfer der Gebete bei der Messfeier besondere Verdienste um die Kirche. Das Elfenbeinrelief bildete ursprünglich das Mittelstück des Einbandes eines Sakramentars, also eines Buchs mit den vom Priester bei der Messfeier gesprochenen Gebeten, und stellt wohl eine Huldigung der Kirche an den Heiligen dar. Es ist 1647 im Inventar der Kunstkammer Erzherzog Leopold Wilhelms verzeichnet.

Location: Kunsthistorisches Museum Wien, Kunstkammer Wien Raum XXXVII

Object data

Object Name

Relief; Elfenbeinschnitzerei

Culture

Lothringen (?)

Dated

Ende 10. Jh.

Künstler

Meister der Wiener Gregorplatte (tätig vermutlich Ende 10. Jh.)

Material

Elfenbein

Dimensions

20,5 cm × 12,5 cm

Bildrecht

Kunsthistorisches Museum Wien, Kunstkammer

Inv. No.

Kunstkammer, 8399

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