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Aquamanile in Gestalt eines Greifen

um 1120/30

 

 

Aquamanile in Gestalt eines Greifen

Exotisch anmutender Zauber geht von diesem Gießgefäß aus: Sein Gerätecharakter, seine dämonische Tiergestalt - ein aufgereckter Vogel mit Adlerschnabel, ein Greif - und die Symboldeutung des Greifen, er ist ein Sinnbild Christi, der die Seele reinigt, verwandeln sich untereinander und gehen von einem zum anderen über. Nach orientalischen Vorbildern geschaffen, standen Aquamanile oft in profanem Gebrauch. Als edler, ritterlicher Hausrat legen sie Zeugnis von vergangener Burgkultur ab. Ebenso häufig ist ihre Verwendung für Handwaschungen im liturgischen Dienst überliefert. Im Mainzer Domschatz beispielsweise wurden im Jahre 1253 "Gießgefäße verschiedener Form" verzeichnet, "die man manilia nennt, weil aus ihnen Wasser über die Hände der Priester gegossen wird. Einige hatten die Form von Löwen, andere von Drachen, Greifen ..." etc. Wie U. Mende herausfand, gehört das Wiener Stück zum Kunstkreis des Roger von Helmarshausen (tätig um 1100 in Niedersachsen), Mönch und einer der größten mittelalterlichen Künstler auf dem Feld der Schatzkunst. Der perfekt gelungene Bronzehohlguß wirkt vollendet in der schwellenden Rundung seiner glatten Formen und in der Eleganz des kraftvoll-federnden Linienflusses. Flächig angelegte Dekorelemente aus tauschierten Silbereinlagen und eingebranntem Niello bestimmen, im Einklang mit der umfassenden Feuervergoldung, das farbige Erscheinungsbild: Dieses besteht aus dem Schwarz der eingesetzten Augenperlen, Anthrazitgrau, Silberschimmer und Goldglanz. Wurden die künstlerischen Wurzeln bislang in der Überlieferung der Maaskunst gesehen, weisen solche technischen Besonderheiten eher auf angelsächsische Tradition hin.

Location: Kunsthistorisches Museum Wien, Kunstkammer Wien Raum XXXVII

Object data

Object Name

Kirchengerät; Gefäß; Aquamanile; Gießgefäß

Culture

Helmarshausen

Dated

um 1120/30

Material

Bronze, vergoldet, Silber, tauschiert, Niello, Granat

Dimensions

H. 17,3 cm, B. 8,5 cm, L. 14,5 cm

Bildrecht

Kunsthistorisches Museum Wien, Kunstkammer

Inv. No.

Kunstkammer, 83

100 Meisterwerke - Aquamanile in Gestalt eines Greifen - Helmarshausen

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