Köcher: Bogenköcher und Pfeilköcher

um 1550

 

 

Bogenköcher und Pfeilköcher

Der Bogen, der in dem größeren der beiden Köcher, dem Bogenköcher, verstaut wurde, ist neben dem Krummsäbel geradezu zum Symbol für die türkische Bewaffnung geworden. In der osmanischen Armee verzichtete man auf diese Waffe auch nach der Einführung von Feuerwaffen nicht. Je nach Qualität des Bogens erforderte die Herstellung der Waffe bis zu zehn Jahre, wobei einzelne Schichten aus hartem Holz, aus Büffelhorn und Rindersehnen mit Fischleim aneinander geleimt wurden. Jeder dieser Arbeitsvorgänge verlangte ausgedehnte Trocknungszeiten, woraus die lange Herstellungszeit resultierte. Mit diesen Kompositbogen schossen die Türken bis zu 800 Meter weit. Die Sehne wurde mit Hilfe eines über den Daumen gezogenen Horn- oder Metallringes gespannt, sodass der Schütze den Bogen weit stärker spannen konnte, als dies bei der europäischen Art des Bogenschießens mit Zeige- und Mittelfinger möglich war. Der Reflexbogen ist nach seiner Eigenschaft benannt, sich in seine natürliche Krümmung zurückzubiegen. Daher musste man den Bogen, um die Sehne einlegen zu können, entgegen seiner entspannten (reflexiven) Krümmung biegen. Um den sehr empfindlichen Bogen vor Nässe zu schützen, wurde er nach dem Gebrauch in einem Bogenköcher (sadak), den man an der linken Seite trug, versorgt. Auf der rechten Seite hatte der Türke einen Pfeilköcher (tirkes). Der Bogenköcher ermöglichte auch das Verstauen des Bogens im Nahkampf, da er dabei hinderlich war. Da die Bogen in der kriegerischen Tradition der Türken eine sehr große Bedeutung hatten, wurden sie vom Sultan zusammen mit den dazugehörigen Köchern als Ehrengeschenk auch an europäische Gesandtschaften gegeben. Die prachtvolle Ausführung der beiden um die Mitte des 16. Jahrhunderts entstandenen Köcher spricht eher gegen die Annahme, dass sie als Beute in kaiserlichen Besitz gelangt sind. Wie bei den meisten orientalischen Prunkstücken handelt es sich hier wohl um diplomatische Geschenke.

Location: Neue Burg, Hofjagd- und Rüstkammer Saal VI

Object data

Object Name

Köcher

Culture

Türkisch

Dated

um 1550

Material

Verschiedenfarbiges Leder, Leinen

Bildrecht

Kunsthistorisches Museum Wien, Hofjagd- und Rüstkammer

Inv. No.

Hofjagd- und Rüstkammer, C 5a und HJRK C 5

Kunst & Patenschaft

Viele unserer Objekte sind auf der Suche nach Paten. Mit einer Kunstpatenschaft tragen Sie dazu bei, die Schätze der Kunstgeschichte für die Zukunft zu bewahren.
Als Kunstpate fördern Sie mit Ihrer Spende direkt und nachhaltig die wissenschaftliche Dokumentation, Erforschung, Restaurierung und Präsentation der Kunstbestände des Kunsthistorischen Museums Wien.

Werden Sie Kunstpate