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Gebetbuch der Philippine Welser

kurz nach 1557

 

 

Gebetbuch der Philippine Welser

Der in deutscher Kanzleischrift verfasste Codex ist im Inventar der Ambraser Sammlungen aus dem Jahr 1596 erwähnt. Er enthält eine Vielzahl von Gebeten; 240 Blätter sind mit Pflanzenund Tierdarstellungen illuminiert, jeweils 33 historisierende Initialen und Dekorinitialen sowie zwei Bildtafeln zeigen Szenen aus dem Alten und Neuen Testament. Wegen der Uneinheitlichkeit des malerischen Stils ist die Mitwirkung mehrerer Hofkünstler denkbar. Als Besitzerin des Codex gilt die erste Frau des Erzherzogs, Philippine Welser, die dieser Anfang 1557 geheiratet hatte. Der Spiegel des Vorderdeckels zeigt das aufgeklebte Porträt des jungen Ferdinand mit der Collane des Ordens vom Goldenen Vlies, in den er am 28. März 1557 aufgenommen wurde. Hier abgebildet ist fol. 113r mit einer Darstellung des Letzten Abendmahles nach Joh 13,26: [Und Jesus] "sprach: Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Einer von euch wird mich überliefern. Da blickten die Jünger einander an, zweifelnd, von wem er rede. Einer aber von seinen Jüngern, den Jesus liebte, lag zu Tische in dem Schoße Jesu. [...] Jener [...] spricht zu ihm: Herr, wer ist es? Jesus antwortete: Jener ist es, welchem ich den Bissen, wenn ich ihn eingetaucht habe, geben werde. Und als er den Bissen eingetaucht hatte, gibt er ihn dem Judas, Simons Sohn, dem Iskariot." Möglicherweise war Erzherzog Ferdinand II. persönlich in die Erstellung des Programms dieser Szene eingebunden. Die Bildtafel steht in Hinblick auf ihre Komposition Albrecht Dürers Fassung des Themas nahe. Dieser wiederum hatte sich, wie viele Künstler der Zeit, mit dem Werk Leonardo da Vincis auseinandergesetzt. Der kastenförmige Raum, in dem sich die zwölf Apostel versammelt haben, ist direkt aus Dürers Werk übernommen. Mit großer Präzision wiedergegebene Pflanzen und Tiere umrahmen die Szene.

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Object data

Object Name

Miniatur

Culture

Prag oder Süddeutsch

Dated

kurz nach 1557

Dimensions

H. 17,3 cm, B. 11,8 cm

Bildrecht

Kunsthistorisches Museum Wien, Kunstkammer

Inv. No.

Kunstkammer, 3232

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